Theater Tatort Residenztheater

Eva Mattes hat ihr bewegtes Schauspielerleben nun als Biografie veröffentlicht. Foto: dpa

Eva Mattes ist bei Intendant Martin Kušej neues Ensemblemitglied am Staatsschauspiel geworden, spielt nun in dessen Premiere und hat soeben ihre Autobiografie veröffentlicht

 

Mit 12 Jahren stand sie das erste Mal auf der Bühne, mit 15 in einer Hauptrolle vor der Kamera. Das war 1970, und seitdem hat die Schauspielerin Eva Mattes immer mitgemischt, wo sich im deutschen Theater und Film etwas Neues tat. Sie drehte mit Werner Herzog (mit dem sie auch eine Tochter hat) und Fassbinder, sie war eine der wichtigsten Protagonistinnen von Peter Zadek. In ihrer Heimatstadt München war sie nur selten zu sehen, doch jetzt hat der neue Intendant Martin Kušej sie ins Ensemble des Residenztheaters geholt. In seiner Schnitzler-Inszenierung „Das weite Land”, mit der er morgen seine Amtszeit eröffnet, spielt Eva Mattes die Schauspielerin Anna Meinhold-Aigner.

AZ: Frau Mattes, Sie haben vorher noch nie mit Martin Kusej gearbeitet. Wie kam es zu Ihrem Engagement?
EVA MATTES: Ich habe vor zwei Jahren beim Berliner Theatertreffen seine „Weibsteufel”-Inszenierung gesehen und gedacht, das ist ein Schauspieler-Regisseur. Da man sowas nicht so oft findet, hab’ ich ihn gleich angesprochen und gesagt, ich würde gern mit ihm arbeiten. Und das ist daraus geworden. Für mich ist das ein Neubeginn, vor allem auch nach dem Tod von Peter Zadek.

Sie sind ja Münchnerin, aber Ihre Theaterheimat war Hamburg, und Sie leben in Berlin. Wie geht das künftig zusammen?
Ich pendle erstmal, mein Lebensmittelpunkt bleibt Berlin. Momentan drehe ich den dritten Teil vom „Sams”, im November den nächsten „Tatort” am Bodensee, und im Januar spiele ich noch „Arsen und Spitzenhäubchen” mit Angela Winkler im Hamburger St. Pauli-Theater. Dann sehe ich weiter. Martin Kušej möchte nicht gern, dass die Ensemble-Mitglieder auch an anderen Häusern spielen. Das finde ich ok.

Sie spielen zum ersten Mal ein Stück von Arthur Schnitzler.
Das ist für mich eine neue Welt. Ich bin einfach hin und weg. Das Österreichische ist mir zwar nicht unbekannt, aber ein echter Österreicher wie Kušej kann doch den Konfliktstoff und die Bosheit anders rauskitzeln.

Die Schauspielerin Anna Meinhold zeigt in dem Ehedrama um den notorisch untreuen Fabrikanten Hofreiter Verständnis dafür, dass dessen duldsame Frau Genia sich mit ihrem Sohn eingelassen hat. Ist sie eine ältere, lebensklügere Version von Genia?
Es gibt Ähnlichkeiten: Die Söhne der beiden sind dauernd weg, und was sie mit den Männern durchmachen, ist vergleichbar. Nur gehen sie anders damit um. Die Meinhold hat ihren untreuen Mann gleich verabschiedet, sie hat einen Beruf, ist sehr selbstständig und hat sich eingerichtet im Leben. Aber sie hat’s nicht vergessen. Trotzdem liebt sie ihren Mann, diese Liebe bleibt bestehen, ohne Sehnsucht nacheinander. Sie hat sich abgefunden und eine Art Frieden geschlossen – was nicht heißt, dass sie friedlich ist. Sie ist eine einfache, klare Person, die um die Dinge weiß. Auch dass der Sohn aus dem Haus muss und ein Mann wird, vielleicht so einer, wie sie ihn hatte.

Gerade ist Ihre Autobiografie erschienen: „Wir können nicht alle wie Berta sein” (Ullstein Verlag). Die ist unter all den eitlen, von Ghostwritern geschriebenen Schauspieler-Memoiren eine erfrischende Ausnahme: Sie erzählen sehr direkt, sehr persönlich und ungeschönt.
Ich wollte nie meine Biografie schreiben. Aber seit Jahren wurde mir, wenn ich meine Theatererlebnisse erzählte, immer wieder gesagt, das musst du aufschreiben. Siv Bublitz vom Ullstein Verlag hat mich schließlich überzeugt. Ich wollte das Buch in jedem Fall selbst schreiben. Und nachdem ich ihr einige Seiten gezeigt hatte, meinte sie, ich könnte das. Das hat mich angestachelt. Aber ich hab’ mich auch mehrfach verflucht und zwei Mal versucht, das rückgängig zu machen. Insgesamt hab’ ich vier Jahre daran geschrieben, immer in den Ferien, weil ich sonst ja nie Zeit hatte. Schreiben ist nichts anderes, als in mich zu gehen und den richtigen Ausdruck zu suchen – genau wie in der Schauspielerei. Aber es ist für mich anstrengend, weil es nur im Kopf abläuft. Als Schauspieler kann man sich auch anders austoben. Doch dass man am Ende was in der Hand hat, das man ganz alleine gemacht hat, darauf bin ich doch sehr stolz.

Das Fernseh-Publikum kennt Sie seit 2002 als „Tatort”-Kommissarin Klara Blum. Ist soviel Popularität manchmal auch störend?
Ich werde auf der Straße erkannt und angesprochen. Und ich kriege Fan-Post, die regelmäßig ein halbes Jahr liegenbleibt, bis ich sie bewältige. Ich habe mich daran gewöhnt, eine öffentliche Figur zu sein. Manchmal ist es ein komisches Gefühl, zu wissen, dass man beobachtet wird. Aber in der Regel sind die Leute diskret. Und die Klara Blum ist mir richtig ans Herz gewachsen, deshalb möcht' ich damit auch noch nicht aufhören.

Ihr Sohn studiert Schauspiel an der Falckenberg-Schule. Was würden Sie einem jungen Schauspieler heute als Rat mit auf den Weg geben?
Das Wichtigste ist, dass man dafür brennt. Dass man das machen will und muss. Sonst hat’s keinen Sinn. Denn dieser Beruf ist anstrengend und verlangt viel von einem.

Residenztheater, 6. Okt. 19 Uhr, 7. Okt. 19.30 Uhr, 9. Okt. 18 Uhr, Karten Tel. 2185 1940

Eva Mattes: „Wir können nicht alle wie Berta sein” (Ullstein, 416 Seiten, 19.99 Euro)

 

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