Totschlag Mann will ins Gefängnis: Da ersticht er seine Frau

Hans T. hatte große Angst, erst seinen Job zu verlieren und dann die gemeinsame Wohnung. Deshalb wollte er ins Gefängnis. Foto: John Schneider

Totschlag-Prozess: 59-Jähriger gesteht die Tat. Kranführer fühlte sich mit Job und Pflege der behinderten Frau völlig überfordert.

 

München Aus der Wohnung drang Stöhnen. Die Nachbarin machte sich Sorgen und klingelte drei Mal an der Tür der Geretsrieder Nachbarwohnung. Aber niemand öffnete ihr. Als sie wenige Minuten später anruft, war Kranführer Hans T. (59, Namen geändert) am Apparat. Er klang ganz ruhig, wenn auch etwas einsilbig, berichtete sie gestern. Jedenfalls konnte er die besorgte Nachbarin beruhigen. Eine Grusel-Szene, denn nur wenige Meter von Hans T. entfernt saß bei dem Anruf seine Frau im Rollstuhl. Tot. Er hatte sie wenige Minuten zuvor mit 12 Messerstichen getötet.

Seit Montag muss er sich wegen Totschlags in schuldunfähigem Zustand vor dem Landgericht verantworten. Das Gericht hat zu entscheiden, ob der an einer schweren Depression mit psychotischen Zügen leidende Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Es hatte Warnzeichen gegeben. Hans T. stach nur gut zwei Wochen nach der Entlassung aus der psychiatrischen Abteilung einer Klinik zu. Er hatte gedroht, seine Frau umzubringen. Petra T. (58) war seit einem Schlaganfall vor elf Jahren halbseitig gelähmt und konnte kaum sprechen. Durch die Betreuung fühlte sich der Ehemann völlig überfordert, wie er von seiner Anwältin Birgit Schwerdt erklären ließ.

Er hatte zudem große Angst, erst seinen Job zu verlieren und dann die gemeinsame Wohnung. Und er entwickelte die Vorstellung, dass er alle Sorgen los wäre, wenn er ins Gefängnis käme.
Warum die Klinik den Mann trotz der Morddrohung nach gut drei Wochen zu seiner Frau in die gemeinsame Wohnung in Geretsried entließ, ist eine der spannenden Fragen in diesem Prozess.

Bereits beantwortet ist die Frage nach dem Täter. Hans T. ließ von seiner Anwältin erklären, dass er die Tat „voll umfänglich“ zugebe. Das hat er von Anfang an getan, berichtete ein Polizist. Die Anklageschrift beruht denn auch zum größten Teil auf den Angaben des Täters.

Demnach hatte er am frühen Morgen des 10. Juni zunächst ein Kissen auf Nase und Mund des Opfers gedrückt. Doch Petra T. gelang es, sich wegzudrehen. Da sei er in die Küche gegangen, habe sich ein Messer geholt und der im Rollstuhl Sitzenden viele Male in die Brust gestoßen.

Der Prozess dauert an.

 

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