Tiere vor dem Urlaub ausgesetzt Schon vor den Ferien: Das Tierheim München ist voll!

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
, aktualisiert am 25.06.2019 - 09:30 Uhr
Eine Katze im Münchner Tierheim. (Archivbild) Foto: imago/Overstreet

Für Hunde und Katzen gibt es in Riem heuer schon lange Wartelisten. Aber auch ungewöhnliche Haustiere warten auf liebevolle Menschen.

 

München - Rüdiger (7) ist klein, kurzatmig und mit 109 anderen Hunden wartet der Mops im Tierheim in Riem auf Menschen, die ihm ein liebevolles Zuhause geben. 21 Hunde stehen auf der Warteliste, sollte Rüdiger vermittelt werden, rückt sofort ein neuer Hund von der Warteliste auf seinen Platz. "Uns ist es lieber, die Leute gestehen sich ein, dass sie mit dem Tier überfordert sind und bringen es dann zu uns. Das ist besser, als den Hund irgendwo anzubinden", sagt Judith Brettmeister vom Tierheim.

Hier ist es eng: Hunde, Kaninchen, Mäuse und Katzen

Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas werden oft ausgesetzt. In Schachteln gepackt stehen sie vorm Tierheim – oft nicht einmal mit Wasser drin. 99 Kaninchen leben derzeit im Tierheim. Und es werden täglich mehr. 61 der Kaninchen stehen zur Vermittlung, 38 sind noch in Quarantäne.

Bei den Mäusen ist es besonders krass: 88 von den Behörden beschlagnahmte Mäuse leben dort, 80 von ihnen können nicht vermittelt werden, weil sie krank sind. "Die Kleintiere bringen wir zur Not auch im alten Katzenbereich unter, da wird dann umgeschichtet und umgeplant, dass wir die alle aufnehmen können", sagt Brettmeister.

Auch das 2016 eröffnete Katzenhaus ist bereits voll: 167 Katzen leben dort derzeit, doch nur 65 von ihnen sind zur Vermittlungen. Die anderen sind krank oder in Quarantäne, weshalb die volle Kapazität von 200 Katzen nicht ausgeschöpft werden kann. Zehn Katzen stehen noch auf der Warteliste.

Exoten und Wildtiere - Besitzer oft überfordert

"Die Menschen holen sich gedankenlos Tiere und müssen sie dann abgeben, wenn sie merken, dass sie überfordert sind", sagt Brettmeister. Dahinter stehen Geschichten von Verwahrlosung und dem großen Leid der Tiere, aber auch von Paaren, die sich trennen und das gemeinsam angeschaffte Tier dann beim Tierschutzverein abgeben.

Insgesamt 850 Tiere leben zur Zeit im Tierheim, 250 sind Wildtiere – die meisten kleine Vögel – die von einem Ehrenamtlichen ausgewildert werden. "Ohne Ehrenamtliche würden wir das personell gar nicht schaffen", sagt Brettmeister. Unter den Tierheimtieren sind aber auch ein Eselhengst und zwei Eselstuten aus schlechter Haltung, die zur Vermittlung stehen, drei Frettchen, 40 Papageien, acht Chinchillas und elf Ratten.

Tiere werden vor dem Urlaub ausgesetzt

Wenn Ende Juli die Sommerferien losgehen, werden die Auslastungszahlen des Tierheims nochmal um 30 Prozent steigen. Es ist der gedankenlose Klassiker jedes Jahr: Tierbesitzer fahren in den Urlaub und setzen zuvor ihr Tier aus. Wenn sie noch ein Fünkchen Restverantwortung haben, bringen sie das Viecherl in Riem vorbei.

Wohin sie dann mit all den Tieren sollen, wissen sie im Tierheim noch nicht. Welpen und besonders gesellige Hunde können zu mehreren leben, die Kleintiere werden irgendwo untergebracht, wo Platz ist.

Doch die Wartelisten werden den Sommer über trotzdem länger und länger werden. Ende des Jahres soll endlich das neue Hundehaus fertig sein. Mindestens 60 Hunde können künftig dort untergebracht werden. Bis dahin ist der kurzatmige Rüdiger hoffentlich vermittelt.

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