Themenwelten Reise & Erholung Jogi und die Löwen

Zwischen den WM-Spielen locken die großen Tiere in den Nationalparks Südafrikas. Foto: Raab Foto: srt

Was können unsere Jungs zwischen den WM-Spielen in Südafrika tun? Wie wär’s mit einem Trip in diese drei tollen ­Nationalparks?

 

Achtung, Nashorn!“ Der Fahrer starrt mit weit aufgerissenen Augen nach links und gibt Gas. Tatsächlich: Im Beifahrerfenster ist ein bulliger Schädel, breiter als die Autotür, jäh aus dem Dickicht des Buschs aufgetaucht: Eine Sekunde später, und das Nashorn hätte sich in die Autotür gebohrt. Rhino scheint von dem Vorfall bestenfalls irritiert. Was dieses Erlebnis für alle Ewigkeit lehrt? Nashörner sehen nicht besonders gut – und in der Wildnis Südafrikas muss man auf alles gefasst sein.

Eine Horde von Pavianen schlendert auf der schmalen Straße des HLUHLUWE-IMFOLOZI NATIONALPARKS dahin. Wird der Park in der Nähe Durbans, wo die DFB-Elf morgen gegen Australien spielt, deshalb als „Schlu-schluwe“ ausgesprochen, weil die Tiere hier alle Zeit der Welt haben? Die jungen Äffchen turnen auf dem Rücken ihrer Eltern, necken einander. Keines kümmert sich um Besucher, die ihnen im Auto im Schritttempo auf den Fersen sind.

In dem Naturschutzgebiet nordöstlich von Durban hat man gute Chancen, auf die „Big Five“ zu stoßen: Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard. Im üppigen Grün entdecke ich wenigstens eine Gruppe Giraffen, die sich ausdauernd kauend durch das Unterholz frisst. Mit ihren überlangen Hälsen bewegen sich die Tiere mit der Eleganz einer älteren Dame, die in ihrem altmodischen braunweiß-gesprenkeltem Pelzmantel um Würde bemüht ist. Große dunkelbraune Augen sind die Zierde des schmalen Gesichts. Obwohl die Langhälse ihren Kopf beim Fressen meist in den Ästen vergraben haben, lassen sie die nähere Umgebung nie aus den Augen. Mit Fressfeinden wie einem Löwen muss man immer und überall rechnen.

Addo: der Park, in dem die Mistkäfer das Spiel gewinnen

An den Homelands, den trostlosen Siedlungen für die schwarze Bevölkerung, nördlich von Port Elizabeth vorbei führt der Weg zum ADDO ELEPHANT NATIONAL PARK. Nach dem Vorrundenspiel gegen Serbien am 18.6. in Port Elizabeth bliebe hier auch den deutschen Kickern noch Zeit für Tierbeobachtungen. Im Restaurant des Nationalparks ist ein Symbol des Kampfes zwischen Mensch und Natur zu sehen: Selbst tot ist Happoors Schädel noch furchteinflößend. 24 Jahre hatte der Elefantenbulle die Addo-Elefanten geführt. Als ihn ein jüngerer Bulle von seinem Rang verdrängte, wurde er Einzelgänger und so aggressiv, dass er erschossen werden musste.

Aber auf einer Fahrt durch den Park stoßen wir auf Hapoors Nachkommen: An die zwanzig Kap-Elefanten, ältere wie auch Jungtiere wandern durch den Busch. Gemächlich stopfen die Dickhäuter Blätter in ihr großes Maul unter dem runzeligen Rüssel. Die Älteren schütteln die mächtigen Köpfe, schwingen die Rüssel und senden ein lautstarkes Trompeten aus, wenn sich eins der Jungtiere zu weit entfernt. An einem Wasserloch löscht eine ganze Herde von Kap-Büffeln ihren Durst, auf einem Hügel grast eine Gruppe Kudus, zu erkennen an ihren kunstvoll gedrehten Hörnern. Auf der Rückfahrt wundern wir uns über ein Verkehrszeichen, das einen Mistkäfer zeigt: Die so genannten Pillendreher haben im Addo-Park Vorrang, denn sie sorgen für ein intaktes Ökosystem, klärt uns der Parkwächter auf.

Blyde River Canyon: Urplötzlich stürzt er in die Tiefe des Raums

Eine Verschnaufpause vom Sport ließe sich für Jogi und seine Löwen auch von Johannesburg aus machen, wo Deutschland am 23. Juni gegen Ghana antritt: bei einem Ausflug in den nahen BLYDE ­RIVER CANYON. An der Oberkante der Berlin Falls plätschert ein kleines Bächlein inmitten einer idyllisch blühenden Wiese. Es riecht würzig nach Kräutern, Bienen summen. Nur ein paar Schritte weiter stürzt das Wasser über eine fast senkrecht abfallende Felswand mehr als 50 Meter in die Tiefe. Menschen mit Höhenangst sollten dem Highlight des Blyde River Canyons, den „Three Rondavels“ unbedingt fern bleiben. Jener Felsformation, die an die afrikanischen Rundhäuser erinnert. Alle anderen wird der Anblick des weiten Schluchtkessels, den der Blyde River in die felsigen Transvaal Drakensberge geschnitten hat, so schnell nicht wieder los lassen.

Maria Zamut

 

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