Tennis Australian Open Nadal - Weltmeister der Schmerzen

Rafael Nadals Hand ist von Wunden und Schwielen übersät – doch der Spanier hält bei den Australian Open durch. „Es gibt keinen anderen Spieler, der solche Schmerzen wegstecken kann.“

Melbourne - Gibt es jemanden, der mit einer Hand wie dieser Leistungssport treiben kann? Extremtennis bei einem Grand Slam-Turnier, über drei, vier Stunden gegen die Besten der Welt, auch gegen einen wie Roger Federer? „Natürlich“, sagt Roger Federer, „wenn es einen gibt, dann ist es Rafael Nadal.“

 

Jener Matador und Schmerz-Weltmeister also, der am Freitagmorgen im Halbfinale der Australian Open anzutreten hat gegen Federer. Es ist schon schlimm genug, sich diese linke Nadal-Hand anzuschauen, eine Schlaghand, die von Schwielen und Hornhaut übersät ist, deren Finger mit Bandagen umwickelt sind, deren Innenfläche eine blutige Wunde ziert. Gut einen Zentimeter groß – und das Resultat einer Blase, die immer wieder aufplatzt, weil sie im Kampfgetümmel des Turniers nie heilen kann.

Es kann wirklich nur Nadal sein, dieser Verdränger der Qualen, der nicht aufgibt mit einer Hand wie dieser, einer Hand, die in spanischen Boulevardblättern schon als „Hand des Märtyrers“ beschrieben wird. „Ich habe bei jedem Aufschlag das Gefühl, als fliege mir der Schläger aus der Hand. Mit den Verbänden an der Hand habe ich weniger Kontrolle über mein Spiel“, sagt Nadal, „darunter leidet auch ein bisschen das Selbstvertrauen.“ Weitermachen will er trotzdem. Bis zum Sonntag am liebsten, bis zum zweiten Sieg in Melbourne. Auch, weil er die Schmerzen kennt wie kein zweiter im Tennis. „Ich behaupte, dass es keinen anderen Spieler gibt, der solche Schmerzen wegstecken kann wie Rafa“, sagt sein Onkel und Trainer Toni Nadal, „er spielt seit frühester Jugend immer wieder mit Schmerzen. Und er wird auch bis zum Ende seiner Karriere Schmerzen haben.“

Schmerzen hatte Nadal in den vergangenen Jahren meist im linken Knie, so sehr, dass er auch längere Zwangspausen einlegen musste, so wie vom Juli 2012 bis zum Februar 2013. Aber alle, die ihn wegen seiner körperlichen Gebrechen wieder und wieder abschrieben, hat der bullige Fighter genau so hartnäckig widerlegt. Vor einem Jahr war das nicht anders. Als Nadal nach der Auszeit in den Tourbetrieb zurückkehrte, war auch die Skepsis bei ihm groß. Aber längst nicht so groß wie bei vielen Experten.

Nadal, so hieß es, könne froh sein, wenn er sich in den Top 5 hielte, wenn er noch einmal in Reichweite eines Grand Slam-Titels geriete. Was passierte: Nadal stürmte von Sieg zu Sieg, er gewann die French Open zum achten Mal, was noch keinem anderen Spieler bei keinem anderen Grand Slam überhaupt gelang. Er triumphierte auch bei den US Open, auf einem Hartplatz, der seinem lädierten Knie nicht gerade gut tut. Und er wurde die Nummer 1. Das alles ging nicht schmerzfrei ab, aber Nadal kann leiden für den Sieg.

Gewinnt er gegen Federer, wartet im Finale der Schweizer Stanislas Wawrinka. Der 28-Jährige hatte sich gegen den Tschechen Tomas Berdych durchgesetzt. Boris Becker, der ins Tennisgeschäft zurückgekehrte Chefanweiser von Novak Djokovic, kennt selbst Schmerzen zur Genüge. Dazu muss man ihn nur einmal beim Gehen beobachten, den dreimaligen Wimbledon-Champion, beim Gehen, das eher an ein Humpeln erinnert dank malader Hüften und Sprunggelenke.

„Was Nadal da erträgt, ist auch für mich kaum vorstellbar“, sagt Becker, „mit einer Hand wie dieser hätte ich nicht mehr spielen können.“ Ob dieser Nadal mit dieser Hand Federer stoppen könne? Becker sagt: „Ich glaube es nicht, ich tippe auf Federer. Aber bei Nadal weiß man nie.“

 

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