Theaterpremiere Auferstehung mit dem Holzhammer

Verloren: Marie Jung und Thomas Schmauser als Geschwisterpaar, das im Großstadtdschungel keine Heimat findet. Foto: Conny Mirbach

„Bauern sterben” von Franz Xaver Kroetz im Werkraum der Kammerspiele

 

Es ist ein Kreuz mit dem Kroetz. Diese Volksstücke von ihm, sozialkritisch, derb, skandalös – an denen muss man sich kräftig abarbeiten. Es erscheint fast symbolisch für Armin Petras’ Auseinandersetzung mit Kroetzens „Bauern sterben”, wenn Thomas Schmauser als Landei, das endlich Arbeit in der Stadt gefunden hat, Steinbrocken auf die Bühne im Werkraum wirft und zertrümmert. Dabei simuliert er, dass er sich verletzt, woraufhin das Blut spritzt, der Körper verstümmelt wird. „I love München”-T-Shirts zieht Schmauser sich über. Das Blut besudelt böse die Liebeserklärung.

Kroetz, der Münchner, hat sein Stück 1985 selbst uraufgeführt; Petras, momentan noch Leiter des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, wagt anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Kammerspiele eine trashige Neuauflage. Dabei wirft er Brocken anderer Werken hinein, aus Heiner Müllers „Germania 3” und Kroetzens „Furcht und Hoffnung der BRD”. Ein einheitlicher Abend ergibt sich daraus nicht, muss es ja auch nicht, aber auf der Baugestänge-Bühne von Olaf Altmann – ein Wald, ein Großstadtdschungel – verliert sich nicht nur der Blick eines landflüchtigen Geschwisterpärchens, sondern der ganzen Inszenierung geht die Luft aus. Dabei beginnt sie stark: Jeder Schauspieler steht in seiner Parzelle, jeder spricht in seinem Dialekt, darunter André Jung in einer luxemburgerischen König-Lear-Variante, als raunzender Bauer, der nicht abtreten und nichts modernisieren will. Seinen zwei Kindern bleibt da nur der Abgang in die Stadt.

Dann lässt Thomas Schmauser die Zügel los und improvisiert leider ziemlich lau vor sich hin. Marie Jung hingegen nimmt ihren Text ernst, nur die einst provokante Rede der zur Hure degenerierten Tochter spult sie mit Regieanweisungen ab. Ursula Werner tupft den Monolog einer Frau, die sich anzünden will, subtil hin. Michael Tregor darf den Affen machen, Lasse Myhr als Jesus ein wenig lächeln.

Die Gestänge kreuzen sich, am Ende liegt schräg ein Holzjesus auf einem Holzkreuz, und man fragt sich, wieso dieses Stück eine Auferstehung erlebt hat. 

 

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