Tollwood-Festivalclub Repair Café: Kaputte Dinge kostenlos reparieren lassen

Die Freude ist groß, die Nähmaschine läuft wieder (v.l.): Suar Mustafa, Liselotte Keipel und Werner Kunzendorf im Repair Café auf dem Tollwood. Foto: Sophie Anfang

Dinge wieder herrichten, statt sie wegzuwerfen: Das ist die Idee von Repair Cafés. Ein Besuch der Reparaturwerkstatt auf dem Tollwood.

 

München - Sie ist schon etwas betagt, doch immer noch eine elegante Erscheinung mit ihren weißen, geschwungenen Körper und ihrem praktischen grünen Köfferchen. Nur will sie nicht mehr so wie früher. Manche werden im Alter ein bisschen zickig. 40 Jahre sind ja auch ein stolzes Alter, zumindest aus der Perspektive einer Privileg, Modell 480.

Liselotte Keiper (62) beugt sich behutsam über ihre Nähmaschine, mit der sie schon so viel genäht hat: Kostüme oder Auftrittsgewänder für ihre Band. Aber seit ein paar Wochen näht die Privileg nicht mehr, deshalb hat Keiper sie hierher gebracht, ins Repair Café auf dem Tollwood.

Dienstag bis Sonntag werden hier jeden Abend im Schnitt bis zu fünfzehn Kleinelektrogeräte repariert. Kostenlos und von passionierten Bastlern. Reparateure nennen sie sich.

Werner Kunzendorf ist so jemand, der fast alles reparieren kann. Der 71-Jährige ist gelernter Feinmechaniker, studierter Maschinenbauer und geduldiger Tüftler. Wenn es ein Ersatzteil nicht mehr gibt, kann es vorkommen, dass Kunzendorf es einfach selbst nachbaut.

Jetzt schaut der 71-Jährige kritisch auf die Privileg: „Was ist kaputt?“ – „Die Fadenspannung“, sagt Keiper. „Das könnte machbar sein“, sagt Kunzendorf. Die Leute werfen zu viel weg, findet er. Dabei kann man vieles richten. Vor allem ältere Geräte. „Die größten Fehler haben die kleinsten Ursachen“, ist eine seiner Faustregeln. Nur finden muss man ihn. Bei der Privileg ist das nicht einfach. Kunzendorf schraubt, leuchtet mit der Taschenlampe in die Maschine, auf dem Tisch liegen Beilagscheiben: „Da stimmt irgendetwas überhaupt nicht.“

Neben Kunzendorf hat sich inzwischen noch ein zweiter Reparateur gestellt, Suar Mustafa (21). Die beiden haben sich in einem Repair Café kennengelernt. Mustafa will IT studieren und mag gerne unkonventionelle Lösungen. Kunzendorf wählt lieber den deutschen Weg, wie er sagt. Das ergänzt sich gut. „Wir reparieren praktisch alles“, sagt der 71-Jährige. Mustafa reicht Kunzendorf einen Aufsatz für den Schraubenschlüssel. Viele Spezialschrauben sind klein und sonst nicht zugänglich. Dann hat der 21-Jährige selbst eine Idee: „Vielleicht so?“, fragt er und zieht eine kleine Schraube fest. Keiper schaut den beiden Männern aufmerksam zu. Wenn es geht, helfen die Besucher im Repair Café selbst bei den Reparaturen mit. Oft ist es aber doch zu kompliziert.

Etwa die Hälfte der Geräte, die die Besucher vorbeibringen, kann repariert werden. Manchmal bitten die Reparateure die Gäste auch, noch einmal wiederzukommen, weil es für die Reparatur ein spezielles Werkzeug braucht.

Bei der Privileg ist das nicht nötig. Nach einer guten halben Stunde packen Kunzendorf und Mustafa ihr Werkzeug weg. Liselotte Keiper schaut glücklich auf ihre Nähmaschine, die wieder schöne, feste Stiche macht.

Während sie ihre Maschine im grünen Koffer verstaut, macht Kunzendorf auf dem Reparaturzettel noch schnell ein Kreuz: „Reparatur geglückt: ja.“

Das Repair Café ist im Festivalclub-Zelt, Di-So, 17-21 Uhr.

Weitere Repair Cafés: Haus der Eigenarbeit, Wörthstr. 42 (am 21.2.2016, 12-17 Uhr)

Werkbox3, Grafinger Str. 6 (Termin 7.1.2016, 18 Uhr)

Infos zu Repair Cafés im Umland

 

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