Teil 2 des AZ-Interviews TSV 1860: Hasan Ismaik exklusiv - "Ich werde Bierofka einen Stürmer holen"

"Tradition wird bei uns großgeschrieben, das ist mir sehr wichtig", sagt Ismaik, der 2011 seinen Kooperations-Vertrag bei den Löwen unterzeichnete. Foto: ho

Hasan Ismaik spricht in Teil zwei des exklusiven AZ-Interviews über mangelnde Perspektiven im Grünwalder und Hilfen für Coach Bierofka.

 

AZ: Herr Ismaik, die Situation zwischen den 1860-Bossen und Ihnen ist extrem festgefahren. Auch, wenn Sie Ihre Anteile wiederholt als unverkäuflich bezeichnet haben: Wie oft haben Sie darüber nachgedacht, sie abzustoßen?
Hasan Ismaik:
Wer mich kennt, der weiß: Ich akzeptiere keine Niederlage! Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, ist es das: Ich muss aus dem Investment bei den Löwen mit einem Sieg herauskommen. Der größte Sieg wäre, es trotz aller Widerstände nach oben zu schaffen.

Wäre es ein Sieg, Ihre Anteile mit Gewinn zu verkaufen?
Das ist nicht das Thema. Ich kann auch warten, bis die 50+1-Regel fällt. Oder ich könnte es wie Jean-Marc Bosman machen und klagen. Alle Experten sagen, dass 50+1 auf wackligen Beinen steht. Es muss nur einer klagen. Ich werde die Gesetze akzeptieren, aber ist es gerecht, dass ich für eine Klage den Verein brauche? Ich appelliere – mit allem Respekt und aller Bescheidenheit – an den DFB und die DFL, auch an die deutsche Politik: Lasst die Diskussion über 50+1 zu. Die Bundesliga könnte die beste Liga der Welt werden, wenn alle Beteiligten endlich aufwachen.

Spinnen wir den Gedanken weiter: Sollte 50+1 fallen, wären Sie alleiniger Entscheider. Viele Ihrer Gegner fürchten, dass bei 1860 die Tradition verlorengehen würde.
Es heißt immer, Ismaik wolle nur die ganze Macht an sich reißen. Ich war noch keine zwei Monate am Stück in Deutschland und habe mich in den Vordergrund gedrängt. Und was Werte und die Tradition anbelangt: Das ist mir sehr wichtig. In der arabischen Welt wird so etwas großgeschrieben – Tradition spielt bei uns eine wichtigere Rolle als in Deutschland. Ich habe dazu auch eine Botschaft an die Ultras.

Die da wäre?
Haben die Ultras des FC Bayern die Partner ihres Vereins jemals so respektlos behandelt, wie ich bei 1860 beschimpft werde? Profitieren nicht sogar alle Fans von Geldgebern, genießen erfolgreichen Fußball? Warum sehen die Löwen-Fans nicht die Kehrseite der Medaille? Ich rufe die Ultras dazu auf, 1860 wieder Stolz zu geben! Sie sind die Fans mit Herz und Seele. Ein Verein ohne Ultras und seine Fanbasis ist nichts wert. Ich bin ihnen nicht böse, denn sie stehen voll hinter ihrem Herzensverein. Aber ich rufe sie dazu auf, wie auch "Pro1860", die ARGE und alle Fans: Lasst uns den Verein wieder groß machen. Sechzig hat so großes Potenzial, es gibt so viele Anhänger, die zu großen Unternehmen gehören und investieren würden, wenn es ein Ziel vor Augen gäbe.

"18 060 Zuschauer? Das ist ein Affront gegenüber den Fans"

Etwas, woran sich die Geister vieler Löwen scheiden, ist die Stadionfrage. Ihr Aufsichtsratsvertreter Saki Stimoniaris erklärte, die Stadt müsse beim Ausbau des Grünwalder Stadions Druck machen. Jetzt will man 30 Millionen investieren – und Sie beklagen, Investitionen dort seien sinnlos und wollen einen Neubau ...
Es ist schön, wenn die Stadt 1860 helfen will, aber ich ordne die Stadion-Offensive eher unter die Rubrik "Wahlkampf" ein. Ich war immer ein Befürworter einer eigenen Heimat. Das habe ich mehrmals erklärt, aber ein Stadion sollte auch eine Quelle sein, mit der sich ein Verein wieder auf gesunde Beine stellen kann. Ich sehe diese Quelle bei den aktuellen Plänen nicht. 1860 kann im Erfolgsfall 30 000 bis 40 000 Fans im Stadion haben. Warum gibt sich dann das Präsidium mit einem Fassungsvermögen von 18 060 Zuschauern zufrieden? Das ist in meinen Augen ein Affront gegenüber unserer großen und treuen Fangemeinde.

Präsident Reisinger ließ dazu verlauten, dass Ihre Stadionneubaupläne nicht mit dem Verein abgestimmt gewesen seien. Oberbürgermeister Reiter hat Ihren Vorstoß bei der Diskussion um das Grünwalder nicht einmal erwähnt. Ärgert es Sie, dass man Sie in dieser Frage nicht ernst zu nehmen scheint?
Es ist eine Schande. Aber es ärgert mich nicht. Ich kenne die Verstrickungen der Münchner Politik. Die beiden Stadträte Verena Dietl und Gerhard Mayer sowie Beatrix Zurek stehen dem Oberbürgermeister sehr nahe. Alle drei haben oder hatten einmal ein Amt bei 1860. Es ist legitim, dass sie sich austauschen. Ich bezweifle aber, dass die vorliegende Machbarkeitsstudie ein Geschenk ist und den großen Durchbruch für 1860 bedeutet. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Kosten bei 30 Millionen Euro bleiben. Ich bezweifle auch, dass die Münchner Bürger darüber erfreut sein werden, dass für diese hohe Summe ein Stadion umgebaut wird, ohne einen großen Mehrwert daraus zu ziehen. Der Umbau ist aus wirtschaftlicher Sicht unverantwortlich.

Und wie soll ein Neubau finanziert werden?
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Wenn das Grünwalder Stadion mit 30 000 Plätzen realistisch wäre, dann wäre ich der Letzte, der sich dagegen stemmt. Es gibt im Umland von München das ein oder andere Grundstück. Das weiß auch Oberbürgermeister Dieter Reiter. Es geht darum, dass wir uns beim TSV 1860 alle einig werden.

Dazu müssten sich alle Beteiligten zusammensetzen – was in der aktuellen Konstellation nicht möglich erscheint. Warum waren Sie schon so lange nicht mehr in München und auch nicht im Stadion?
Sie können sicherlich verstehen, dass ich nicht gerne irgendwohin gehe, wo ich nicht mit Anstand und Respekt empfangen werde. Mein Ziel war immer, 1860 besser zu machen. Irgendwann werde ich wieder kommen, aber die Zeit ist noch nicht reif. Zu einem Meisterschaftsspiel 2018 wollte ich einmal kommen und war kurz davor, hinzufahren. Aber meine Sicherheitsleute meinten, es sei zu gefährlich.

Auch die vom Präsidium ins Spiel gebrachte Kapitalerhöhung wäre angesichts der leeren Vereinskassen eine Option, die diskutiert werden muss. Sie haben Reisingers Angebot eines Gesprächs kürzlich als "vergiftetes Angebot" bezeichnet und das Thema für beendet erklärt.
Ich bin grundsätzlich immer bereit zu reden, aber: Reisinger hatte zwei Jahre Zeit, mich einzuladen oder zu besuchen. Das hat er aber nicht getan und kürzlich zudem Saki Stimoniaris als Gesprächspartner abgelehnt. Was glaubt er, wer er ist? Erst vor der Mitgliederversammlung, als Herr Reisinger für den Wahlkampf etwas liefern musste, kam die Anfrage zur Kapitalerhöhung.

Hauptsponsor "die Bayerische" hatte in einem AZ-Gespräch angedeutet, dass es ein interessiertes Konsortium gäbe.
Ich bin jedem Sponsor oder Geldgeber dankbar, der 1860 unterstützen möchte. Aber glauben Sie, dass "die Bayerische" dies aus reiner Nächstenliebe macht? Natürlich nicht. Das ist eine Versicherung, die durch ihr Sponsoring bekannter werden will. Das ist legitim, aber der Verein hat auch einen gewissen Marktwert. Ein Beispiel: VW zahlt Eintracht Braunschweig 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Diese Summe ist für mich die Messlatte, vor allem weil der Standort München und die Marke 1860 besonders attraktiv sind. "Die Bayerische" bewegt sich unter diesem Preis. Dass ich damit unzufrieden bin, sollte jeder verstehen. 1860 braucht auch kein Konsortium, sondern leistungsstarke Unternehmen. Wenn diese da sind, bin ich bereit, die Kapitalerhöhung zum Wohle von 1860 zu diskutieren. Aber der Verein sollte auch endlich akzeptieren, dass der Kooperationsvertrag nicht anfechtbar ist.

Sprechen wir über Ihre Unterstützung: Sie haben kürzlich die Rückkehr von Timo Gebhart finanziert.
Ich kannte Bierofkas Plan. Timo war einer seiner Wunschspieler und umgekehrt gab es die Absicht, zu 1860 zurückzukehren. Ich hätte Daniel gerne mehr unterstützt, aber der Verein hat unseren Finanzierungsvorschlag leider abgelehnt. Bei 1860 wird immer so getan, als wären meine Darlehen giftig für den Verein. Wir haben einen mehr als fairen Zinssatz angeboten. Es geht mir nicht nur ums Geld, wie mir immer wieder vorgeworfen wird.

Nochmal zu Gebhart: Ist er Ihr Lieblingsspieler?
Alle Spieler von 1860 sind meine Lieblingsspieler, aber Timo Gebhart hat außergewöhnliches Können. Nicht umsonst lieben ihn die Fans. Der Verein wird viel Freude an ihm haben, wenn er gesund bleibt.

"Wollen bei 1860 wirklich alle aufsteigen?"

Ist Ihre Unterstützung dabei, wie Reisinger schrieb, als "erfreuliche Änderung der Finanzierungspolitik" zu verstehen?
Ich unterstütze 1860 immer, aber aktuell nur in einem überschaubaren Rahmen. Ich muss die Vermutung des Präsidiums dementieren, dass die Geschichte mit Gebhart eine Wende sei. Ist es als Investor nicht legitim, grundsätzlich Geld verdienen zu wollen? Auch "die Bayerische" hat nichts zu verschenken, denn ihr Darlehen ist mit einem hohen Prozentsatz verzinst. Ich finde es merkwürdig, dass darüber nie gesprochen wird, sondern immer nur über meine alten Darlehen.

Aufsichtsrat Karl-Christian Bay hat auf der Mitgliederversammlung erklärt, der Konsolidierungskurs des TSV 1860 sei "alternativlos"...
Nein, weil es immer eine goldene Mitte gibt. Der Verein jammert immer, dass er keine Einnahmen generiert. Andererseits unternimmt er nichts, um an die Geldtöpfe in der Zweiten Liga zu kommen. Wir würden dort rund 12 Millionen Euro aus dem TV-Vertrag bekommen. Das ist fast zwölfmal so viel, wie wir aktuell daran verdienen. Jetzt frage ich Sie: Wollen bei 1860 wirklich alle aufsteigen? Der Verein versteckt sich hinter einem unvernünftigen Konsolidierungskurs – wohlwissend, dass dieses Konzept niemals aufgehen wird.

Bierofka hat beklagt, bei Sechzig würden immer nur alle reden, aber keine Taten folgen lassen. Sie könnten ihm nach dem Gebhart-Deal ja noch einmal helfen und den gewünschten Stürmer spendieren.
Wissen Sie was? Das werde ich tun. Ich sage Ihnen hier und jetzt: Ich werde für die Verpflichtung dieses Spielers aufkommen. Bierofka hat für mich alles, um einmal ein so großer Trainer zu werden wie Jürgen Klopp. Neben seiner sportlichen Kompetenz ist er ein herzensguter, erfolgsorientierter und strebsamer Mensch. Ich mag seine Mentalität und daher will ich ihn nochmal unterstützen. Das sollten alle anderen auch tun. Vielleicht merken noch einige Menschen, dass ich nicht "der böse Onkel aus Abu Dhabi" bin, sondern ein Löwe mit Leib und Seele.

Lesen Sie hier noch einmal den 1. Teil: Hasan Ismaik exklusiv - Löwen-Bosse sind Rassisten

 

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