Themenwelten Ski & Fun Garmisch Classic: Die Zukunft kann kommen

Wer hier nicht gerne fährt, ist selber schuld: Das Classic-Skigebiet in Garmisch Foto: bayerntourismus

Altbacken? Von wegen. Garmisch-Classic hat sich zu einer tollen Skiarena gemausert, die so manches Gebiet jenseits der nahen Grenze in den Schatten stellt.

 

Noch knapp 370 Tage bis zur alpinen WM und Christian Neureuther, Skilegende und stolzer Vater des Kitzbühel-Siegers Felix, freut sich schon jetzt: „Mit der neuen Kandahar-Abfahrt hat Garmisch-Partenkirchen die spektakulärste Abfahrt im gesamten Ski-Weltcup, da kommt auch die Streif nicht mehr mit.“ Mit 92 Prozent Gefälle ist der „Freie Fall“ am Ende der Herren-Abfahrt das steilste Stück im alpinen Skiweltcup und kratzt gehörig am bisherigen Rekord der Harakiri-Abfahrt in Mayrhofen als steilste Abfahrt der Alpen.

In den letzten Jahren hat sich das Classic-Gebiet zu Füßen der Zugspitze zu einem attraktiven und herausfordernden Skizirkus gemausert, der so manche „Arena“ jenseits der nahen Grenze in den Schatten stellt. Mit der Eröffnung der neuen Kreuzeck-Bahn im Winter 2002 begann die Modernisierung des Skigebietes, die seit Weihnachten 2009 mit der Eröffnung des neuen Kandahar-Express abgeschlossen ist. 2000 Wintersportler pro Stunde befördert die hochmoderne Umlaufbahn mit beheizbaren Vierer-Sesseln direkt zum Einstieg in die Kandahar-Runde.

Dank einer Kindersicherung mit automatisch verriegelten Sitzbügeln sitzen die Kleinen nicht nur warm, sondern auch sicher. Ein Bildschirm über Drehkreuzen an der Talstation erklärt die neue Technik, trotzdem wollen immer noch viele nach oben fassen, um den Liftbügel zu greifen und zu schließen.

Oben auf 1719 Meter angekommen, erschlägt einen zunächst das Panorama, vor allem an Tagen mit guter Fernsicht. Bis nach München könnte man sehen, wenn sich das Flachland nicht unter einer dicken Wolkendecke verstecken würde. Dafür sind die umliegenden Berge zum Greifen nah: Alpspitze, Waxenstein und Zugspitze, sogar den Liftmast der Eibsee-Seilbahn kann man mit bloßem Auge erkennen.

Ein letztes Durchschnaufen am nagelneuen Starthaus und dann geht es los, direkt hinein in den Starthang, wenn auch mit deutlich mehr Schwüngen und Kurven als bei Cuche, Miller, Neureuther & Co. Die Skifahrer müssen nicht binnen weniger Sekunden von null auf 100 beschleunigen und können sich genüsslich auf 3390 Meter Herrenabfahrt und 940 Höhenmeter Unterschied einschwingen.

Die schwarze Abfahrt ist brettleben gewalzt, ideal zum Carven und Genießen und bietet auch in den Steilstellen ausreichend Platz für die nicht ganz so forschen Fahrer. Und auch bei größerem Andrang am Wochenende findet jeder immer noch genug Raum für sich und seine Schwünge.

Unter dem Tröglhang mit seinen 80 Prozent Gefälle führt der neue 90 Meter lange Trögl-Tunnel hindurch. Er ermöglicht den regulären Skibetrieb sogar während der Rennen. Wenn oben auf dem Tröglhang der Kampf um Hundertstelsekunden tobt, können die Skifahrer seelenruhig vom Hausberg zum Kreuzeck wechseln. Dank des Tunnels konnte der Ziehweg entfallen und eine neue Piste für die Skifahrer freigegeben werden.

Für alle, denen der Tröglhang zu steil ist, gibt es eine familienfreundliche Umfahrung. Auch der „Freie Fall“ am Ende der Herrenabfahrt kann per Ziehweg umgangen werden, wenn die Kondition zum Schluss nicht mehr ganz reicht.

Mit den beiden „schwarzen“ Abfahrten der Kandahar kann das Classic-Skigebiet fünf Talabfahrten aufweisen, die alle beschneit sind. Mit der Fertigstellung des Kandahar-Express hat das Classic-Skigebiet wieder den Anschluss an die Neuzeit gefunden – mit perfekt gepflegten 40 Pistenkilometern.

Auch das Thema Sicherheit wird im gesamten Skigebiet groß geschrieben. Engstellen sind auffällig gekennzeichnet, die Ausschilderung ist deutlich und klar.

Die Tageskarte kostet 33 Euro, noch bis zum 4. April fährt am Wochenende der „Garmischer Ski-Express“. Jeweils um 7 Uhr geht es ab dem Münchner Hauptbahnhof direkt bis zur Hausbergbahn. Das Kombi-Ticket für die Bahnfahrt und den Tagesskipass kostet 39 Euro, das Liftticket wird direkt im Zug ausgegeben, da spart man sich auch noch die Wartezeiten an der Liftkasse.

Cornelia Bruckner

Infos: Drei Skiberge auf einen Streich

Skigebiet: Drei Skiberge sind im Classic-Gebiet zusammengeschlossen: Hausberg, Kreuzeck und Alpspitze. Von 700 bis 2050 Höhenmeter reicht das Gebiet am Fusse der Zugspitze.

Lifte: Insgesamt hat das Gebiet 18 Gondel-, Sessel- und Schlepplifte.

Abfahrten: 40 Pistenkilometer stehen zur Verfügung, darunter fünf beschneite Talabfahrten. Höhepunkt ist die Kandahar-Abfahrt am Kreuzeck.

Kinder: Sie sind am Hausberg gut aufgehoben, denn in der Nähe der Bergstation gibt's das "Kinderland". Der Clou: Ein Förderband bringt die Kinder immer wieder bequem nach oben.

Tageskarte: Für Erwachsene 33 Euro, für 16- bis 18-Jährige 25,50 Euro, für 6- bis 15-Jährige 18,50 Euro.

Anfahrt: Gut 90 Kilometer von München entfernt. Am Wochenende bequem mit dem Garmischer Ski-Express vom Münchner HBF.

Info: www.zugspitze.de

 

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