Tollwood Der Circus Oz zeigt „Model Citizens“

In der perfekten Welt des Circus Oz. Foto: Robert Blackburn

Auf dem Tollwood fliegen bei „Model Citizens“ vom australischen Circus Oz die Messer und die Männer durch die Luft

An den Füßen aufgehängt und mit einer Zwangsjacke gefesselt, kreist der Punk über dem brennenden Webergrill, während Artisten in flauschigen Schafskostümen zur krachenden Metalmusik headbangen. Jaaaaa! So muss Circus sein: Immer ein bisschen neben der normalen Spur, ein bisschen zu laut und ein bisschen zu wild.

Am Freitag hat der Circus Oz mit seinen „Model Citizens“ im Grand Chapiteau des Tollwood Premiere gefeiert. Im Winter 1994 gastierte die australische Compagnie zum ersten Mal bei Tollwood. Zum dreißigjährigen Jubiläum des Festivals kehrt sie nun zurück – mit einer etwas verkopften Geschichte im Kopf und unheimlich vielseitigen Artisten.

Die Idee hinter Model Citizens von Rob Tannion: Die Mythen des modernen Australiens auf die Bühne zu bringen und den Zuschauer mit auf eine Reise in die Welt eines vorbildlichen Bürgers zu nehmen. Die Botschaft ist, der Mensch soll sich nicht in eine Idealform pressen lassen, sondern kann nur als Individuum unsere Gesellschaft in eine glückliche Zukunft führen.

Der australische Musterbürger

Dass es diesen moralinsauren Überbau gar nicht gebraucht hätte – geschenkt. Die Geschichte, die erzählt wird, ist beim Können der Artisten egal. Und immerhin sorgt die Sozialkritik für einige heitere Momente. Etwa, wenn ein Sprecher beklagt, dass die Vergangenheit Australiens beschämend sei: „Der Rassismus und all die Touristen, die von Krokodilen gefressen wurden.“ Oder wenn dem Weber-Grill zu Ehren ein Song gesungen wird und die Szenerie ins Absurde umkippt.

Im ersten Teil setzt sich Circus Oz mit dem Musterbürger auseinander: Das zwölfköpfige Team springt durch gigantische Scheren, nutzt Wäscheklammern als Sprungbrett und baut Kreditkartentürme, auf denen ein Artist stehen kann. Die perfekte Welt ist blau, die Menschen tragen blau und wirken besoffen-blau-blöd vor Perfektionsdrang. Nur ein Punk ist bunter als die anderen.

Zum durchchoreographierten Leben enerviert eine Zweimannband mit Ania Reynolds am Keyboard und Jeremy Hopkins am Schlagzeug. Höhepunkt ist eine Luftnummer, bei der einer der Artisten meist im Kopfstand in einem Reifen schwebt, wobei sein Unterleib und der Rest des Körpers nicht zusammengehören zu scheinen. Dabei legt er enorme Tempounterschiede hin, wechselt von extremer Langsamkeit, in der jede Muskelbewegung zu sehen ist, zu rasanten Drehungen.

Großes Können

Fast keine Circusnummer lassen die zwölf Oz-Artisten aus: Messerwerferin auf Kühlschranktür, Feuerschlucker mit Iro-Frisur, eine rasante Reifennummer oder Tuchakrobatik. Zum Finale zeigt die Compagnie eine Nummer, wie man sie noch nicht im Circus gesehen hat. Auf einer quer gehängten Strickleiter turnen bis zu fünf Artisten. Das ist zwar innovativ, weil es immer ein bisserl wacklig aussieht, aber nicht so schön anzusehen, wie die vielen anderen perfekten Nummern.

Dass es hier um den perfekten Menschen in einer perfekten Welt gehen soll, hat man am Ende der Show sowieso vergessen. Doch die Eindrücke von großem Können bleiben.

Noch bis 29.12 (fast) jeden Tag außer Mo, 24.12 & 25.12 um 20 Uhr, Theresienwiese. Mit Menü ab 18 Uhr. Karten: 4-Gänge-Bio Menü 84,80 Euro, ohne Menü ab 38 Euro
 

 

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