Tour de France „Heute hat die Tour zum zweiten Mal begonnen“

Tony Martin gewinnt das Einzelzeitfahren und setzt die deutschen Tage bei der Tour fort. Vier deutsche Siege gab es zuletzt 2001

 

MONT SAINT-MICHEL - Viereinhalb Stunden musste Tony Martin zittern, dann hatte der Zeitfahr-König endlich Gewissheit: Er hat sich bei seiner Spezialdisziplin für seine bisherige Tour der Leiden entschädigt. Tony Martin gewann das erste Einzelzeitfahren der diesjährigen Tour de France.

Der favorisierte Weltmeister gewann das 33 km lange Rennen gegen die Uhr zwischen Avranches und Mont-Saint-Michel nur zwölf Sekunden vor dem Mann in Gelb Christopher Froome und belohnte sich für seine Nehmerqualitäten nach dem schweren Sturz zum Auftakt auf Korsika. Doch die Wunden behinderten ihn gestern nur wenig. „Das ist abgehakt – heute hat für mich die Tour zum zweiten Mal begonnen“, sagte er nach dem Sieg.

Für Martin war es nach seinem Zeitfahr-Triumph 2011 in Grenoble der zweite Tageserfolg bei der Tour. „Am Ende hatte ich furchtbare 30 Minuten. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Chris so nah an mich herankommt. Ich bin wirklich glücklich“, so Martin. Völlig entkräftet hatte sich Martin, der im Regenbogentrikot des Weltmeisters um 12.36 Uhr als 65. von 182 Fahrern auf den Kurs gegangen war, im Ziel auf den Boden geworfen und nach Luft geschnappt. Der Cottbuser hatte einen sensationellen Schnitt von 54,271 km/h in den Asphalt gebrannt und zeigte sich vorsichtig optimistisch. „Ich habe alles in die Waagschale geworfen und bin mit der Zeit zufrieden. Ich hoffe, es reicht für den Sieg, die letzten Fahrer können natürlich noch mal eine Schippe draufsetzen", sagte Martin.

Nur einen Tag nach Marcel Kittels Erfolg im Sprint setzte „Turbo-Tony“ also beim Einzelzeitfahren die „deutschen Tage“ bei der Tour fort. Vier Etappen haben Martin, Kittel (2) und André Greipel nun schon gewonnen – so viele deutsche Etappenerfolge bei der Tour hatte es zuletzt 2001 (Erik Zabel/3, Jens Voigt/1) gegeben.
 

Lange musste der 28-Jährige gestern zittern, als sein größter Konkurrent Froome auf der Strecke war. Doch die Sorgen waren unbegründet. Der in den Bergen unantastbar scheinende Sky-Kapitän raste zwar mit dem Selbstvertrauen des Gesamtführenden und war bei der ersten Zeitmessung nach 9,5 km sogar schneller als der Deutsche. Am Ende war Froome aber langsamer.
Martin beendete derweil seinen Tour-Fluch, der ihn seit dem Vorjahr heimgesucht hatte. Stark blutend und mit Schürfwunden übersät beendete er die erste Etappe der 100. Frankreich-Rundfahrt nach einem Zusammenstoß mit Sprinter Andre Greipel. Das vorzeitige Tour-Aus<WC>? Nein. <WC1>Martin biss auf die Zähne, quälte sich bandagiert über die ersten Tage – und erlebte prompt die nächste Enttäuschung. Mit Omega Pharma-Quick Step belegte er im Mannschaftsrennen mit weniger als einer Sekunde Rückstand hinter dem Orica-Team Platz zwei. Schon 2012 hatte er oft Pech gehabt. „Natürlich war ich besonders motiviert nach dem Unglück der ersten Woche“, sagte er. „Dieser Sieg hat mir und dem Team sehr gut getan.“
 

Nicht so gut: Der britische Sprintstar Mark Cavendish (Quick Step) ist vor seinem Start zum Einzelzeitfahren von aufgebrachten Zuschauern mit Urin bespritzt worden. Ein möglicher Grund: Cavendish war auf der 10. Etappe mit Tom Veelers im Finale zusammengestoßen. Martin dazu: „Diese Sache müssen Tom und 'Cav' klären, und nicht das Publikum. So etwas ist wirklich traurig.“
 

 

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