Tiroler Festspiele Erl Die Oper "Stillhang" mit Isabel Karajan

Die Oper "Stillhang" im Festspielhaus Erl. Foto: Elia Roman

Die Uraufführung der Oper „Stillhang“ über Liesl Karlstadt bei den Tiroler Festspielen in Erl

Schwierig. Um diese Geschichte auf die Bühne zu bringen, muss eine singende Schauspielerin eine bekannte Komikerin spielen, die in Oberbayern jeder kennt. Der Rest des Personals trägt Wehrmachtsuniform, um die Gebirgsjäger darzustellen, bei denen Liesl Karlstadt als Gefreiter Gustl ihre seelischen Wunden auf der Ehrwalder Alm auskurierte, die ihr das Leben an sich und ihr Bühnenpartner Karl Valentin im Besonderen zugefügt hatten.

Mit der ersten Herausforderung kam der Komponist Christian Spitzenstaetter in seiner Oper „Stillhang“ mühelos zurande. Der 24-jährige Tiroler gewann Isabel Karajan für die Uraufführung und einzige Aufführung dieses Auftragswerks der Tiroler Festspiele im Festspielhaus von Erl.

Die älteste Tochter des berühmten Dirigenten verbindet nichts mit der Karlstadt. Isabel Karajan ist schlank, fegt wie ein Kobold über die Bühne und redet auch nicht bairisch, sondern mit einer gepflegten altösterreichisch-aristokratischen Färbung. Und die Gemütlichkeit der Komikerin ist ihr auch so fern wie nur möglich.

Spitzenstaetter hat sehr geschickt für diese meist sprechende und nur hin und wieder singende Schauspielerin komponiert. Den großen Monolog, in dem die Karlstadt mit dem Zwetschgenkasper abrechnet, mit dem – abgesehen vom Leben an sich – der ungenannt bleibende Karl Valentin gemeint ist, wird nur von hingetupften Klängen einer Klarinette begleitet.

Eine bestechende Theatermusik

Den Klang des kleinen Orchesters dominieren harte, metallisch trockene Schlaginstrumente, unterstützt vom Klavier und geerdet von einer Kontrabassklarinette, einem Saxofon und wenigen tiefen Streichern. Sie spielen meist schnelle, variiert wiederholte Phrasen aus dem Grenzbereich zwischen avantgardistischem Jazz und Minimal Music. Das Bühnengeschehen wird auf diese Weise distanziert und ins Abstrakte gehoben. Eine ungewöhnliche, aber zugleich bestechende Form von Theatermusik.

Leider ruiniert der Text diese höchst respektable Musiktheater-Talentprobe. Klaus Ortner versuchte, den Sprachwitz von Karl Valentin mit allerlei absurden Reimereien nachzuahmen. Das passt nicht zur völlig unlustigen Geschichte, die den seelischen Zusammenbruch seiner Bühnen- und Lebenspartnerin umkreist. Es funktioniert auch nicht als Groteske, weil Ortner keine Haltung zur Handlung entwickelt und nicht deutlich machen kann, warum er heute von Liesl Karlstadt erzählen möchte.

Weil nette Gebirgsjäger der Wehrmacht allenfalls in Landserheften durchgehen, schlurfen sie auf der Bühne des Erler Festspielhauses als Lemuren über die Bühne, ständig den Tod vor Augen. Den symbolisieren kreuzförmige Holzlatten, auf denen früher in den Alpen Heu getrocknet wurde (Bühne: Peter Lorenz). Nach einer überflüssigen Pause will ein dritter Akt kein Ende nehmen. Zuletzt tritt auch noch der unvermeidliche SS-Mann auf, der die Gebirgsjäger in den sicheren Tod schickt.

Die Wirklichkeit war da gnädiger: Liesl Karlstadt überwinterte den Krieg als Gebirgsjäger-Maskottchen und trat in der Nachkriegszeit als Schauspielerin endlich aus dem übermächtigen Schatten von Karl Valentin.

 

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