Tragbare Lebensretter Geltendorf: Schutzweste rettete den Polizisten

Zwischen 400 und 600 Euro kostet eine Schutzweste. Foto: Maurizio Gambarini, dpa

Eine Schutzweste rettete den angeschossenen Polizisten in Geltendorf. Zwischen 400 und 600 Euro kostet so ein Textil. Die AZ erklärt, wie sie funktioniert

 

MÜNCHEN Das Umdenken fand etwa 1999 statt. Damals starben deutlich mehr Polizeibeamte im Dienst als sonst. Also entschied das Polizeitechnische Institut (PTI) in Münster, die Schutzklasse für Schutzwesten in Deutschland generell auf die Kategorie I anzuheben. Seither ist jeder Polizist verpflichtet, eine zu tragen. Damit gehört Deutschland zu den wenigen Ländern weltweit, die auf die höchste Sicherheitsstufe setzen.

Woran das liegt? „Das ist wahrscheinlich unsere Mentalität”, sagt Thomas Kühnlein. Der Ballistik-Experte und Vertriebsleiter des größten deutschen Herstellers von Schutzwesten stattet mit seinem Arbeitgeber unter anderem die Polizisten in Bayern aus.
Damit sind Kühnlein & Co. im indirekten Sinne Lebensretter. Auch den Beamten (43), der in Geltendorf im Schusswechsel mit Räuber Jürgen P. getroffen worden ist, hat eine Schutzweste vor dem Tod bewahrt. Zwischen 400 und 600 Euro kostet so ein Textil.

Worauf kommt es bei den Schutzwesten an? Zunächst muss man zwischen Unterzieh- und Überziehwesten unterscheiden. Letztere werden oberhalb der Uniform getragen, sind also sichtbar und zumeist etwas dicker. „Die blauen Flecken sind hier dementsprechend weniger, wenn man getroffen wird”, sagt Kühnlein. Bei Unterziehwesten sei das Ziel, dass man sie nicht sehe.
In Westen schützt eine mehrschichtige Netzstruktur aus reißfestem Gewebe den Träger: So genannte Para-Aramid-Fasern wie etwa Kevlar geben beim Eintreten der Kugel nach und absorbieren deren Energie – die Kugel kann nicht bis zum Körper durchdringen.

Damit die Westen den bestmöglichen Schutz bieten, wird jeder Beamte einzeln vermessen. Grundsätzlich müssen die Westen selbst dann funktionieren, wenn eine Waffe direkt daran abgefeuert wird.
Ansonsten geht es bei der Anfertigung vor allem darum, dass der Tragekomfort und die Bewegungsfreiheit gewährleistet sind. Auch Kälte- und Hitze-Tests werden regelmäßig durchgeführt. Ihre Schutzfähigkeit verlieren die Westen nur, wenn Jagd- oder Kriegswaffen eingesetzt werden. „Dann sollten Keramikplatten als zusätzlicher Schutz angebracht werden”, sagt Kühnlein.

 

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