Theater In der Trauerhalle wird trotzdem gelacht

So sieht es aus, wenn Terry Swartzberg (li.) in seiner Kriegsburleske auf dem Friedhof die menschliche Grausamkeit anprangert. Foto: Küchle

Terry Swartzberg spielt sein Stück „Tzaddhik” am Wochenende im Münchner Ostfriedhof

Sein Einakter nennt sich „Kriegsburleske”: Das Theaterstück „Tzaddhik” des Münchners Terry Swartzberg will den Zuschauer zur Arbeit an der persönlichen Erinnerungskultur motivieren. In den letzten Wochen wurde es auf Friedhöfen in Augsburg, Stuttgart, Nürnberg und Hamburg aufgeführt. Am Wochenende ist der Ostfriedhof dran.


AZ: Herr Swartzberg, Sie machen als Jude Theater für den Weltfrieden. Ist Günter Grass für Sie ein Verbündeter?
TERRY SWARTZBERG: Ich respektiere das Recht von Günter Grass auf Meinungsfreiheit, bin allerdings mit seiner Meinung überhaupt nicht einverstanden. Wer Israel so als Aggressor darstellt, wie Grass das kürzlich getan hat, liegt schlichtweg falsch. Die Gefahr kommt aus dem Iran.

Da sind wir mitten in Ihrem Thema: Pazifismus soll die Menschheit retten. Was folgt daraus in der Realität?
Der Mensch ist eine blutrünstige Spezies. Immer wieder finden wir eine Rechtfertigung für den nächsten Krieg, indem wir die vergangenen vergessen. Pazifismus ist der falsche Ansatz. Was wir brauchen, ist eine starke Erinnerungskultur, die uns aggressiv für den Frieden macht.

Theater auf dem Friedhof – das klingt, als würde sich eine Death-Metal-Band einen Scherz erlauben.
Die Deutschen lieben ihre Friedhöfe im Unterschied zu anderen Nationen. Ihre Aussegnungshallen sind oft architektonische Meisterwerke. Trotzdem ist mir klar, dass wir viele erst mal überzeugen müssen, dass ein Friedhof der richtige Ort für Theater sein kann.

Wie entstand die Idee?
Ich bin in den 70er Jahren als junger investigativer Journalist in mehrere Kriege und Bürgerkriege in Asien hineingeraten. Wenn man das gesehen hat, will man wissen, wie so etwas überhaupt möglich ist.

Ist es ein Unterschied, ob ich sage „Ich bin gegen den Krieg” oder ob ich sage „Ich bin für den Frieden”?
Das ist ein riesiger Unterschied. Das erste steht vor allem für dieses Gutmenschentum, das sagt, ok, ich würde das selbst nicht machen, ich finde das furchtbar, aber ansonsten geht mich das nichts an. Man muss aber wirklich für den Frieden sein und dabei einen inneren Schmerz auf sich nehmen, den Schmerz von hunderttausend vergessenen Kriegen. Man muss eine Erinnerungskultur pflegen – das ist ein mühsamer Prozess.

Der Autor Tilman Spengler sagte, das Stück zeige, wie viel die Deutschen verloren haben durch den Verlust des Jüdischen. Ist „Tzaddhik” ein so sehr jüdisches Thema?
Ein ganz wichtiger Aspekt: Das Thema ist universell. Jüdisch an „Tzaddhik” ist unsere Tradition, dass man trotz allem Leid, das man generell als Mensch erfährt, den Humor behält und trotzdem lacht.

Trauerhalle am Ostfriedhof, 28. April, 16 Uhr, und 29. April 2012, 19 Uhr. Tickets über sayhi@swartzberg.com und Tel. 0170/4733572

 

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