Textilindustrie Des Kunden faire Kleider

Wut und Trauer: Angehörige der Brand-Opfer in der Fabrik für Billig-Kleildung in Dhaka, wo es neulich 112 Tote gab. Foto: AP

H&M wirbt mit Recycling für neues Öko-Image. Ethisch korrektes Shopping bleibt eine Herausforderung

 

München - H&M will an des Kunden alte Kleider: Ab Februar nächsten Jahres nimmt die schwedische Modekette Altkleider ihrer Kunden zurück. Soziale Verantwortung oder „Greenwashing“? Sicher ist: Sich ethisch korrekt zu kleiden ist kompliziert.

15 Prozent Rabatt auf neue Ware gibt es für die Kleiderspende – sicher nicht schlecht für den Umsatz. „Wir wollen der Umwelt Gutes tun“, ist hingegen die offizielle Begründung des Konzerns für die Rücknahmeaktion. Ein bisschen Imagepolitur ist das Projekt aber auch: Denn nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Bangladesh denken viele Kunden darüber nach, unter welchen Bedingungen ihr Billig-T-Shirt hergestellt worden ist. Kritiker werfen H&M daher vor, lediglich „Greenwashing“ zu betreiben, also nur vordergründig etwas für Umwelt und Arbeitsbedingungen zu tun.

Wirklich ethisch korrekt einzukaufen ist bei der Bekleidung ohnehin schwierig. Eine einfache Antwort, wo Kunden fair hergestellte Kleidung kaufen können, gibt es nicht: „Es gibt leider so eine Art Alternativlosigkeit“, sagt Kirsten Clodius von der Christlichen Initiative Romero, einer Trägerorganisation der Initiative „Saubere Kleidung“, zur AZ.

Denn auch wenn der Kunde ethisch korrekt einkaufen will, steht er oft hilflos im Kleidungsgeschäft. Der Grund: Es gibt kein Label oder Siegel, das den moralisch korrekten Einkauf garantiert. „Kein Label bezieht sich auf den ganzen Produktionsprozess“, so Clodius. Das heißt: Es gibt zwar einzelne Siegel wie den „Global Organic Textile Standard“ (GOTS), das viereckige „bluesign“-Logo, oder auch bekanntere Embleme wie das „Fairtrade“, die bereits viele Textilien zieren. Diese garantieren soziale und ökologische Mindeststandards aber nur zum Teil – und für bestimmte Schritte der Produktion.

Eine bessere Orientierung bieten da so genannte Kontrollgruppen, denen sich Textilfirmen anschließen können. In Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie Gewerkschaften kontrollieren diese Stiftungen dann die gesamte Produktionskette der Hersteller. Die global agierende Fair Wear Foundation ist hier führend. Auf ihrer Webseite (www.fairwear.org) können Kunden einsehen, welche Firmen sich Fair Wear angeschlossen haben. In Deutschland sind es derzeit 33, darunter auch bekannte Sportmarkenhersteller und ein Modediscounter.

Kleinere Labels haben sich in der Initiative „Korrekte Klamotten“ zusammengeschlossen, einige davon sind auch in München erhältlich.

Wo genau, dabei hilft die Webseite www.futurefashionguide.com. Auf ihr kann man nach Geschäften in ganz Deutschland suchen, die fair gehandelte oder ökologisch korrekte Mode verkaufen.

Wer sich die Internetrecherche ersparen möchte, dem empfiehlt Kirsten Clodius von Romero, direkt im Geschäft nachzufragen, „wie es um die Produktionsbedingungen im Herstellungsland bestellt ist“.

Aber warum immer alles neu kaufen? Auch beim Stöbern in Second-Hand-Geschäften oder auf Flohmärkten lassen sich viele Schmuckstücke finden. Oder man folgt dem neuen Trend des Kleidertauschs: Der Verein GreenCity lädt alle drei bis vier Monate zu solchen alternativen Modeevents.

 

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