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Manchester: Old Trafford Foto: srt

Acht Sportstätten von Manchester bis Rio, in denen Fußballgeschichte geschrieben wurde.

 

Derzeit steht Südafrika im Mittelpunkt der Fußball-Welt. Am Kap dreht sich alles um die Frage: Welches Team wird das Finale im Soccer City Stadium in Johannesburg gewinnen und in die Geschichtsbücher eingehen? Wir stellen die Ikonen unter den Fußballarenen vor, in denen bereits Fußballgeschichte geschrieben wurde.

Manchester - Old Trafford

Seit 1910 ist im Old Trafford die Mannschaft von Manchester United zu Hause. Das "Theatre of Dreams", wie es auch genannt wird, fasst 68000 Zuschauer. Und wie kaum ein anderes Stadion verbindet es Fußball, Kult und Kommerz: In den integrierten riesigen Fan-Shops erhält man alles - vom ManU-Bleistift bis zum ManU-Kleinwagen. Seine atemberaubende und einmalige Atmosphäre verdankt das Old Trafford vor allem seiner Komplett-Überdachung, die den typischen Fan-Gesang noch eindrucksvoller und gewaltiger macht. Interessant ist ein Besuch im ManU-Museum mit der Hall of Fame und dem Trophäenraum. Unter anderem werden mehrstündige Stadion-Touren mit ehemaligen ManU-Ikonen wie Norman Whiteside oder Frank Stapleton angeboten (ab ca. 100 Euro, www.manutd.com).

Mexiko-Stadt - Aztekenstadion

Mit seinen drei Rängen nimmt das 1966 erbaute Aztekenstadion 115000 Zuschauer auf - gerade groß genug für die fußballverrückten Mexikaner. Auch hier verstärkt das Dach die Geräuschkulisse der riesigen oberen Ränge, das Stadion wird so zum ohrenbetäubenden Hexenkessel. Dies und die Lage in einer Höhe von 2200 Metern über dem Meer sorgen dafür, dass vielen Gastmannschaften die Luft ausgeht. Fußballfans erinnern sich an das so genannte "Jahrhundertspiel" bei der WM 1970 zwischen Deutschland und Italien, das die DFB-Elf in der Verlängerung verlor. Das Aztekenstadion ist auch Schauplatz legendärer Konzerte. So füllte Michael Jackson das Oval gleich vier Mal mit jeweils 100000 Zuschauern. Das Stadion kann im Rahmen einer Stadtführung besichtigt werden (www.esmas.com/estadioazteca/).

Rio de Janeiro - Maracana

Das ist Musik in jedem fußballbegeisterten Ohr: Maracanã. Offiziell: Estádio Mário Filho, benannt nach einem berühmten Sportjournalisten Brasiliens. Eingeweiht wurde der Fußball-Tempel im Herzen von Rio zur WM 1950. Mit einem Fassungsvermögen von 180000 Zuschauern war es das größte Stadion seiner Zeit. 1998 wurde die Besucherzahl auf 80000 verringert. In ihm haben die größten Spieler Brasiliens das Publikum verzaubert: Garrincha, Zico, Romario und Rinaldo. Und Pelé natürlich, der am 19. November 1969 auf dem Rasen das 1000. Tor seiner Karriere schoss. An das Stadion angeschlossen ist das Museu dos Esportes Mane Garrincha, Weihestätte des brasilianischen Fußballs und seiner Idole. Viele Stadttouren enthalten eine Besichtigung des Stadions (www.rio-online.com).

Mailand - San Siro

Ein Haus, zwei Herren: Das Stadion im Mailänder Stadtteil San Siro teilen sich die beiden Spitzenmannschaften der Stadt, AC und Inter. Es wurde im Jahr 1926 erbaut und fasst heute 85000 Zuschauer. Aufgrund seiner charakteristischen Bauweise zählt es zu den schönsten Stadien Europas. Zur WM 1990 erhielt es einen dritten Rang, der von elf Türmen gehalten wird. Vier davon ragen ins Stadioninnere und tragen zusätzlich das Glasdach der Arena. In den Türmen befinden sich auch die Aufgänge zu den Rängen. 1980 erhielt der Bau den Namen von Giuseppe Meazza - der Fußballer aus der Weltmeister-Elf von 1938 kickte in beiden Teams. Die zweieinhalbstündige Stadiontour (Umkleidekabinen inklusive) kostet 28 Euro (www.sansiro.net).

Madrid - Santiago Bernabéu

Ehrfurcht ringt das Estadio Santiago Bernabéu wohl jedem Spieler ab, wenn er die steilen Ränge hinaufblickt. 1947 wurde es im Herzen Madrids gebaut und 2005 zuletzt modernisiert. Die ursprüngliche Zuschauerkapazität war bereits 1982 von 120000 auf 80000 reduziert worden. Sein Name ehrt den ehemaligen Präsidenten von Real Madrid, unter dessen Ägide die königlichen Kicker den europäischen Fußball dominierten. Das Bernabéu ist einer der heiligsten Tempel für die Götter in kurzen Hosen. Legenden wie Alfredo Di Stéfano und Ferenc Puskas flankten, köpften und grätschten dort. In unseren Tagen ziehen die Real-Madrid-Weltstars Raúl und Cristiano Ronaldo die Fans in Scharen an. Stadiontouren für 9 Euro, täglich um 10.30 und 18.30 Uhr (außer an Spieltagen und tags darauf, www.santiagobernabeu.com).

Marseille - Vélodrome

Leichtathletik, Radrennen, Fußball: Das 1937 eröffnete Stade Vélodrome in Marseille gab sich ursprünglich vielseitig. Der elliptische Bau wurde 1998 anlässlich der WM in Frankreich generalüberholt und fasst heute 60000 Zuschauer. Er verzichtet ganz auf ein Dach, damit der Rasen Regen und Sonnenlicht abbekommt. Bei den Spielen herrscht meist eine überaus temperamentvolle Atmosphäre. Für Ruhm sorgte 1998 das französische Team: Im Eröffnungsspiel der WM besiegte es im Vélodrome Südafrika und legte den Grundstein für den späteren Titelgewinn. Berühmter Sohn der Stadt ist Zinédine Zidane. Der Weltfußballer stand schon als Kind auf der Stadiontribüne und ließ sich dort vom Fußballfieber anstecken. In der großen Stadtrundfahrt (19 Euro) ist ein Besuch des Stade Vélodrome eingeschlossen (www.om.net).

London - Wembley

Es ist das berühmteste Fußballstadion der Welt: Wembley. Und es ist "die Kirche des Fußballs", wie einer seiner Hohen Priester, Pelé, verkündete. Errichtet wurde das Kicker-Allerheiligste 1924 und fasste an die 100000 Zuschauer. Bis zum Jahr 2000 wurden in der Arena alljährlich das englische Pokalfinale ausgetragen und die Heimspiele der englischen Nationalmannschaft. Ebenso war sie Schauplatz legendärer Open-Air-Konzerte. 2002 kam dann der Abpfiff - wegen Baufälligkeit. An ihrer Stelle entstand mit dem neuen National Stadion das modernste Mehrzweckstadion der Welt mit einem Fassungsvermögen von 90000 Menschen. Typisch ist das bewegliche Dach und ein 133 Meter hoher Bogen (eine 90-minütige Stadiontour kostet ca. 17 Euro, www.thestadiumtour.com).

Barcelona - Estadio Nou Camp

Ein Platz der Superlative: Mit 98000 Plätzen steht das Nou Camp in Barcelona an der europäischen Spitze. Und sein Verein, der FC Barcelona, ist mit 125000 zahlenden Mitgliedern der größte Fußballverein der Welt. Eröffnet wurde das Stadion 1957, im Jahr 1982 kam ein Oberrang hinzu. Zu ihm gehört ebenfalls ein sehenswertes Museum mit historischer Abteilung, einer Kunstgalerie und einer Souvenir-Sammlung. Einzigartig ist die Stadion-Kapelle. Spieler wie Fans können hier vor Anpfiff die schwarze Madonna "La Moreneta" um göttlichen Torsegen bitten. Bei Fans des FC Bayern weckt das Stadion bittere Erinnerungen an die Last-Minute 1:2-Niederlage gegen Manchester United beim Champions League Endspiel im Mai 1999. Für die Stadiontour (17 Euro) sind auch Audioguides in Deutsch verfügbar (www.fcbarcelona.com).

Brigitte von Imhof

 

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