Taten auch in München Millionen ergaunert: Acht falsche Polizisten festgenommen

, aktualisiert am 02.07.2020 - 20:15 Uhr
Insgesamt acht Tatverdächtige wurden festgenommen. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Polizei hat acht mutmaßliche falsche Polizisten festgenommen. Allein in München hat die Bande 1,7 Millionen Euro Schaden verursacht. Das Geld floss hauptsächlich in die Türkei. 

 

München - Monatelang liefen die verdeckten Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Frühmorgens um sechs Uhr schlugen die Fahnder am Donnerstag in München und ganz Oberbayern zu. Sieben Verdächtige, darunter zwei Frauen, wurden in ihren Wohnungen festgenommen. Einen Mann holten die Ermittler am Arbeitsplatz ab. Ihnen drohen mehrjährige Gefängnisstrafen.

In etwas mehr als drei Monaten, von November 2019 bis Februar 2020, haben falsche Polizisten im Großraum München nach Angaben des Präsidiums Geld, Gold und Schmuck im Gesamtwert von 1,7 Millionen Euro erbeutet. In ganz Bayern sind sie für einen Schaden in Höhe von gut 3 Millionen Euro verantwortlich. Eine enorme Summe, da die Täter lediglich in zehn Fällen abkassieren konnten.

Corona-Lockerungen: Falsche Polizisten werden wieder aktiv

Doch dann kam Corona. Der Lockdown hat den Banden schlagartig das Geschäft vermasselt. Die falschen Polizisten kamen nicht mehr an Opfer heran. Das Risiko, beim Abholen der Beute von echten Polizisten wegen Verstoß gegen die Ausgangsbeschränkungen erwischt zu werden, war hoch. Zudem hatten Banken und Goldhändler geschlossen. Es gab keine Flüge mehr ins Ausland und somit auch keine Möglichkeit, Geld, Gold und Schmuck in die Türkei zu schaffen. Dort sitzen die Callcenter, die die Opfer mit Anrufen in Angst und Schrecken versetzen, sowie die Bosse der Banden.

"Die Zahl der Delikte ging zunächst stark zurück", sagt Hans-Peter Chloupek, Leiter der AG Phänomene, "doch mit den Lockerungen werden auch die falschen Polizisten zunehmend wieder aktiv." Sie rufen bei überwiegend älteren Menschen an, machen ihnen Angst, dass deren Ersparnisse, das gesamte Vermögen in Gefahr sei.

"Keiner ist davor gefeit, auf diese Masche hereinzufallen", warnt Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. "Den Tätern geht es darum, Angst zu schüren, Druck aufzubauen und Handlungszwang zu erzeugen."

München: Vier Verdächtige sitzen nun in Untersuchungshaft

Manche Opfer sind so sehr in Panik, dass sie Goldbarren für mehr als 100.000 Euro in Bettlaken gewickelt vor die Haustür legen. Eine Frau in München hat sogar ihr Haus verkauft. Sie dachte, sie würde mit dem Geld helfen, einen Polizisten freizukaufen, der als Geisel gefangen gehalten werde.

Fahndern ist es jetzt gelungen, zwei Gruppen, die in ganz Oberbayern – von Ingolstadt bis Rosenheim – operiert haben, zu zerschlagen. Sechs Männer und zwei Frauen zwischen 41 und 55 Jahren wurden festgenommen, einer davon in einer Pizzeria. Vier Verdächtigen sitzen in U-Haft. Gegen zwei Frauen und zwei Männer wurde Haftbefehl beantragt.

Erwischt haben die Fahnder diesmal nicht nur "kleine Fische", die als Kuriere unterwegs waren, sondern auch zwei so genannte "Logistiker". Sie gehören zur Führungsebene der Banden. Sie koordinieren, wer die Beute bei Opfern abholt, sie kümmern sich darum, dass das Geld ins Ausland geschafft wird und sie stellten für Bandenmitglieder Unterschlupf oder Ähnliches zur Verfügung. Ein 54-Jähriger aus dem Münchner Umland spannte dazu seine beiden Freundinnen ein. Sie halfen, Geld in die Türkei zu schaffen.

Bandenmitglieder riskieren bei einer Verurteilung lange Haftstrafen. Selbst derjenige, der lediglich Geld abholt, müsse damit rechnen, mehrere Jahre ins Gefängnis zu kommen, betont Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Mit Geldstrafen lassen Münchner Gerichte Angeklagten nicht davon kommen, selbst Ersttäter dürfen bei der Justiz nicht auf Milde hoffen. Anne Leiding: "Diese Täter zerstören ganze Existenzen."

Wie man richtig auf Trickbetrüger reagiert: Bei Anruf auflegen

Niemals ruft die Polizei unter der Notrufnummer 110 an. Wer einen Anruf erhält und sich nicht sicher ist, ob er es mit einem echten Polizisten zu tun hat, der sollte unbedingt von sich aus das Gespräch beenden. Keinesfalls sollte man sich weitervermitteln lassen.

"Legen Sie auf und wählen Sie dann neu die 110", so der Rat des Polizeipräsidiums. Keinesfalls sollte man sich von dem Anrufer unter Druck setzen lassen. Niemals sollte man Fremden Wertsachen übergeben.

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