Tod mit 83 Maximilian Schell: Würde und Autorität aus großer Tiefe

Maximilian Schell. Foto: dpa

Ein nächtliches Gedicht im Bayerischen Hof und die Stimme von „Marlene“. Hier erinnert sich ein AZ-Redakteur an Schauspieler Maximilian Schell, der mit 83 nach einer Rücken-OP stirbt.

 

Seine österreichisch eingefärbte Stimme kannte ich seit 1982, seit „Marlene“, Maximilian Schells Dokumentarfilm über die Dietrich, die allerdings verboten hatte, gezeigt zu werden. So hört man nur ihre Altersstimme und seine wunderbar tief-tragende, der allein die Diva so vertraute, dass sie sich ihm öffnete.

Im letzten Jahr hatte ich Maximilian Schell noch einmal in persona erlebt, beim nachgefeierten Geburtstag einer seiner Freundinnen, Elisabeth Wicki-Endriss. Deren Bruder hielt eine lange Rede auf seine Schwester, als sich Schell gravitätisch vom Stuhl an der Tafel erhob und einfach anfing, ein Gedicht zu rezitieren.

Ich kann mich nicht mehr genau an den Text erinnern. Aber es war ein spätromantisch melancholisches, todesgegenwärtiges Gedicht – und damit befremdend auf einer nächtlichen Geburtstagsfeier im Südsee-Kellergewölbe des Trader Vic’s im Bayerischen Hof. Außerdem stand gerade die Hochzeit von Schell mit seiner 47 Jahre jüngeren Frau und Sängerin Iva Mihanovic an. Aber diese Rezitation entfaltete sofort eine Feierlichkeit, gestärkt von der Autorität eines alten, würdigen Lebemannes, eines Schauspielers mit Tiefe.

Und wenn er plötzlich innehielt, ihm plötzlich ein Wort fehlte, so flüsterte Iva den Beginn der kommenden Zeile in den halbdunklen Raum und er nahm sie auf und setzte das Kunstwerk fort. Es war berührend und gespenstisch zugleich. Und wenn ich zurückdenke an den „Marlene“-Film, der sogar oscar-nominiert war, so fällt mir heute auf: Hier waren in einem Projekt die einzigen internationalen Superstars zusammen gespannt, die Deutschland hervorgebracht hat.
 

 

0 Kommentare