Telefonterror und Gewaltandrohungen Schlüsseldienst-Chef packt aus: So geht's in der Branche zu

Patrizia Anderl • Video Producerin
Maximilian G. betreibt seit 30 Jahren einen Schlüsseldienst in München. Er kennt die Branche und berichtet von den skrupellosen Machenschaften der Abzocker. Foto: Patrizia Anderl

Wenn es um Schlüsseldienstabzocke geht, stehen oft die Opfer im Vordergrund. Leidtragende sind aber auch die anderen Handwerker der Branche. Einer davon packt nun aus.

 

München - Am Donnerstag vergangener Woche wurde bekannt, dass der ADAC in die Schlüsseldienstbranche einsteigt. Mit einem transparenten Angebot will der Automobilclub Abzockern das Leben schwer machen. Das ist auch bitter nötig. Wie schlimm ist in der Branche zugeht, erzählt ein Schlüsseldienstbetreiber der AZ.

Maximilian G. (61) ist schon seit 30 Jahren im Geschäft, zu seinen Kunden zählen Münchens größte Hausverwaltungen. Seinen Namen haben wir zu seinem Schutz geändert. Er fürchten sich vor der Rache der Abzocker. Warum diese Furcht nicht unbegründet ist und was seine schlimmsten Erlebnisse waren, erzählt G. im Video:

Von Telefonterror bis zur Androhung von körperlicher Gewalt - die Abzocker setzen offensichtlich alles daran ihre Konkurrenten aus dem Geschäft zu treiben. Dazu zählt auch, die eigenen Spuren zu verwischen und damit gleichzeitig die Konkurrenz zu beschäftigen.

Briefe von der Nordseeküste

Einige Anbieter lügen ihre Kunden an, was ihren Standort betrifft und geben einen falschen Firmennamen an. G. zeigt die Rechnung von einem Schlüsseldienst. Firmenadresse: Zwei Hausnummern von seiner Firma entfernt. Da es diese Hausnummer gar nicht gibt, landen die Briefe von wütenden Kunden, die über den Tisch gezogen wurden und nun ihr Geld zurück wollen, bei ihm. Die Kunden stammen größtenteils weder aus München noch aus Bayern, wohnen somit also weit außerhalb des Einsatzgebietes des kleinen Betriebs von Maximilian G. 

"Mich schreiben Leute an, die sich an der Nordseeküste die Tür haben aufmachen lassen und drohen mir mit dem Rechtsanwalt, wenn ich nicht 800 Euro zurückzahle", sagt G. und zeigt den Brief. Mitten in der Nacht erhält G. Anrufe. Einmal rief ihn eine verärgerte Kundin aus Bremen an. Geduldig versuchte er ihr zu erklären, dass er nur in München und Region tätig ist, bis die Kundin merkte, dass sie offenbar gerade abgezockt worden war. Der wahre Täter war schon lange auf und davon mit ihrem Geld.

Gegenwehr? Zwecklos

"Ich kann gegen die nichts machen", sagt G. Er werde von den Telefonzentralen abgewimmelt, die fühlen sich nicht zuständig für das, was die vermittelten Handwerker treiben. "Die die Aufträge übernehmen, an die komme ich nicht dran", sagt der Schlüsseldienst-Betreiber und breitet die Arme hilflos aus: "Man weiß halt einfach nicht, mit wem man es wirklich zu tun hat".

Einmal ist er vor Gericht gegangen und wollte verhindern, dass sein Firmenname von Betrügern benutzt wird. Doch auch damit hatte er keinen Erfolg, denn er müsste sich jede mögliche Namenskombination sichern lassen. Jede Sicherung koste ein paar hundert Euro, so G.

Blanko-Schein für Betrüger

Für die Kunden ist es schwer sich vor den Betrügern zu schützen. Auch unseriöse Schlüsseldienste nennen am Telefon durchaus ihre Preise und gaukeln so Transparenz vor. Nur, ob die auch mit dem Endpreis nach der Türöffnung übereinstimmen, ist eine andere Sache. "Die gängigste Masche ist, dass mit denen kein Festpreis zu vereinbaren ist", warnt Maximilian G.

Wie der Schlüsseldienst-Chef erzählt, verlangen manche Monteure von den Kunden direkt bei Eintreffen eine Unterschrift und füllen erst nachdem die Tür geöffnet wurde die Preise in den Spalten aus. Ein Blanko-Schein für Betrüger. G. hat eine solche Rechnung fotografiert: Auf dem kleinen Handydisplay zeigt er die Spalten mit teilweise erfundenen Begriffen und entsprechenden Fantasiebeträgen. Auch die Polizei München rät, die Rechnung zu prüfen und erst dann zu unterschreiben.

Nicht alle Fälle, bei denen Kunden zu viel abkassiert wurde, sind auch strafrechtlich relevant. Die Polizei kann nur bei Wucher einschreiten. Viele Fälle bewegen sich am Rande der Legalität, heißt es in einer Mitteilung der Polizei zum Problemkomplex. Bei den Fällen, wo diese Grenze deutlich überschritten ist, verzeichnet die Polizei eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. "Das ärgert mich, weil die ganze Branche dadurch in Verruf gebracht wird", sagt Maximilian G..

In unserem Video erfahren Sie, wie Sie sich vor Abzockern schützen können.

 

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