Tiere mit ansteckendem Virus infiziert 20-Jähriger hortet 51 Riesenschlangen in seiner Wohnung

, aktualisiert am 28.01.2019 - 14:17 Uhr
Insgesamt 60 Schlangen konnte das Veterinäramt aus der Münchner Wohnung befreien. Klicken Sie sich durch die Bilder. Foto: Reptilienauffangstation München

Schock-Fund in einer Münchner Wohnung! Vergangene Woche hat das Veterinäramt bei einem 20-Jährige 60 völlig verwahrloste Schlangen entdeckt. Die Tiere sind mit einem ansteckenden Virus infiziert.

 

München - Das Veterinäramt hat bei einer unangemeldeten Kontrolle 60 verwahrloste Schlangen in einer Münchner Wohnung gefunden.

Wie die Auffangstation für Reptilien am Montag mitteilte, wurden die 51 Riesenschlangen und neun Nattern auf viel zu engem Raum und unter untragbaren hygienischen Zuständen gehalten. Kot, Harn und Häutungen stapelten sich teilweise in den Terrarien.

Virus: Riesenschlangen in strenger Quarantäne

Doch damit nicht genug: Die Tiere sind zudem mit einem ansteckenden Virus und blutsaugenden Milben infiziert. Der Reptilienauffangstation zufolge wuselten die Schlangenmilben teilweise über die Tiere. Der Bestand ist mit dem Arenavirus infiziert, welches auch Nagetiere und gelegentlich sogar Menschen infizieren kann. Petra Taint, Sprecherin der Reptilienauffangstation zufolge, ist der Arenavirus für den Menschen "völlig harmlos". Die Riesenschlangen müssen nun in strenger Quarantäne bleiben und dürfen keinen Kontakt zu anderen Riesenschlangen bekommen. Für die Reptilienauffangstation bedeutet dies wiederum einen enormen Aufwand. Ein kompletter Raum ist nun als infektiös "gesperrt".

Halter kann Tiere theoretisch wiederbekommen

Die Schlangen wurden am Mittwoch befreit und medizinisch behandelt. Die Reptilienauffangstation geht davon aus, dass der 20-jährige Tierhalter versucht hatte, eine Schlangenzucht aufzubauen. Mit ernsten Konsequenzen muss der junge Mann wohl nicht rechnen, Taint zufolge gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, wie viele Tiere in einer Privatwohnung gehalten werden dürfen, solange sie artgerecht und mit genügend Platz untergebracht sind. Wenn der Halter seine Schlangen wiederbekommen möchte, muss er jetzt für artgerechte und ausreichend große Terrarien sorgen.

Thomas Türbl, Fachtierarzt für Reptilien, berichtet: "Wir müssen leider immer wieder erleben, dass Tierhalter versuchen, ihr Hobby durch die Zucht von 'seltenen' Tieren zu finanzieren. Leider übernehmen sich diese 'Züchter' in vielen Fällen und sind mit der Versorgung und Pflege ihrer zahlreichen Tiere schlichtweg überfordert. Das tragische Ergebnis wird dann oft nur zufällig sichtbar. Dank der unangemeldeten Kontrolle durch das Veterinäramt konnte den 60 Schlangen glücklicherweise weiteres Leiden erspart werden."

 

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