Theo Zwanziger tritt ab DFB-Präsident: Spekulationen um Zwanziger-Nachfolge

DFB-Präsident Theo Zwanziger hat überraschend seinen Rückzug angekündigt. Seinen Nachfolger will Zwanziger schon „seit längerer Zeit im Kopf“ haben.

 

Frankfurt/Main - Theo Zwanziger will nicht mehr. Als ganz Fußball-Deutschland noch über die Gruppenauslosung der Europameisterschaft diskutierte, gab der 66-Jährige auf der Jahresabschlussfeier des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) völlig überraschend bekannt, dass er schon im Oktober 2012 sein Präsidentenamt zur Verfügung stellen wolle. Noch einmal die große Bühne für den Spitzenfunktionär, noch einmal alle Aufmerksamkeit auf sich, wo doch eigentlich die bevorstehende EM-Aufgabe für das Nationalteam Thema des Tages war. Bis Zwanziger das Wort ergriff...

Seine Entscheidung war wohlvorbereitet, der Zeitpunkt gut kalkuliert, die Gründe sehr persönlich. Er sehe im nationalen Fußball „keine Herausforderung“ mehr, lässt sich Zwanziger zitieren. Bis zum 24. Oktober 2013 ist er noch gewählt, die letzten zwölf Monate aber will er aber am liebsten nicht mehr machen. Vielleicht waren es auch die vielen Herausforderungen der Vergangenheit, die ihn letztlich zermürbt haben.

Der promovierte Jurist würde das Präsidentenamt ebenso überraschend abgeben, wie er es angenommen hatte. 2004 verkündete der Schatzmeister Zwanziger, gegen den ebenso mächtigen wie unbeliebten Amtsinhaber Gerhard Mayer-Vorfelder antreten zu wollen. Eigentlich ein unerhörter Vorgang im DFB, wo Wahlen normalerweise vorher auf sicher in Hinterzimmern verabredet wurden. Eine Kampfabstimmung wollte man in der Frankfurter Verbandszentrale in der Euphorie vor der WM unbedingt vermeiden, und so führten Zwanziger und Mayer-Vorfelder den Verband nur für die Öffentlichkeit harmonisch bis zur Heim-WM. Am 8. September 2006 war Zwanziger am Ziel, die Delegierten wählten ihn einstimmig.

Namen prägten Zwanzigers Amtszeit

Hoyzer, Weinreich, Löw, Amerell, Kempter, Koch, Rafati – es waren bis heute vor allem Namen, die die Amtszeit des ehemaligen Steuerinspektors und Amtsrichters begleiteten und prägten. Und Robert Enke. Oft waren es persönliche Konflikte, die der manchmal onkelhaft erscheinende Zwanziger austragen musste – und nicht selten selber verursacht hatte. Denn allzu oft schlug er sich vorschnell auf eine Seite, und allzu oft lag er damit daneben. Auch ein Grund, warum ihn der Journalist Jens Weinreich einen „unglaublichen Demagogen“ nannte, und nennen durfte.

Beim großen Schiedsrichterskandal um Robert Hoyzer und die Berliner Wettclique erkannte er anfangs die Ausmaße nicht, seinen beliebten wie erfolgreichen Bundestrainer Löw brüskierte er mit der vorzeitigen Bekanntgabe der Vertragsverlängerung. Manfred Amerells Kreuzzug gegen den DFB ist eher einer gegen Zwanziger, nachdem der Präsident Partei für den jungen Michael Kempter ergriffen hatte. Und selbst im Zusammenhang mit dem Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati machte er keine gute Figur, als er gewohnt präsidial um Diskretion und Rücksichtnahme bat – und gleich im nächsten Satz Details des Fundorts preiszugeben.

Kämpfer gegen Homophobie, Sexismus und Ausgrenzung

Seinen größten Moment hatte er im Augenblick der bislang größten Tragödie des deutschen Fußballs: In den Stunden und Tagen nach Robert Enkes Selbstmord war es Zwanziger, der das Gefühl und die Trauer einer gehetzten Fußballwelt in einer bewegenden Rede am Sarg des toten Torhüters bündelte. Dazu verstand er sich stets als Kämpfer gegen Homophobie, Sexismus und Ausgrenzung im Fußball. Auch dafür erhielt er 2005 das Bundesverdienstkreuz.

Doch zu allem Überfluss tobt seit Monaten hinter den Kulissen ein Machtkampf. Es ist das alte Spiel von Abhängigkeiten, Netzwerken und Einflussnahmen, die in Verbänden mit der Größenordnung des Deutschen Fußball-Bundes wohl üblich sind. Und so verwundert es nicht, dass in den Stunden nach Zwanzigers Rücktrittsankündigung schnell die Namen von DFB-Vize Rainer Koch und Generalsekretär Wolfgang Niersbach fielen, wenn es um die Nachfolge ging. Zwanziger selber sprach von einem Namen, den er „seit längerer Zeit“ im Kopf habe und den er „für einen geeigneten Kandidaten“ hielte. Er will vorbereitet sein.

 

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