Tipps für Vermieter „Mietnomaden sind Betrüger“

Rechtsanwalt Rudolf Stürzer von HAUS+GRUND MÜNCHEN. Foto: AZ

Ein Vermieter-Anwalt spricht über Münchner Fälle – und verrät, wie man sich schützen kann

 

München - Rudolf Stürzer ist Anwalt und Vorsitzender des Münchner Hausbesitzervereins „Haus + Grund“, zu dem etwa 27.000 Mitglieder gehören. Im AZ-Interview gibt er den Vermietern Tipps, wie sie sich gegen Wohn-Betrüger wehren können

AZ: Herr Stürzer, wie viele Vermieter werden Opfer von Mietnomaden?

RUDOLF STÜRZER: In München kann man die Fälle an einer Hand abzählen. Hier gibt es so viele Bewerber, da wird genau geprüft, und Betrüger haben kaum eine Chance. In anderen Gegenden Bayerns, etwa im Norden und Osten, ist das ein größeres Problem. Das Problem ist: Wenn es einen Vermieter erwischt, ist der Schaden groß.

Wie groß?

Da kommen pro Fall Summen bis zu 60.000 Euro zusammen, bestehend aus Mietrückständen, Anwalts- und Gerichtskosten sowie Renovierungskosten. In München hatten wir im letzten Jahr Mietrückstände in Höhe von etwa 30 bis 40 Millionen Euro. Wobei man natürlich strikt unterscheiden muss: Mietnomaden sind Betrüger. Viele Mieter geraten unverschuldet in Zahlungsverzug.

Wie oft kommt das vor?

Etwa 6000 Mietverträge werden jährlich in München wegen Mietrückständen gekündigt. Schwierig ist es vor allem, wenn die Mieter sich verschanzen und nicht mit sich reden lassen. Wir unterstützen deshalb das H-Team (siehe nächste Seite), weil die allermeisten Mieter nicht böswillig handeln, sondern so große Probleme haben, dass sie einfach Hilfe brauchen.

Es heißt, dass gerade in München die Vermieter sowieso am längeren Hebel sitzen.

Im Fall von Mietnomaden stimmt das überhaupt nicht. Die Vermieter bleiben auf den Kosten sitzen, denn bei den Betrügern ist meist nichts zu holen. Deshalb ist es nur richtig, wenn Vermieter früh aktiv werden, wenn Mietrückstände auftreten. Sonst kann der Schaden riesig werden.

Wie können sich Vermieter vor Mietnomaden schützen?

Sie müssen genau prüfen. Erstens eine Selbstauskunft einholen und mit dem derzeitigen Vermieter, der dort angegeben ist, sprechen. Zweitens eine Bankauskunft einholen. Und drittens eine Bonitätsprüfung machen. Das können unsere Mitglieder vom Computer zu Hause aus machen.

Was halten Sie von Versicherungen gegen Mietausfall?

Das kann hilfreich sein, auch wenn Mieter unverschuldet nicht zahlen können. Aber das weiß man vorher ja nicht. Deshalb ist die Vorsorge, also genaues Prüfen, immer besser.

Und dann gibt es ja noch die Kaution.

Ja, aber die ist viel zu niedrig. Wenn man sich anschaut, welche Schadenssummen entstehen – was sind dagegen drei Monatsmieten. Natürlich sehen wir auch, dass viele Mieter nicht mehr Kaution zahlen können. Aber wir kritisieren, dass der Gesetzgeber keine Bürgschaften zulässt, die unbegrenzt haften. Selbst ein solventer Bürge eines Mieters haftet nur für drei Monatsmieten. Das ist zu wenig.

 

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