Tatort-Star im Interview Peter Weck: "Ich musste die Lebenslust zurückgewinnen"

Pauls (Peter Weck) Traum im "Tatort: Paradies" ist der Lebensabend in der Südsee Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Mit "Ich heirate eine Familie" hat sich der Wiener Filmemacher Peter Weck für alle Zeit in die Herzen des TV-Publikums gespielt. Nach einer knapp zweijährigen Auszeit gibt er am Sonntag im "Tatort" sein beeindruckendes Comeback. Im Interview verrät der 84-Jährige, warum die Auszeit so wichtig war.

 

Peter Weck ("Ich heirate eine Familie") gibt am Sonntag im Austro-"Tatort: Paradies" (Sonntag, 20.15 Uhr, Das Erste) sein TV-Comeback. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn der beliebte österreichische Schauspieler zählt inzwischen immerhin 84 Lenze. Viel gewichtiger ist allerdings, dass er sich nach dem plötzlichen Tod seiner langjährigen Ehefrau im April 2012 komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Warum, erklärt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Außerdem spricht der Wiener Filmemacher über seine Kult-Serie und eine gewisse Aversion gegen Altersheime - die auch im Sonntagskrimi nicht wirklich gut wegkommen...

Großes Kompliment, Sie sind 84 Jahre alt und wirken im "Tatort" so fit, dass man die Zahl vollkommen vergisst. Wie machen Sie dafür?

Peter Weck: Ich vergesse sie leider nicht. Die Zahl ist schon erschütternd, aber ich fühle mich zum Glück nicht so. Danken muss ich vor allem meinen Eltern, dass ich diese Gene von ihnen bekommen habe. Ab und zu mache ich ein paar Übungen, um beweglich zu bleiben. Ansonsten mache ich eigentlich nichts dafür.

Und wie anstrengend ist dann so ein Dreh?

Weck: Ich bin das seit 60 Jahren gewohnt. Und wenn die Atmosphäre dann noch so angenehm ist, wie bei diesem speziellen Dreh, was heute ja durchaus nicht mehr der Normalfall ist, dann fahre ich sehr gerne zum Drehort.

Sie sind auf die Sympathieträger wie in "Sissi" oder in der Kult-Serie "Ich heirate eine Familie" (1983-1986) abonniert. Gefällt Ihnen das?

Weck: Ich bin froh über Bösewicht-Rollen, weil sie für mich eine Abwechslung bedeuten. Außerdem kann ich zeigen, dass ich auch etwas anderes kann, als freundlich zu sein.

Sie hadern aber nicht mit Ihrem Image?

Weck: Nein, ich habe halt diesen Mantel umgelegt bekommen. Bei meinen eigenen Regie-Arbeiten habe ich mich selbst dabei ertappt, dass man bei Besetzungen schon auch schaut, wer in einer solchen Rolle schon mal gut war. Und so ist es mir als Schauspieler halt auch ergangen.

Was denken Sie heute über "Ich heirate eine Familie"?

Weck: Diese Serie habe ich als Schauspieler sehr gerne gemacht, weil es eine Unterhaltungssendung mit einem gewissen Niveau war. Es war damals eine Kult-Sendung und wenn man die vielen Wiederholungen als Gradmesser nehmen will, ist sie das auch heute noch.

Hätte so eine Familien-Serie heute noch eine Chance?

Weck: Das ist schwer zu sagen. Auch damals haben wir nicht gewusst, dass das so ein Erfolg werden würde. Anfangs war unsere Familienserie nur auf vier Folgen angelegt. Und als das dann so viele angeschaut haben, haben wir beschlossen, nochmal vier Folgen zu machen. Insgesamt haben wir dann 14 Episoden gedreht. Durch die vielen Wiederholungen hat man allerdings das Gefühl, dass es noch viel mehr waren.

Ihre Autobiografie von 2010 trägt den Titel "War's das?" - offensichtlich nicht, wie man am "Tatort" sehen wird. Welche Projekte oder Pläne haben Sie denn noch in Arbeit?

Weck: Nachdem ich zwei Jahre lang bewusst eine Pause eingelegt habe, habe ich mit diesem "Tatort" wieder angefangen, zu arbeiten. Dass ich wieder zur Verfügung stehe, hat sich schnell herumgesprochen und so habe ich jetzt einige interessante Angebote auf dem Tisch liegen. Die schaue ich mir in Ruhe an und wähle die aus, die mich besonders reizen.

Einige Angebote sind sicher auch per Mail hereingeflattert. Wer hat Ihnen den Umgang mit den neuen Medien beigebracht?

Weck: Mein Sohn. Er ist auch immer mein Hilfestellung, wenn etwas hängen bleibt. In meiner größten Verzweiflung rufe ich ihn dann immer an, aber manchmal gelingt es mir auch selbst, die Lösung zu finden. Ich muss sagen, dass mich diese Kommunikationsform sehr interessiert. Ich kann aber natürlich bei Weitem nicht das, was man können müsste.

An einer Stelle im "Tatort" heißt es: "Alte Leute sind gefährlich, denn sie haben nichts zu verlieren". Was halten Sie von dem Satz?

Weck: Den würde ich nicht unterschreiben. Aber natürlich verschieben sich die Wertigkeiten, je näher man ans Sterben rückt. Bei mir hat sich da allerdings nicht ganz so viel verändert, weil ich in meinen Aussagen immer sehr geradlinig war. Außerdem hatte ich schon immer den Mut, neue Herausforderungen anzunehmen. Besonders mutig fand ich, das Musical "Cats" als Intendant nach Europa zu holen. Viele waren dagegen, aber im Risiko liegt auch der Erfolg. Ich habe es riskiert und es ist gut ausgegangen - im Nachhinein redet es sich natürlich leicht darüber.

Auf diesen Erfolg können Sie stolz sein...

Weck: Stolz bin ich nicht, eher dankbar. Eine gewisse Bescheidenheit an den Tag zu legen, ist mir schon immer sehr wichtig gewesen. Ich habe mit so vielen unterschiedlichen Charakteren zu tun gehabt, darunter waren schon auch Schauspieler, die so sehr von sich überzeugt waren, dass sie mit sich schon per Sie gesprochen haben. Ich freue mich über einen Erfolg, bleibe aber immer ganz ich und am Boden, weil ich genau weiß, wie schnell es wieder aus sein kann - bei mir glücklicherweise seit inzwischen schon 60 Jahre nicht.

Das ist aber nicht einfach. Wer hält Sie denn am Boden?

Weck: Das ist schon auch eine Charaktersache. Die richtige Selbsteinschätzung finde ich sehr wichtig. Man muss wissen, was man kann, und was in einem steckt.

Der "Tatort" zeichnet ein relativ trauriges Bild vom Leben im Altersheim.

Weck: Das ist ja auch eine triste Angelegenheit. Dort sind Sie ausschließlich mit alten Menschen zusammen, die zum Teil schon kränklich oder krank sind. Besser für die Psyche wäre es wahrscheinlich, sein Alter in einer Geburtsklinik oder im Kindergarten zu verbringen. Oder einfach so, dass man auch junges Leben um sich herum hat. Natürlich gibt es auch ganz schöne und nicht bedrückende Altersheime, aber im Grunde genommen, bin ich nicht einmal gerne zu Besuch dort.

Was haben Sie für sich geplant? Könnten Sie sich vorstellen, in ein Altersheim zu gehen?

Weck: Man kann es sich schon vornehmen, einer solchen Situation zu entgehen. Doch wenn körperlich Leiden dazukommen und die älteren Menschen ihren Familien auch nicht zur Last fallen wollen, wird es schwierig. Wenn alle Stricke reißen, muss man es wahrscheinlich machen. Dennoch habe ich alles so vorbereitet, dass es bei mir nicht sein muss, hoffe ich. Und solange ich körperlich und geistig so beisammen bin, wie ich es bin, falle ich wahrscheinlich während eines Drehs oder auf der Bühne irgendwann um.

Auf der Bühne zu sterben, wäre Ihr Traum?

Weck: Nein, das muss nicht sein. Damit beschäftige ich mich aber auch nicht wirklich. Genauso wie ich mir kein Altersheim aussuche, habe ich mir auch kein Grab ausgesucht.

Der "Tatort" heißt "Paradies". Glauben Sie an das Paradies, an ein Leben nach dem Tod?

Weck: Eigentlich glaube ich nicht daran. Es ist halt das ewige Hoffen der Menschen, bei dem auch die Religion hilft. Für mein Verständnis ist sie ohnehin nur dazu da, das Sterben zu erleichtern. Ich persönlich glaube, man hat seine Zeit, die man füllen sollte, damit das Leben irgendeinen Wert gehabt hat. Aber wenn es aus ist, ist es aus.

Sie machen keinen Hehl daraus, dass es sehr schwer für Sie war, den Tod Ihrer Frau 2012 zu verarbeiten. Ihr Kollege Joachim Fuchsberger (87) hat auch einen sehr schweren Verlust in der Familie gehabt. Er hat es sich von der Seele geschrieben. Käme das für Sie infrage?

Weck: Das eigene Kind zu verlieren, muss das Schlimmste überhaupt sein. Die Zeit heilt die Wunde ein bisschen, ganz frei davon, wird man aber nicht mehr. Es gibt immer wieder schwarze Löcher, in die man fällt, wenn man durch irgendetwas daran erinnert wird. Bei mir waren es eher Gespräche, die mir sehr bei der Verarbeitung geholfen haben. Das Wichtigste und zugleich Schwerste ist es, die Lebenslust zurückzugewinnen.

Hat Ihnen die Arbeit am Set dabei geholfen?

Weck: Auf jeden Fall, weil man einfach gezwungen wird, auch mal etwas anderes zu denken. Allerdings musste ich zwei Jahre lang pausieren, weil ich nicht fähig gewesen wäre, zu arbeiten. Dazu war es zu belastend. Diese Zeit habe ich gebraucht, um wieder in Gang zu kommen.

 

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