Themenwelten Reise & Erholung Wandern, wo das Gras noch duftet

Pilger auf der Magdalenenbrücke bei Pamplona Foto: az

Pilgerreisen 2010: Die spezialisierten Reiseunternehmen haben an ihren Programmen gefeilt und bieten neue Themen und Wege für Wallfahrer an.

 

Er stand quasi vom Schreibtisch auf und marschierte los. Gerade noch Büromensch, wollte der Lüneburger Christian Lerch (40) nach einer schwierigen Zeit wieder zu sich selbst finden. Das brachte ihn auf den Jakobsweg nach Santiago di Compostela. Die Gründe für eine Pilgerreise sind eben so unterschiedlich wie die Menschen. Die spezialisierten Reiseunternehmen haben das erkannt und warten in diesem Jahr mit zusätzlichen Angeboten auf.

Pilgern will er auf jeden Fall wieder, sagt Lerch. Aber es muss nicht unbedingt der Jakobsweg sein. Da finde man zwar immer eine Unterkunft und verlaufe sich auch nicht. Doch jetzt schwebt ihm eher die Strecke von Köln nach Straßburg vor. "Ich bin mehr der Luxuspilger", sagt er augenzwinkernd. "Bei einer Herberge, in der 30 Menschen ihre Socken über das Bettgestell gehängt haben, treibt mich der Geruch schon wieder raus." Er habe es auch genossen, nach einem Pilgertag abends auf dem Marktplatz ein Glas Wein zu trinken. "So haben es doch auch die alten Pilger gemacht, und das alles ohne Hetze und ohne es zu verbissen zu sehen. Jeder sollte nach seinem eigenen Gusto laufen."

Pilgertrend 1: ein Standort statt langer Märsche

Wie Christian Lerch denken immer mehr moderne Pilger, hat Rüdiger Tramsen von den Biblischen Reisen in Stuttgart erkannt. Deshalb bietet er seiner Klientel in diesem Jahr mehr Komfort. Viele Gäste schätzen es, von einem Standort aus zu wandern und am Abend wieder in die gleiche Unterkunft zurückkehren zu können. Ein Sonderfall seien in diesem Jahr natürlich die Passionsspiele in Oberammergau, für die es wohl noch ungewöhnlich viele Karten gibt.

Auch das Bayerische Pilgerbüro hat sein Angebot erweitert: "Auf dem Weg zu neuer Zuversicht" heißt das Motto für Menschen, die einen nahen Angehörigen verloren haben. Bereits im April steht eine Wanderung auf dem Meditationsweg im Naturschutzgebiet der Ammergauer Alpen an. Im Mai finden Trauernde Gleichgesinnte auf dem Weg nach Santiago de Compostela und Fátima. Und im Oktober lässt sich im Kloster Hersberg am Bodensee neue Kraft schöpfen. "Keiner fragt den anderen, weshalb er pilgert", sagt Christian Lerch. "Aber die meisten erzählen von sich aus, was sie bewegt." Etwa der Kanadier, der in den Armeestiefeln seines Sohnes marschierte, um dessen Tod in Afghanistan zu verarbeiten.

Pilgertrend 2: Unterwegs mit dem Bischof

2010 ist das Heilige Compostelanische Jahr. Das lassen sich die Anbieter natürlich nicht entgehen. Das Bayerische Pilgerbüro verbindet Santiago de Compostela und Fátima in einer Sechstagetour zu Fuß miteinander. Auch kann man eine "Reise mit Exzellenz" buchen, also in Begleitung geistlicher Würdenträger wie des Münchner Weihbischofs Engelbert Siebler. Und wer bislang aus gesundheitlichen Gründen nicht die Wanderstiefel geschnürt hat, der findet maßgeschneiderte Reisen mit ärztlicher Begleitung.

Bei seiner Ankunft in Santiago fiel Lerch übrigens eins auf. Beim Strandurlaub freue er sich nach einer Woche stets wieder auf Zuhause. Nach drei Wochen Pilgern hätte er dagegen am liebsten noch drei Wochen angehängt. Sein Fazit: "Ich habe einige Entscheidungen getroffen, die ich mittlerweile umgesetzt habe. Ich habe abseits von E-Mails und Handy den Kopf frei bekommen und wieder gelernt, was wesentlich ist, sei es der Duft des Grases oder der Geschmack eines kühlen Schluck Wassers."

Monika Reisner

Adressen

Biblische Reisen, Telefon 0711/619250, www.biblische-reisen.de.

Bayerisches Pilgerbüro, Telefon 089/5458110, www.pilgerreisen.de

 

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