Tipps für den Alltag Was Plastik anrichten kann – und wo es unverzichtbar ist

Vor allem in den Meeren wird Platsik zur gefahr. Quelle: dpa

 

Mikroplastik: Unsichtbare Gefahr

Plastiktüten und Plastikflaschen in Parks und an Stränden sind nicht zu übersehen. Es gibt aber auch eine Form von Plastikmüll, die wir nicht sehen können: Mikroplastik. Das sind Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind, und das Problem ist: Sie sind fast überall drin.

Sie sind in Cremes, Shampoos, Duschgels und Peelings, durch das Abwasser gelangen sie ins Meer, werden dort von Fischen gefressen und landen anschließend auf unserem Teller. Geschätzte 140 Millionen Tonnen Plastik schwimmen in den Ozeanen, ein Großteil davon liegt als Mikroplastik unsichtbar auf dem Meeresboden. Mikroplastik wird vor allem in der Kosmetikindustrie verwendet – als Schleifmittel, Füllmittel oder Bindemittel, durch sie fühlen sich die Produkte gelig oder "volumig" an. Über die Kanalisation gelangen Millionen dieser Mikropartikel täglich in die Kläranlagen, die aber nur wenige herausfiltern. Die meisten landen in Meeren und Flüssen, wo sie von verschiedenen Meerestieren gefressen werden (siehe unten). Außerdem gelangt Mikroplastik ins Wasser, wenn Kunststoffprodukte wie Plastiktüten zerfallen oder wenn Kleidung aus Kunstfasern wie Fleece gewaschen wird.

Woher weiß ich, wo Mikroplastik enthalten ist? Der BUND gibt seit 2013 einen Einkaufsratgeber heraus, den man im Internet herunterladen kann. Darin sind Kosmetikprodukte aufgelistet, in denen Mikroplastik drin ist. Es gibt auch Apps wie "Codecheck", mit denen man Produkte auf Mikroplastik überprüfen kann. Andere Länder sind in Sachen Mikroplastik übrigens schon viel weiter als Deutschland: In den USA etwa sind die Herstellung und der Verkauf von mikroplastikhaltigen Kosmetikprodukten verboten. In Deutschland gibt es nur eine freiwillige Selbstverpflichtung, die rechtlich nicht bindend ist – und nicht viel bringt.

Dabei gibt es längst viele Alternativen zu Mikroplastik. Sie sind nur etwas teurer.

Mhmm, riecht das gut...

Wenn ein Gericht duftet, bekommen wir automatisch Lust, es zu essen. Fischen geht es da nicht anders. Auch sie werden von Nahrung angelockt, die (ihrer Wahrnehmung nach) gut riecht. Das Problem dabei: Dazu gehört auch Plastik.

Wenn Plastikteilchen ein paar Wochen im Meer treiben, siedeln sich auf ihnen kleine Meeresorganismen und Algen an – und dieser Geruch lockt hungrige Fische an. Das konnten US-amerikanische Forscher von der University of California in Davis kürzlich bei einem Versuch mit Sardellen belegen. Dazu ließen sie millimeterkleine Plastikpartikel drei Wochen lang im Meer treiben und filterten anschließend alle Teilchen aus der Lösung. Die verbliebene Geruchslösung setzten sie in einem Aquarium Sardellen vor, die sie im Meer gefangen hatten. Das Ergebnis: Die Fische reagierten darauf wie auf echtes Futter. Auf reines Plastik reagierten sie nicht. Bislang haben Forscher nur spekulieren können, weshalb Fische in den Ozeanen große Mengen an Plastikteilchen fressen. Nun ist dafür schon mal eine Erklärung gefunden.

Gutes Plastik – schlechtes Plastik

Plastik ist nicht gleich Plastik. Also natürlich ist es das schon, wenn es ums Material geht. Aber nicht, wenn es um die Verwendung geht: Denn es gibt Fälle, in denen Plastik als Material sinnvoll sein kann und Fälle, in denen es das nicht ist. Nadine Schubert unterscheidet in ihrem Buch deswegen zwischen "gutem und schlechtem Plastik".

Was ist schlechtes Plastik? Zu schlechtem Plastik zählt sie all das, was nur kurz verwendet wird und dann keinen Nutzen mehr erfüllt.

  • Dazu gehört die Verpackung von Lebensmitteln, die nach dem Einkauf direkt weggeworfen wird; aber auch Geräte mit einer kurzen Lebensdauer, die aus billigen Plastikteilen bestehen.
  • Ebenfalls schlecht sind Kaffeekapseln. Drei Milliarden von ihnen landen mittlerweile pro Jahr im deutschen Müll – und es werden immer mehr. Sie sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel: Ein Kilogramm Kaffee kostet 60 Euro, wenn er in Kapseln verpackt ist. Das ist mehr als doppelt so teuer wie kapselloser Kaffee.
  • Pro Stunde werden in Deutschland 320.000 Coffee-to-go-Becher verkauft. Um sie herzustellen, werden 64.000 Tonnen Holz und 11.000 Tonnen Kunststoff benötigt. Nach ein paar Minuten landen die Becher im Müll, auf Autobahnauffahrten, in Flüssen und Parks.
  • "Hemdchenbeutel" heißen die Plastik-Beutel, die an den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte angeboten werden. Auf sie kann man verzichten, weil sie meist sofort im Müll landen – im besten Fall enden sie als Mülltüte.

Wann ist die Verwendung von Plastik sinnvoll? Handys, Telefone, Staubsauger oder Laptops würden wohl nicht so gut funktionieren, wenn sie aus Holz oder Bambusfasern wären.  Auch eine Klobürste aus Plastik muss Ihnen kein schlechtes Gewissen bereiten. Aus hygienischen Gründen ist das Material zu empfehlen. Ist Bioplastik eine gute Alternative? Es gibt zwar mittlerweile viele Dinge aus Bioplastik – Tüten und Dosen aus Maisfasern, Bambus, Zellulose oder Milchsäure. Genauso Party-Teller aus Blättern. Gute Alternativen sind das aber nicht.

  • Biomüllbeutel aus Maisstärke werden in der Kompostieranlage aussortiert und landen in der Müllverbrennungsanlage. Die kann nämlich nicht zwischen Kunststoff aus Erdöl und aus pflanzlichem Kunststoff unterscheiden. Besser ist es, den Bio-Abfall in Zeitungspapier einzuwickeln.
  • Ähnlich ist es mit Partygeschirr aus Holz oder Blättern: Auch das landet nach der Party im Müll. Besser für die Umwelt ist Mehrweggeschirr, ganz klassisch aus Porzellan.

Das Umweltbundesamt kritisiert zudem, dass nicht jeder Biokunststoff ökologisch abbaubar ist. Es gibt keine einheitliche Definition von Bioplastik: In manchen Fällen heißt das einfach nur, dass die Dinge teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Hinzu kommt: Die Herstellung biobasierter Tüten spart zwar im Vergleich zu herkömmlichen Tragetaschen CO2 ein, erzeugt aber neue Probleme. Denn der Anbau von "Plastikrohstoffen" wie Mais, Kartoffeln oder Zuckerrohr hat negative Folgen für die Umwelt. Zur Herstellung von Diesel für die Maschinen und Düngemitteln wird Erdöl benötigt. Außerdem wird der Boden oft überdüngt und es werden Pestizide eingesetzt.

Und: Auch in Bioplastik können gesundheitsschädliche Zusatzstoffe enthalten sein wie UV-Stabilisatoren, Flammschutzmittel und Weichmacher.

Fazit: Bio-Plastik schont zwar fossile Bodenschätze, ist deswegen aber nicht besser für die Umwelt. Und auch nicht unbedingt für die Gesundheit.

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