Tierschützer schlagen Alarm Welpen als Billig-Ware

Im Tierheim sind sie in guten Händen: Verstört und frierend wurden diese vier jungen Hunde aus dem Kofferraum eines Welpen-Händlers befreit. Foto: Tierschutzverein München

Die Hundebabys werden zu tausenden nach Deutschland geschmuggelt. Sie sind häufig krank. Viele sterben. In Milbertshofen stellt die Polizei zwei Händler.

 

Milbertshofen - Weihnachtszeit, Geschenkezeit und viele Münchner sind noch auf der Suche nach einem Präsent. Ein Umstand, den skrupellose Tierhändler ausnutzen: In Milbertshofen wurden jetzt zwei Ungarn geschnappt, die aus dem Kofferraum heraus Welpen verkauften. Experten schätzen, dass so deutschlandweit jedes Jahr 50000 bis 100000 Hundebabys verramscht werden – meist illegal, fast immer ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Tiere.

In Osteuropa, aber auch in Belgien und Holland werden die Billig-Welpen in kommerziellen Zuchten regelrecht produziert. „Ihre Mütter leben unter unwürdigen Bedingungen und werden zwei Mal pro Jahr gedeckt. Wenn das nicht mehr möglich ist, werden sie einfach entsorgt“, sagt Maren Geupel, Vize-Chefin des Münchner Tierheims. Die hygienischen Verhältnisse in den Zwingern sind häufig katastrophal. Viele Hundebabys infizieren sich mit Staupe, der lebensgefährlichen Parvovirose oder gar mit Tollwut. „In Deutschland wurde diese Krankheit gut bekämpft“, sagt Maren Geupel. „Aber es gibt immer wieder Fälle, bei denen Hunde aus dem Ausland die Tollwut zu uns einschleppen.“ Eine Seuche, die für Tiere und Menschen tödlich ist.

Geupel: „Viele Händler haben Vitamine und Antibiotika im Auto, so dass die Welpen fit in Deutschland ankommen. Zwei Tage später brechen sie dann zusammen.“

Im Milbertshofener-Fall war eine Tierärztin den Welpen-Händlern auf die Schliche gekommen. Sie sollte einen jungen Hund behandeln, der in völlig desolatem Zustand in ihrer Praxis landete. Seine Besitzer erzählten, sie hätten ihn im Internet bestellt und angezahlt. Dann sei ihnen das Tier gebracht worden.

„Im Netz werden diese Hunde als gesund und gut sozialisiert angepriesen“, erzählt Maren Geupel. Tatsächlich seien sie in der Regel weder geimpft noch tierärztlich untersucht.

Die Münchner Tierärztin gab sich im Internet als Interessentin aus, verabredete sich mit den Händlern – und alarmierte die Polizei. Bei der Übergabe saßen drei zitternde Mini-Malteser und ein Yorkshire im Kofferraum der Geschäftemacher. Hungrig, durstig und völlig entkräftet. Sie wurden von den Beamten beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht. Mittlerweile ist ihr Zustand stabil. Die Pfleger haben sie Sina, Mary, Giovanni und Bully genannt.

Die Händler konnten für die Welpen weder EU-Heimtierpässe vorlegen, noch hatten sie eine Handels-Genehmigung. Außerdem waren die Welpen noch nicht einmal acht Wochen alt und damit zu jung, um von der Mutter getrennt zu werden – ein Verstoß gegen die Tierschutz-Hundeverordnung. Ohne Tollwut-Impfung hätten sie zudem gar nicht einreisen dürfen.

Wie lukrativ das Geschäft mit den kleinen Rasse-Welpen ist, verrieten die Händler selbst: In den letzten Wochen hätten sie bereits mehrere Hundebabys verkauft, jedes für 500Euro, erzählten sie den Polizisten. Wer einen jungen Malteser bei einem seriösen Züchter kauft, zahlt das Doppelte – bekommt aber einen gesunden Hund.

 

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