Tollwood-Kritik Max Herre: Liebeserklärung an Hip Hop und Soul

Max Herre auf dem Münchner Tollwood-Festival. Foto: Erik Weiss

Max Herre mit dem Kahedi Radio Orchestra auf dem Tollwood. Die AZ-Kritik

 

München - Nach zweieinhalb Stunden Konzert thront Max Herre auf dem Barhocker, das Mikro zum Publikum gedreht. Er lächelt. Sie singen „Halt dich fest“, und wieder „Halt dich fest“ und wieder, wieder. An der Liebe halten sie fest, und an Max Herre. Nah an Rio Reiser ist seine Interpretation in der saunaheißen ausverkauften Musikarena am Sonntag. Die Münchner – pitschpatschschweißnass - wollen Maximi Maxima Maximax nicht gehen lassen, denn der hat mit seinem Kahedi Radio Orchestra und Gastmusikern wie Fetsum, Megaloh und Grace einen Auftritt hingelegt, als müsse er sich ein Denkmal setzen.

Die FK Allstars, mit denen der 41-Jährige vor 15 Jahren tourte, hat er nochmal ordentlich aufgeblasen. Für MTV Unplugged hat er eine stromlose und seelenvolle Platte aufgenommen und tourt jetzt mit 20-köpfigem Orchester und alten Rap-Weggefährten. Obwohl die Bühne überladen mit Instrumenten ist, Kontrabass, Pauke, Perkussions, Bläser, macht Herre nicht den Fehler, die Show aufzublasen. Stattdessen hat er Ideen, die bei „Anna“ wie ein Schwarzweißfilm mit einsamen Flügelhornsolo in einer leeren Bar daher kommen. Oder als fetter Drum-Beat, der Hip Hop bei „Rap ist“ an der Wurzel packt. Oder er reduziert bei „Mit dir“, weil die Liebe zwischen ihm und seiner wilden, sinnlichen Frau Joy Denalane sowieso in jedem Ton, Blick und Wort greifbar ist.

Lärmig wird’s, als mit dem Boom eines Minenfelds, Samy Deluxe auf der Bühne steht. Der Hamburger war mit Afrob auf dem Hip Hop Open in Stuttgart und hat's nicht weit gehabt. Glück für die Münchner, die von Eimsbush bis 0711 durch die deutsche Rapgeschichte reisen. „Du wirst nie ein guter Rapper, wenn du Soul nicht liebst“, erklärt Max in „Rap ist“. Die Kahedi Radio Show ist seine Liebeserklärung.

 

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