Anschlag in London Terrormiliz bekennt sich: Täter soll IS-"Soldat" sein

, aktualisiert am 23.03.2017 - 16:06 Uhr
Mutmaßlich der Attentäter wird in einen Krankenwagen verladen - hat er im Namen des IS gehandelt? Foto: dpa

Im Zentrum von London rast ein Autofahrer in Fußgänger, attackiert einen Polizisten mit einem Messer. Der Attentäter soll vom "internationalen Terrorismus inspiriert" gewesen sein. Am nächsten Tag bekennt sich der sogenannte Islamische Staat.

 

London - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Terroranschlag in London für sich beansprucht. Ein "Soldat" des IS habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Donnerstag unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitskreise über das Internet.

Am frühen Morgen hatten bewaffnete Polizisten in Großbritannien insgesamt sieben Personen festgenommen, ob und wie sie im Zusammenhang mit der Tat stehen sollen, blieb zunächst unklar. Es seien mehrere Wohnungen in London und Birmingham durchsucht worden. Die britische Daily Mail berichtet, dass in einem Haus in Birmingham der Hyundai Tucson gemietet worden sein soll, mit dem der Attentäter in die Menschengruppe raste.

Der Täter hatte zunächst Menschen auf der Westminster-Brücke nahe dem Parlament mit dem Auto umgefahren. Anschließend verletzte er einen Polizisten mit einem Messer tödlich, bevor er selbst erschossen wurde.

May: Eines der Opfer kommt aus Deutschland

Auch ein Deutscher ist bei dem Terroranschlag in London verletzt worden. Das sagte die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag im Parlament.

Täter stammt aus Großbritannien

Scotland Yard erklärte, dass die Identität des Attentäters geklärt sei. "Wir gehen davon aus, dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", sagte ein Polizeisprecher am späten Mittwochabend. Weitere Details wollte er zunächst nicht nennen. Es soll sich um einen Einzeltäter gehandelt haben. Hunderte Ermittler seien im Einsatz, die sich auf das Motiv, die Vorbereitungen und mögliche Komplizen des Mannes fokussierten. Der Attentäter stammt aus Großbritannien und war der Polizei bekannt. Das gab May am Donnerstag in London bekannt.

Der Terrorismusexperte Peter Neumann vom Londoner King's College sagte der Deutschen Presse-Agentur, er gehe von einem Anschlag mit islamistischem Hintergrund aus. "Das ist genau die Art von Anschlag, die der IS promotet und anstiften will", sagte Neumann. Ob eine Verbindung zur Terrormiliz IS tatsächlich gegeben sei, bleibe aber abzuwarten.


Auf der Westminster Bridge fuhr der Attentäter mit dem Auto in Zickzack-Linien, um so viele Menschen wie möglich zu erfassen.

Bei den Opfern des Anschlags handelt es sich um den Polizisten, einen 48-jährigen Familienvater sowie zwei Passanten. Auch am späten Abend war das Areal um das Parlament in London noch weiträumig abgesperrt. Auch Hubschrauber kreisten noch über dem Regierungsviertel. Der Anschlag von London wurde auf den Tag genau ein Jahr nach den Terrorattacken von Brüssel verübt, bei denen islamistische Selbstmordattentäter 32 Menschen mit sich in den Tod gerissen und mehr als 300 weitere verletzt hatten.

May: Anschlag "krank und verkommen" - Terrorwarnstufe nicht erhöht

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am späten Abend mit der britischen Premierministerin Theresa May und sprach ihr und allen Briten ihre Anteilnahme aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilte. Gleich nach dem Anschlag hatte Merkel erklärt, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus "fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens" stehe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: "In diesen Stunden sind wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden."

Premierministerin May kündigte nach einer Sitzung mit ihrem Sicherheitskabinett am Mittwochabend an, dass die Terrorwarnstufe trotz des Anschlags nicht erhöht wird. Den Anschlag bezeichnete sie als "krank und verkommen". Das Leben werde wie gewohnt weitergehen. "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten wie immer." Nach der aktuellen Warnstufe in Großbritannien gilt ein Anschlag bereits als "sehr wahrscheinlich".

Unter den Verletzten in London sind mindestens drei französische Schüler, wie das französische Außenministerium in Paris mitteilte. Auch zwei rumänische Staatsbürger sollen verletzt worden sein. Unklar blieb zunächst, ob auch deutsche Staatsangehörige betroffen sind.


Premierministerin Theresa May bei ihrer Ansprache an die Nation. Foto: dpa

Die Polizei bittet um Bildmaterial von Zeugen

Die Polizei rief Zeugen auf, Filmaufnahmen und Fotos an die Ermittler zu senden. Zugleich bat sie Augenzeugen um Zurückhaltung. Sie sollten keine Bilder und Videos von Verletzten in Umlauf bringen.

Beim letzten Terroranschlag in London hatten im Juli 2005 vier Muslime mit britischem Pass in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

 

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