Themenwelten Reise & Erholung Ein Klo für die Kunst

Ein kanariengelbes Toilettenhäuschen schwebt spektakulär über der Emscher.

 

Es sitzt am Ende eines schmalen Eisenträgers auf. Und wer sich traut, den noch schmaleren Weg darauf zu über den Fluss zu balancieren (ein Geländer gibt es immerhin) – ja, der darf das Klohäuschen ganz offiziell auch benutzen. "Between the Waters" heißt die Installation der slowenischen Künstlerin Marjeta Potrc und ist ein Highlight der "Emscherkunst". So nennt sich das größte, 34 Kilometer lange Projekt der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, bei dem sich 40 Künstler in 20 Kunstwerken mit der Emscher-Landschaft zwischen Oberhausen und Castrop auseinandersetzen. Die hat es nämlich in sich, schließlich ist die Emscher kein Fluss, sondern eine Kloake, und die Emscher-Insel keine Insel, sondern schlicht das Stück Land zwischen diesem Fäkalienkanal und dem lange Zeit auch nicht viel schöneren Rhein-Herne-Kanal.

Kunstwerke an der Emscher

Seit dem Ende des Bergbaus in der Region wird diese einstige Schmuddelgegend renaturiert, die "Neue Emscher" nimmt Gestalt an. Das wird noch bis ins Jahr 2020 begleitet, reflektiert und gefördert von der "Emscherkunst". So entstand zum Bespiel ein riesiges Wandmosaik auf der Außenwand eines einstigen Faulturms, ein Aussichtsturm an der Inselspitze bei Castrop und die bei der Hafenmole in Herne aus dem Rhein-Herne-Kanal ragende Stahlskulptur "reemrenreh". Wer mehr als nur das Besucherzentrum der Emscherkunst sehen will, der mietet sich am besten ein Fahrrad und macht sich auf Entdeckungsreise. Für die sanitären Anlagen auf der Strecke ist ja gesorgt – dank Marjeta Potrc und ihrem kanariengelben Toilettenhäuschen.

Das Besucherzentrum Emscherkunst 2010 im Nordsternpark Gelsenkirchen ist von 10 bis 19 Uhr täglich geöffnet. www.emscherkunst.de

Hans-Werner-Rodrian

 

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