Tollwood auf der Theresienwiese Die Revue „Paris de nuit“ im Spiegelzelt

In „Paris de nuit“ vermischen sich Artistik und Humor. Foto: Attila Nagy

Das Tollwood Winterfestival lädt ein zur Revue „Paris de nuit“ mit familientauglicher Erotik im Spiegelzelt

 

Der Modedesigner Jean Paul Gaultier habe sich die Show während des Paris-Gastspiel drei Mal angesehen, berichtete Bence Vági vor der Müncher Premiere nicht ohne Stolz. Das freute den Tänzer, Choreographen und Regisseur der Zirkustruppe Recirquel besonders, denn als Ungar sei es aufregend für ihn gewesen, den Parisern etwas über ihre Varietékultur zu erzählen.

Mit seiner Revue „Paris de nuit“, die im Spiegelzelt bei Tollwood zu erleben ist, knüpft an eine Tradition der ungarisch-französischen Beziehungen an und bezieht sich auf den Fotografen Gyula Halász. Unter dem Künstlernamen Brassaï dokumentierte er das Leben der Seine-Metropole abseits der eleganten Boulevards.

„Paris de nuit“ hieß ein Bildband, den Brassaï 1933 veröffentlichte. Er beobachtete Obdachlose, Lumpensammler oder Prostituierte in intensiven nächtlichen Inszenierungen. Die Folies Bergère sind auch ein Motiv, aber betrachtet aus der Perspektive der Tänzerinnen hinter den Kulissen. Die kontrastreichen Schlaglichter, wie sie Brassaï setzte, finden sich auch im Lichtdesign der zirzensischen Produktion aus Budapest wieder.

Schwüle Laszivität

Die Härte des erotischen Showbusiness erscheint freilich im Hinblick auf mehr Familientauglichkeit überzuckert von einer nostalgischen Wehmut, zu der mit dem Verlauf des Abends schwüle Laszivität kommt. Diese Stimmung wird immer wieder von erfrischender Ironie gebrochen. Der Cancan, das Herzstück der Pariser Varietés, ist hier seine hinreißende Parodie als clowneske Solonummer, der Tango steigert sich zu einem akrobatischen Liebesspiel oder die Assistentin des Jongleurs gähnt herzhaft bei der routinierten Darbietung ihres Chefs und stiehlt ihm mit einem Striptease die Show.

So sind kleine Geschichten an die klassische Artistik verknüpft wie das Werben um die Aufmerksamkeit der kraftvollen Seiltänzerin oder eine sehr physisch choreografierte Trapeznummer mit zwei Männern zum Chanson „What Makes A Man A Man“. Der Titel von Charles Aznavour ist das einzige Stück Musik, das von Péter Sárik nicht für diese Pariser Nächte komponiert wurde. Das kleine Orchester und der Gesang bilden ein exquisites Jazzensemble, das auch Pop, Tanzmusik und Zirkustingeltangel souverän beherrscht.

Tollwood Spiegelzelt, außer montags, 24. und 25. 12. bis Silvester, Di. bis Sa. 20.30 Uhr, So. 14 und 18 Uhr, Telefon 070038385024

 

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