Theater der Jugend in der Schauburg Alle Mitglieder des Ensembles müssen gehen

Andrea Gronemeyer vor dem Theater der Jugend am Elisabethplatz. Foto: LHM/Nagy

Andrea Gronemeyer leitet ab Herbst die Schauburg. Ein erster Blick auf ihre Pläne im Theater der Jugend

 

Seit einem Jahr steht fest, dass Andrea Gronemeyer am Beginn der kommenden Spielzeit die Intendanz der Schauburg übernehmen wird. Jetzt gaben die Nachfolgerin des nach 27 Jahren scheidenden George Podt und der Kulturreferent der Presse einen Zwischenbericht über die Planungen des städtischen Kinder- und Jugendtheaters. Nach der bisherigen Zusammenarbeit ist Hans-Georg Küppers voll des Lobes: „Wir haben jemanden gefunden, die begeistert ist und viel Erfahrung in die Zukunft einbringen kann.“

Noch geheim ist der Spielplan, der erst in vier Wochen dem Kulturausschuss vorgestellt wird. Klar ist aber, dass Produktionen der laufenden Saison den Leitungswechsel nicht überleben werden.

Die nur fünf fest angestellten Mitglieder des Ensembles werden nicht verlängert. Dafür wird Gronemeyer Inszenierungen ihrer derzeitigen Wirkungsstätte mitbringen. Seit 2003 leitet sie das renommierte Schnawwl, die Kinder- und Jugendbühne des Nationaltheaters Mannheim. In München will sie ihr dort entwickelte Konzept weiterführen.

Gleichberechtigung für alle Sparten

Zwar gab es bisher in der Schauburg neben dem Schwerpunkt Schauspiel auch Musiktheater, Tanztheater und Figurentheater, doch sollen die Sparten gleichberechtigter sein, sich stärker gegenseitig durchdringen und „hybride Formen“ entstehen. Es geht ihr auch um eine Zukunft der Oper, die aus einem „Kanon von 100 Werken besteht, die die immer die gleiche Struktur hervor bringen“. Um Oper zu einem „zeitgenössischen Medium“ zu machen, solle frühzeitig Interesse geweckt werden: „Auch Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf alle Sparten“. Dazu dienten „Experimente mit den Kindern, die gerne Geräusche machen“.

Neuland für die Münchner Theaterlandschaft ist die Erweiterung des Zielpublikums nach unten: „Auch Zweijährige gehören zu meinem Publikum.“

Damit will Gronemeyer über den traditionellen Bildungsauftrag des Theaters hinaus greifen und beruft sich auf Heiner Müller, der klagte: „Das Publikum will immer nur verstehen, nie eine Erfahrung machen.“ Theater bedeute auch, eine sinnliche Erfahrung zu machen und dabei Gemeinsamkeit zu erleben. Dafür eigneten sich performative Formen mit viel Bewegung, Klang und Figuren.

Das Herzstück der Schauburg, der große Saal, wird, abgesehen von einem frischen Anstrich, unverändert bleiben. „Das ist ein wunderbarer Raum, auf den sich die Bühnenbildner jetzt schon freuen.“, meint Gronemeyer.

Mehr wird sich während der Sommerpause an der Peripherie tun: Die Gastronomie im Untergeschoss wird durch eine zweite Spielstätte ersetzt und in das völlig neu gestaltete Foyer „mit Aufenthaltsqualität“ integriert. Aus dem bisherigen kleinen Theaterraum unter dem Dach wird das „Schauburg Lab“, ein kreativer Treffpunkt für Kinder und Jugendliche. Am 20. Oktober wird sich der Vorhang heben.

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