Thiago gegen Rafinha Alcantara Mazinho: Guardiola hat Thiago besser gemacht

Eine Sportler-Familie (v.l.): Bayerns Thiago, Vater Mazinho und Barcas Rafinha. Foto: dpa

Mazinho, Weltmeister von 1994, Vater von Bayerns Thiago und Barcelonas Rafinha, spricht über das Duell seiner Söhne und den Streit zwischen Bayern-Trainer Pep Guardiola und Ex-Bayern-Doc Müller Wohlfahrt.

 

München - Für die Fußball-Welt ist es ein absoluter Leckerbissen: Der FC Bayern muss im Halbfinale der Champions League am Mittwoch beim FC Barcelona antreten (20.45 Uhr, AZ-Liveticker). Für Bayerns Thiago und Barcas Rafinha Alcántara ist es ein Bruder-Duell: Der junge Mittelfeld-Stratege des FC Bayern dürfte in der Startelf stehen, sein Bruder Rafinha sitzt bei den Katalanen wohl (erstmal) auf der Bank.

Vor dem Aufeinandertreffen seiner beiden Söhne spricht Vater Mazinho, Weltmeister von 1994 und gleichzeitig Manager seiner Sprösslinge (bei Thiago zusammen mit Guardiolas Bruder Pere), im Interview mit der Süddeutschen Zeitung über das Standing seiner beiden Söhne, Thiagos Wechsel zum FC Bayern und die Streitigkeiten von Pep Guardiola und Ex-Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Vor dem Halbfinal-Hinspiel seiner beiden Söhne sei sein Herz gespalten: "Oh ja. Das ist schon schwierig. Andererseits: Das Gute ist ja, ich habe schon gewonnen. Mein Platz beim Champions-League-Finale am 6. Juni in Berlin ist schon sicher", sagt der 49-Jährige, der beide Teams auf Augenhöhe sieht: "Es ist ein vorweggenommenes Finale, weil beide Mannschaften ein ähnliches Potenzial haben. Wenn Barcelona leichte Vorteile hat, dann wegen der vielen Verletzten beim FC Bayern." 

Der Brasilianer verrät außerdem, dass es einige gegeben habe, die Thiago beim FC Barcelona loswerden wollten: "Ehe wir mit anderen Klubs verhandelten, haben wir auf Barcelona gewartet. Wir wollten nicht den Vertrag aufbessern. Wir wollten Zuneigung. Ein paar Worte. Aber sie kamen nicht. Und der Klub wusste, dass eine Klausel existierte, wonach sich die Ablösesumme verringert, sobaldeine bestimmte Anzahl an Spielen unterschritten wurde. Am Ende ging sie von 90 auf 18 Millionen runter. Aber Einsatzzeiten gab's nur mit der Pipette."

Dementsprechend sei der hochtalentierte und wie Rafinha in Barcas berühmter Fußballschule La Masia ausgebildete Filius unzufrieden gewesen: Ein Fußballer ist glücklich, wenn er spielt. Egal, in welchem Klub. Und Thiago war damals nicht glücklich. Als ich die Chance sah, ihn in einer Mannschaft unterzubringen, wo er die Garantie hatte, zu spielen, haben wir sie ergriffen."

Daher sei sein älterer Sohn dem Ruf von Pep Guardiola ("Thiago oder nix") nach München gefolgt. Wir hatten sehr gute Angebote. Real Madrid, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur... und Pep Guardiola war ein Faktor, natürlich. Als er mit seinem Bayern-Angebot um die Ecke kam, haben wir nicht lange überlegt."

Und im Nachhinein hat es sich ausgezahlt: "Er hat ihn besser gemacht. Er ist ein wirklich beeindruckender Psychologe. Er weiß, wie er seine Spieler individuell und als Team von dem überzeugt, was er auf dem Platz sehen will. Das macht er perfekt. Wie José Mourinho. Er hat Dinge verändert, die als unveränderbar galten, wie die Sache mit den Medizinern."

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Dabei musste Thiago in München wegen seiner drei aufeinanderfolgenden Knieverletzungen zunächst eine lange Leidenszeit durchstehen, bei deren Behandlung sich die Geister schieden: Guardiola und Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt hatten unterschiedliche Ansichten über die richtige Vorgehensweise. Mazinho dazu: "Nach Thiagos Verletzung war Eile im Spiel, auch Dickköpfigkeit. Aber wir haben mit keinem gestritten. Der Innenbandriss wurde zunächst in Deutschland behandelt. Erst als die Verletzung zum zweiten Mal aufbrach, haben wir den Klub um Erlaubnis gebeten, uns woanders umzuschauen. Der Verein hat die Erlaubnis gegeben, der Arzt ebenso. [...] Aber ich will nicht leugnen, dass es Dinge gab und gibt, die mich verwundern. Bis heute. Schauen Sie sich mal die Zahl der Verletzten beim FC Bayern an. Oder dass Muskelverletzungen, die normalerweise nach zwei Wochen auskuriert sein müssten, zu monatelangen Ausfällen führen..."

Er wolle die Schuld allerdings nicht (nur) bei der medizinischen Abteilung suchen: "Es kann auch die Schuld der Spieler sein." An eine umstrittene Kortison-Behandlung seines Sohnes könne er sich nicht erinnern, Grenzen gebe es auf der Suche nach Gesundung für ihn aber nicht: "Es gibt in verschiedenen Ländern unterschiedliche Ansätze. München hat eigene, weltweit anerkannte medizinische Konzepte. Barcelona hat andere. In Brasilien gibt es wunderbare Dinge, warum sollte man die nicht nutzen?"

Müller-Wohlfahrt ist mittlerweile zurückgetreten, Thiago fit und großer Hoffnungsträger im Duell mit Barca und Bruder Rafinha. Geht es nach seinem Vater, bleibe er noch lange in München. "Warum nicht? Er ist zufrieden und glücklich, seine Frau ist zufrieden, er fängt langsam an, Deutsch zu sprechen", sagt Mazinho und blickt voraus: "Ich sehe ihn noch viele Jahre in München."

 

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