Tennis: Australian Open Becker raus: Djokovic sticht nicht

Das neue Gespann Boris Becker/Novak Djokovic scheitert in Melbourne bereits im Viertelfinale an Stanislas Wawrinka. Und schon lästern die alten Rivalen wie Goran Ivanisevic.

 

Melbourne - Die Kiefer malträtierten den Kaugummi in Maschinengewehr-Stakkato-Geschwindigkeit, immer wieder raufte sich Boris Becker die Haare, das Gesicht puterrot von der australischen Sonne der letzten Tage und der Nervenanspannung. Als im Stadion der Jubel frenetisch aufbrandete, warf er enttäuscht den Kopf in den Nacken. Deutschlands Tennis-Heros hatte nichts zu feiern.

Seine Kollaboration mit Novak Djokovic, den er seit Ende 2013 betreut, endete bei diesen Australian Open mit einem Fehlstart. Sein Schützling, der drei Mal in Folge die Australian Open gewonnen hatte, der 14 Mal en suite bei Grand-Slam-Turnieren zumindest das Halbfinale erreicht hatte, der in 28 Spielen hintereinander den Court als Sieger verlassen hatte, unterlag im Viertelfinale gegen Stanislas Wawrinka mit 6:2, 4:6, 2:6, 6:3, 7:9. Acht Jahre hatte der Schweizer kein Match gegen den Serben gewinnen können.

Damit ist der Sturm auf den Tennis-Thron, den der Djoker mit Becker als Trainer angetreten hatte, vorerst gescheitert ist. Genauso gescheitert ist das Duo am selbstauferlegten Minimalziel Halbfinale. „Ich habe mein Herz auf dem Platz gelassen“, sagte der 26-Jährige, „aber Stan verdient den Sieg.“ Becker meinte: „Novak hat anfangs eineinhalb Sätze stark gespielt. Im fünften Satz sah es wieder gut aus. Novak war ein Break vor, hätte 3:1 führen können, doch dann hat er vier Vorhände ohne Not verschlagen. Er hat 7:9 im fünften Satz verloren – das kann passieren. Das ist keine Schande. Es war ein hartes Match.“

Genau wie vor einem Jahr. Da hatten sich die beiden einen epischen Kampf in Australien geliefert. 5:02 Stunden lang – mit dem besseren Ende für Djokovic, der den fünften Satz mit 12:10 gewann. Dieses Match war für Wawrinka der Wendepunkt. „Ich wusste, dass ich jeden schlagen kann“, sagte er.

Zwei Monate danach ließ er sich sein Lebensmotto auf den linken Unterarm tätowieren. Ein Zitat des Nobelpreisträgers Samuel Beckett (1906 – 1989), der mit „Warten auf Godot“ weltberühmt wurde: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.“ (Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.)

Gescheitert ist hingegen das Duo Becker/Djokovic. „Es war das erste offizielle Turnier für uns. Natürlich ist es unglücklich, dass es im Viertelfinale zu Ende ist“, sagte Djokovic. Schon seit die Verbindung bekannt wurde, fragten sich viele, was Becker, der kein Trainererfahrung hat, Djokovic beibringen kann. Beckers alter Kontrahent, Goran Ivanisevic: „Vielleicht kann er ihm etwas Deutsch beibringen.“

 

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