"Teller statt Tonne" München: Aktion gegen Lebensmittelverschwendung

"Slow-Food" auf dem Odeonsplatz: Ehrenamtliche kochen heute aus Zutaten, die für den Handel nicht schön genug waren und deshalb sonst weggeworfen würden. Die Bilder der Aktion. Foto: AZ/pa/Tobias Hase

Mit der Aktion „Teller statt Tonne“ kritisiert der Verein Slow Food heute in München die massive Lebensmittelverschwendung und wirbt für mehr regionale Produkte.

 

München – Gurke zu krumm? Kartoffel verformt? Rund 1500 Menschen haben in München gegen die Verschwendung von Lebensmitteln protestiert. Mit der Aktion „Teller statt Tonne“ machten der Verein Slow Food Deutschland und der Bund Naturschutz (BN) am Samstag gemeinsam mit weiteren Vereinigungen auf Missstände in der Nahrungsproduktion und -verwertung aufmerksam.

Nahezu 40 Prozent der Lebensmittel in Deutschland kommen nicht auf den Tisch, sondern landen im Müll, kritisiert Slow Food. Obst und Gemüse scheiterten oftmals an optischen Vorgaben. BN-Vorsitzender Hubert Weiger forderte eine neue Agrarpolitik, die wegführe von der Entwertung der Lebensmittel und die den Tieren, die als Nahrungsmittel dienen, ein würdiges Leben ermögliche.

Bei dem Aktionstag kochten Aktivisten aus rund 400 Kilogramm nicht-marktkonformem Gemüse eine Protest-Suppe für Passanten. Das Gemüse stammte von kleinbäuerlichen Ökobetrieben im Münchner Umland. In die Suppen kamen laut BN unter anderem Kartoffeln, die wegen ihrer Wuchsformen nicht mehr in den Handel gelangt wären und von den Bauern bestenfalls als Tierfutter hätten verkauft werden können – mit bis zu 90 Prozent Preisnachlass.

Im Anschluss an die Kochaktion starteten Aktivisten eine Radtour nach Brüssel. Die Radler haben vor, nach ihrer Ankunft am 19. September Petitionen an die Europäische Kommission zu überreichen.

Slow Food verwies auf eine UN-Studie aus dem Jahr 2011, derzufolge jedes Jahr pro Haushalt rund 100 Kilogramm Lebensmittel vergeudet werden, während in vielen Ländern die Menschen nicht genug zu essen haben. Die Aktivisten plädieren zudem für verstärkte regionale Wirtschaftskreisläufe, um etwa lange Transportwege und Lagerzeiten zu vermeiden.

 

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