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Gleicher Geschmack, gleiche Interessen: Gemeinschaftliches Bauen verknüpft finanzielle und soziale Aspekte. Foto: dpa

Streitpunkt oder Sparpotenzial: Wer so den Traum vom Eigenheim verwirklicht, verknüpft finanzielle und soziale Aspekte

 

FRANKFURT/MAIN Gemeinschaftliches Bauen gehört zu den Trends moderner Quartiersentwicklung. Das Projekt Hausbau wird damit auf mehrere Schultern verteilt. Allerdings funktioniert das nur, wenn finanzielle und bauliche Vorstellungen der künftigen Bauherren übereinstimmen.

 Eine gängige Variante sind Bauherrengruppen. Das sind Zusammenschlüsse von Privatleuten, die gemeinsam ein Bauprojekt verwirklichen wollen. „Das Grundstück stellt in der Regel die Kommune bereit“, erläutert Joachim Lölhöffel vom Wohnbund Frankfurt, einem bundesweit aktiven Verein zur Förderung alternativer Wohnformen. In der Regel fragen die Interessenten bei der Kommune ein freies Grundstück an und beauftragen anschließend einen Architekten. Den weiteren Verlauf bestimmen dann in der Regel die Gruppenmitglieder mit. So entscheidet jeder Bauherr selbst über die Gestaltung und Ausstattung seines Hauses.

Als unschätzbaren Vorteil gemeinsamen Bauens benennt Klaus Kellhammer vom Verband Privater Bauherren in Berlin (VPB) die Möglichkeit, individuelle Vorstellungen kostengünstig in guter Qualität in Stein zu setzen. Gruppenmitglieder legen seiner Erfahrung nach sowohl Wert auf eine ansprechende Architektur als auch auf eine energie- und umweltfreundliche Bauweise. Die Kosten sinken außerdem, weil weder Makler noch Bauträger bezahlt werden.

Außerdem hilft der gemeinsame Materialeinkauf die Kasse zu schonen. Das gesparte Geld lässt sich in Projekte investieren, die einer allein kaum stemmen kann, die aber den Standard erhöhen. Lölhöffel spricht konkret von „Mehrwert“ in Form von Solaranlagen, kleinen Blockheizkraftwerken oder Elektromobilität. Dafür gibt es nach Auskunft der staatlichen KfW-Bank unter Umständen Zuschüsse vom Staat. Wohnbund und VPB empfehlen aber auch, das Geld zum Teil in einen professionellen Projektmanager zu investieren. Er moderiert, wenn es Streit gibt, berät fachlich und kontrolliert Abläufe und Abrechnungen.

So kommen Baugruppen-Mitglieder dann unter dem Strich doch kaum billiger weg als Nachbarn, die auf die übliche Weise einen Bauträger beauftragt haben. Denn die Fachleute legen marktübliche Kosten zugrunde. Einen Festpreis für das einzelne Haus gibt es nicht, die genaue Kalkulation entsteht laut VPB erst im Zuge der Planungen. Wem es zu teuer wird, der kann allerdings aussteigen. Und wer die finanzielle Unwägbarkeit samt Diskussionen in Kauf nimmt, lebt am Ende in einem einzigartigen, vom Architekten geplanten Haus, das er allein nicht hätte finanzieren können.

Eine weitere Variante zur Verwirklichung des Eigenheims sind Bauherrengemeinschaften. Sie kaufen oft nur ein Grundstück oder einen Altbau mitten in der Stadt, um die Immobilie auf Vordermann zu bringen und dort zusammen zu wohnen. Das Prinzip ist mit dem der Bauherrengruppe vergleichbar. „Das Gebäude wird den Bedürfnissen der Menschen angepasst“, sagt Kellhammer. Das Konzept stammt oft von einem Architekten, der in der Regel die Bauherren sucht und mit ihnen seine Pläne weiterentwickelt.

Arbeit, Zeit und Engagement verlangt auch die dritte Variante gemeinsamen Bauens: die Genossenschaft. Bundesweit gibt es rund 390 mit zusammen 820 000 Wohnungen. Meist sind es große, seit Jahren etablierte Vereinigungen. Neugründungen kommen selten vor. „Es gibt wenig Initiativen, weil in der Anfangsphase viel Eigenkapital und Förderung erforderlich ist“, sagt Monika Kegel vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) in Berlin.

Genossenschaften sind allerdings gesetzlich reglementiert. So haben die Stimmen aller Anteilseigner gleich viel Gewicht, egal wie viele Anteile der Eigner hält.

 

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