Tiroler Festspiele Dvoraks "Rusalka" im Festspielhaus Erl

"Rusalka" in der Inszenierung von Florentine Klepper im Erler Festspielhaus. Foto: Xiomara Bender

Die Tiroler Festspiele in Erl zeigen Dvoráks „Rusalka“ in einer Inszenierung von Florentine Klepper

 

Traulich und treu ist’s nur in der Tiefe“ singen drei andere Wasserwesen bei Wagner. Das ist dennoch eine Parallele zu Florentine Kleppers allem Märchen-Kitsch fernen, karg-klaren Inszenierung von Antonín Dvoráks „Rusalka“ im Festspielhaus von Erl – passend zu jenem Naturwesen, das aus der Wassertiefe hinauf in die Menschenwelt will und dort mit seiner Liebe scheitert.

Zwar können Rusalka und ihre drei Gefährtinnen in ihrer Wasserwelt auf Treib-Ankern lustig schaukeln und ihre Schlepp-Röcke wie Flossen schwenken, aber Rusalka will mehr: Sie hat da oben einen Traummann, einen „Prinzen“ gesehen und sich verliebt. Also klettert sie in ein Schlauchboot hinauf. Der Wasserspiegel im Video-Hintergrund sinkt und gibt den Blick in die Tiroler Bergwelt frei.

Doch was haben die Menschen aus der Kufstein-nahen Natur gemacht: ein durchgestyltes Golf-Resort, wo sich die High Snobiety recht uniform selbst inszeniert. Mehr als verständlich, dass Rusalka in diesem Ambiente stumm bleibt, mit hämischen Hochzeitsgeschenken wie einem Megaphon verspottet wird und ihr Prinz sich in eine Fürstin verliebt.

Das Naturwesen kann aber nur durch ein Menschenopfer zurück, auch wenn ihr früheres Paradies jetzt fast ausgetrocknet und plastik-vermüllt ist. Der Prinz hat jedoch den Wert von Rusalkas Liebe erkannt, folgt ihr und stirbt in ihren Armen.

Ein Geheimtipp

Zu diesen bitteren, klar verfolgbaren Bildern (Bühne: Martina Segna) tönt aus dem Orchestergraben Fulminantes: Der 27-jährige Alexander Prior bestätigte seinen Ruf als Geheimtipp. Mit feiner Kleinzeichnung tauchte er bis zur Unsichtbarkeit ab, um dann mit furioser Großgestik Klangstürme zu entfachen.

Das Orchester der Tiroler Festspiele folgte: Da waren spielerischer Naturzauber von Harfe und Holzbläsern über selbstgefälliges Chor-Auftrumpfen (Einstudierung: Olga Yanum) hin zu den Verdammungsrufen für Rusalka, die wie ein „Dies-irae“-Weltgericht tosten überlegt disponiert und packend ausmusiziert.

Dass diese Bandbreite auch zum Bühnendrama wurde, war Festspiel-Solisten ohne Star-Hype zu danken. Karen Voungs Rusalka-Sopran stieg von einer warm-breiten Grundlage in strahlende Höhen auf. Ihr stand mit Gerard Schneider ein Prinz mit Titelbild-Figur und strahlendem Tenor-Glanz gegenüber. Beider erste Begegnung und später tödliches Finale hatte Regisseurin Klepper auch noch in das anrührende Spiel einer nicht lebbaren Liebe gefasst.

Einhelliger Jubel frür lauter exzellente Sänger

Daneben: der volltönendes Wassermann von Thomas Faulkner, die Domina-nahe Hexe Jezibaba von Judita Nagyová, die herrliche Bariton-Fülle von Steven LaBries Jäger und Heger, das Nixen-Terzett der Damen Rosales-Dawson-Lauritano neben Corinna Scheurles kesser Golf-Assistentin. Sie alle überstrahlt von der Mezzosopran-Flutwelle Dshamilja Kaisers als Fürstin.

Von ihnen allen ging eine jugendlich frische Begeisterung, ein glutvolles Sich-Hineinwerfen in die gleichnishaften Schicksale aus, das keinen Gedanken an die benachbarten, millionenschweren Festspielstädte München und Salzburg aufkommen ließ. Im Programmheft fehlte nur einer: der diesen Festspiel-Neuansatz nach den Querelen um Gustav Kuhn nun planende und formende künstlerische Leiter – er heißt Bernd Loebe und ist derzeit noch Intendant der Frankfurter Oper. Der Jubel war einhellig – bis auf einen einsamen Buh-Rufer.

Wieder am 28. und 30. Dezember um 18 Uhr im Festspielhaus Erl, Infos zu Restkarten unter www.tiroler-festspiele.at


 
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