Tierdrama in Oberschleißheim Tschechen verkaufen verwahrloste Hundewelpen an Tankstelle

Eins der Hundewelpen, die im Kofferraum des Wagens gefunden wurden. Die Boxen waren völlig mit Kot verunreinigt, die Tiere verwahrlost und unterernährt. Foto: Polizei München

An einer Tankstelle in Oberschleißheim haben zwei Männer aus Tschechien illegal Hundewelpen aus dem Kofferraum verkauft. Die Tiere waren voller Kot und völlig abgemagert.

 

Oberschleißheim – Am Samstag, 12.10.2013, wurde eine Polizeistreife der Polizeiinspektion 48 (Oberschleißheim) in die Sonnenstraße in Oberschleißheim zur dortigen Tankstelle beordert. Es wurde mitgeteilt, dass dort Hundewelpen aus einem tschechischen Pkw heraus verkauft werden würden.

Die erste eintreffende Streifenwagenbesatzung konnte den besagten Pkw, geparkt an der Tankstelle und besetzt mit zwei Männern, antreffen. Bei der Anfahrt war den Beamten bereits ein Pkw mit Dachauer Kennzeichen aufgefallen, dessen Insassen in Richtung des geparkten tschechischen Pkw winkten.

Auf dem Parkplatz konnten die Beamten zwei 37- und 39-jährige tschechische Staatsangehörige feststellen. Auf der Rücksitzbank sowie im Kofferraum ihres VW-Passat befanden sich insgesamt sechs Hundeboxen. Eine Box war bereits leer, die anderen Boxen waren jeweils mit mehreren Welpen besetzt.

Bei einer ersten Befragung gab der 39-Jährige an, im Internet mit Hundewelpen zu handeln. Hierfür hätte er in der Tschechischen Republik ein Gewerbe angemeldet. Auf dem Parkplatz der Tankstelle in Oberschleißheim fand die erste Übergabe des Tages eines Hundewelpen an eine Frau aus dem Raum Dachau statt. Als Kaufpreis nannte der Händler 470 Euro. Weiterhin gab er an, die anderen Hundewelpen in verschiedenen Städten in ganz Deutschland an Käufer aus dem Internet zu übergeben. Hierfür würde üblicher Weise eine Anzahlung geleistet, den Restbetrag bekäme er bei Erfolg der Übergabe

Er überreichte den Beamten eine handschriftliche Liste, aus der die nächsten Treffpunkte mit Käufern sowie die festgelegten Uhrzeiten ersichtlich waren. Erforderliche Impfungen bzw. tierärztliche Nachweise konnte der Tscheche nicht vorweisen. Er war lediglich in Besitz von 15 nationalen, tschechischen Tierausweise die weder vollständig, noch mit den erforderlichen Daten ausgefüllt waren.

Bei ihm wurden zudem 18 Tabletten eines Antibiotikums aufgefunden. Eine Reisegewerbekarte konnte er nicht vorzeigen. Die beiden Tschechen wurden als Betroffene belehrt und befragt.

Die mitgeführten Hundewelpen waren insgesamt in einem äußerst verwahrlosten Zustand und wurden zunächst auf die Wache der Oberschleißheimer Polizeiinspektion gebracht. Insgesamt handelte es sich um 16 Welpen unterschiedlichen Alters und Rassen, die in fünf Boxen verteilt waren. Die Boxen waren stark mit Hundekot verunreinigt, alle Welpen machten einen abgemagerten und stark verängstigten Eindruck. Sie hatten tränende Augen und ihr Fell war mit Hundekot verklebt. Muttertiere der teilweise noch extrem jungen Welpen waren nicht dabei.

Zur Sache machten die beiden betroffenen Tschechen keinerlei Angaben. Zur Abwehr weiterer Gefahren für die jungen Hunde wurde ein ortsansässiger Tierarzt mit der Begutachtung der Welpen beauftragt. Der Veterinär konnte bei den Tieren Flohbefall, Unterernährung, Bindehautentzündungen und Wurmbefall feststellen. Das derzeitige Alter eines der Welpen schätzte er nicht älter als zwei Wochen ein.

Sämtliche Hunde wurden durch die Polizei beschlagnahmt, die erlangten 470 Euro wurden zum Zwecke des Verfalls sichergestellt. Weiterhin wurde eine Sicherheitsleistung in Höhe von mehreren Hundert Euro erhoben. Gegen die Käuferin aus dem Raum Dachau wurde ebenfalls Anzeige erstattet. Weitere Interessenten müssen noch ermittelt werden.

Die Hunde wurden durch die Polizei im Tierheim Riem untergebracht. Zwei der Hundewelpen haben trotz ärztlicher Fürsorge nicht überlebt.

 

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