Tierpark Hellabrunn Unfall an der Isar: Münchner in den Tod gesaugt

Kleines Bild: Rettungswagen an der Marienklausenbrücke: Hier stieg Bozo B. in den Isarkanal. Foto: Gaulke

Ein Ramersdorfer geht mit Spezln zum Joggen. Danach trinken sie zusammen an der Isar – und wollen schließlich an der Marienklausenbrücke baden. Das kostet den Mann das Leben

 

München - An der Oberfläche ist das graue Wasser ganz still. Ein, zwei Meter tiefer aber rauschen zehn Kubikmeter Wasser pro Sekunde in einen dunklen Schacht. Zehn Kubik – das ist der Druck von zehn Tonnen. Deshalb ist die Stelle an der Marienklausenbrücke mit Geländern abgesperrt, Schilder mit Totenköpfen warnen davor, ins Wasser zu gehen.

Wer hier badet, riskiert sein Leben.

Bozo B. hat es trotzdem getan. Jetzt ist er tot.

Ein Passant sieht zwei Männer im Wasser — dann sind sie weg

Der 36-Jährige sprang am Samstag gegen 18.25 Uhr von der Marienklausenbrücke in den kleinen abgesperrten Bereich des Isarkanals. Sofort saugte ihn das strömende Wasser mit in die Tiefe.
Der Web-Designer aus Ramersdorf wollte mit zwei Freunden den Abend an der Isar verbringen. Laut Polizei waren die drei zuerst Joggen gegangen. Dann setzten sie sich auf der Landzunge zwischen Kanal und Isar hin, ganz in der Nähe der Marienklausenbrücke, südlich des Naturbads Maria Einsiedel.

Dort packten sie etwas zu essen aus – und tranken offenbar einiges an Alkohol. Die Polizei ist der Ansicht, dass Bozo B. daraufhin zur Brücke ging. Er sprang über das Geländer der Treppe, die zum Kanal führt, und hüpfte ins Wasser. Sofort wurde er in den unterirdischen Schacht, den so genannten Auer Düker, mitgerissen.

Bozo B. konnte sich wohl einige Zeit an einem Schieber aus Holz festhalten, der hier die Wassermenge regelt.

Ein Passant sah ihn jedenfalls gegen 18.24 Uhr an dieser Stelle und setzte einen Notruf ab. Mit Bozo B. war zu dieser Zeit auch ein 33-jähriger im Wasser – einer seiner beiden Freunde. Der Serbe war Bozo B. hinterhergesprungen, um ihn zu retten.

Als die Feuerwehr wenige Minuten später eintraf, waren die Männer weg. Die Einsatzkräfte wussten aber, dass einige Versorgungsschächte mit Steigleitern zum 165 Meter langen und 2,50 Meter hohen Düker hinabführen. An einer dieser Leitern hing der 33-Jährige. Von Bozo B. aber war nichts zu sehen.

Der leblose Körper treibt durch den Tierpark Hellabrunn

Mitarbeiter der Stadt senkten den Wasserspiegel ab, Taucher gingen ins Wasser, Dutzende Polizisten verteilten sich auf den Isarbrücken flussabwärts.

Bozo B. wurde gegen 19.25 Uhr von einem der beiden Polizeihubschrauber entdeckt – eineinhalb Kilometer weiter den Auer Mühlbach hinab. Seine Leiche hing in einem Auffangrechen an der Kraemer’schen Kunstmühle, der Treibgut auffangen soll.

Der Düker führt Wasser des Isarkanals zum Auer Mühlbach, der durch den Tierpark in Richtung Nordosten fließt.

„Der ist eigentlich ziemlich voll“, sagt Johann Petryszak von der Münchner Feuerwehr. Luft bekomme man dort unten nicht – „außer in den Versorgungsschächten“. Wer hier reingesaugt wird, werde „mit ziemlicher Sicherheit von Strudeln gegen die Wand geschleudert“, sagt Petryszak.

Ob Bozo B. schon im Düker ertrank oder bewusstlos wurde, ist unklar. Fest steht: Er trieb bis zur Kunstmühle im Auer Mühlbach – teilweise mitten durch den Zoo.

Damit war der Einsatz aber nicht vorbei. Der 33-jährige Spezl hatte nämlich einen dritten Freund erwähnt, einen 37-Jährigen Slowenen. Die Einsatzkräfte suchten bis Mitternacht weiter – da meldete sich der Mann bei der Polizei. „Er sagte bloß: Mir geht’s gut“, sagt Polizeisprecher Sven Müller. Er sei zu betrunken gewesen, um sein Auto zu benutzen. Deshalb sei er zu seiner Wohnung am Harthof gelaufen. Die Polizei ermittelt, ob er das Unglück überhaupt mitbekommen hat.
 

 

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