Tierschützer schlagen Alarm Diese Tiere sind in München bedroht

Bedrohte Tiere in München: der Huchen. Foto: Imago
 

Vom Biber bis zur Zauneidechse: Welche Arten (noch) in der Stadt leben und warum sie gefährdet sind

München - Nachts an der Isar kann man sie manchmal flirten hören. „Buho“, ruft er in die stillen Auen. „Uhu“, gibt sie zurück. Dann rufen sie zusammen. „Buho. Uhu.“ Zwei Uhus beim Anbandeln.

Liebesszenen wie diese sind rar in München, denn hier leben nur sehr wenige Uhus. „Sie sind bedroht – wie viele seltene Tierarten hier in der Stadt“, sagt Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer beim Münchner Bund Naturschutz. Viele wüssten nicht, dass es zum Beispiel Biber oder Fledermäuse in München gibt. Deshalb zeigt die AZ zum heutigen Welttierschutztag, welche seltenen und gefährdeten Tiere in der Stadt leben.

Fledermaus: Sie kommt in München etwa in den Isarauen oder Parks vor. Fledermäuse halten Winterschlaf und brauchen dafür große, alte Bäume mit Höhlungen. Deshalb wünscht sich Martin Hänsel, dass alte Bäume nicht gefällt, sondern gesichert werden.

Wildbienen: Neben der Honigbiene sind in München 311 Arten von Wildbienen nachgewiesen – 94 davon allerdings zuletzt vor über 60 Jahren. Im Stadtgebiet leben etwa Mohn-, Masken und Mauerbienen. Die Tiere bräuchten aber mehr blütenreiche Wiesen statt Rasenflächen.

Huchen: Dieser Raubfisch kommt in der Isar vor, doch der Bestand ist gefährdet. Bebauung wie Kraftwerke versperren ihm die Laichwanderwege. „In der renaturierten Isar fühlt sich der Huchen zwar wohl, aber wenn da dauernd Leute oder Hunde reinspringen, wird er vertrieben“, sagt Martin Hänsel.

Biber: Der Nager war hier ausgerottet, mittlerweile gibt es ihn aber auch in München wieder: an der Isar, der Würm und einigen Stadtbächen. Vor allem rücksichtsloses Verhalten setzt ihm zu: „Weil manche Menschen auf Biberburgen rumsteigen, den Tieren nachstellen oder zum Spaß ihre Hunde auf sie hetzen.“

Uhu: In München lebt er vor allem an der Isar. „Wenn sie dort mal einen halben Fuchs finden, dann hat den wohl ein Uhu erlegt.“ Häufig werde der Uhu durch Lärm gestört. „Es muss Rückzugsgebiete für die Tiere geben, aus denen sich der Mensch raushält.“

Kammmolch: Von ihm gibt es nur noch einen kleinen Restbestand am Südrand der Aubinger Lohe. „Eine große Gefahr für ihn und andere Amphibien wie Frösche und Kröten sind ausgesetzte Fische“, sagt der Naturschützer Martin Hänsel. Goldfische oder Katzenwelse fressen Laich und Jungtiere der Amphibien.

Marder: Der Steinmarder ist recht häufig – er hat die Stadt als Lebensraum erobert. Viel seltener und bedroht ist in München der Baummarder, der nur in Parks und Wäldern anzutreffen ist. Marder sind bei Autobesitzern unbeliebt, weil sie gerne Kabel zerbeißen. Dagegen weiß Martin Hänsel einen Tipp: „Einfach einen umgedrehten Handbesen unter's Auto legen.“ Der macht dem Marder Angst.

Bläuling: Dieser Schmetterling kommt in sehr vielen Arten vor – fast jede ist bedroht. Dennoch leben noch mehrere in München. Im Riemer Park und am Gleislager Neuaubing gibt es etwa den Himmelblauen Bläuling. „Die Schmetterlinge brauchen Wiesen, die selten gemäht werden“, sagt Martin Hänsel. „Und die werden weniger.“

Libellen: Viele der schönen Arten sind in München stark bedroht. Die Blauflügel-Prachtlibelle kommt etwa nur noch selten entlang des Erlbachs und in den Isarauen vor. Weil immer mehr kleine Gewässer trockengelegt und Böden versiegelt werden, schwindet der Lebensraum für Libellen. Nur noch die Hälfte der 80 in Bayern beheimateten Libellenarten kommt in München vor.

Zauneidechse: Sie liebt Brachflächen am Stadtrand, etwa die Fröttmaninger oder die Garchinger Heide, den Hüllgraben im Osten oder großflächige Gleisanlagen wie in Pasing. „Vor allem in den Heiden am Stadtrand nimmt der Nutzungsdruck aber zu: Immer mehr Spaziergänger, Radler und andere Freizeitsportler zieht es dorthin.“ Außerdem werden die Brachflächen immer weniger. Denn München wächst – und baut.

Kiebitz: Der bei uns stark gefährdete Vogel nistet zum Beispiel im Aubinger Moos. Auch er leidet darunter, dass viele Brachflächen verschwinden.

 

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