Tag gegen Lärm "Was hast du gesagt?!" Hier ist München am lautesten

Vom Flugzeug übers Auto zum Kopfhörer: Warum Lärm nicht nur nervig ist, sondern auch fatal sein kann. Und: Trompeten, Glockenläuten, Schuttschieben: Wo München besonders laut ist.

 

München - Der "Tag gegen Lärm" (24. April) fand heuer schon zum 22. Mal statt – und er ist offensichtlich weiterhin notwendig, denn Lärm ist eine noch immer unterschätzte Gesundheitsgefahr.

Starker oder dauerhafter Krach kann krank machen, er beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität – und dabei geht es nicht primär um den telefonierenden U-Bahn-Mitfahrer, den platzenden Luftballon bei der Party oder die Kopfhörer-Musik.

Straßenlärm stört am meisten

Es geht vor allem um laute Geräusche, denen wir rund um die Uhr ausgesetzt sind – in der Wohnung, auf der Straße, am Arbeitsplatz. Durch den Straßenverkehr fühlen sich laut Deutscher Gesellschaft für Akustik im Alltag mehr als die Hälfte der Deutschen belästigt. An zweiter Stelle steht mit etwa 30 Prozent der Fluglärm, Schienenverkehr an dritter.

In München sind tagsüber mehr als 85.000 Menschen an Hauptverkehrsstraßen durch Lärm von 55 bis 60 Dezibel betroffen – ab dieser Grenze gilt Lärm als belastend. Ein hoher Lärmpegel kann auf Dauer zu gesundheitlichen Schäden führen: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Gehörschäden, Unlustgefühlen, einer Minderung der Leistungsfähigkeit bis zu Bluthochdruck, der das Herzinfarktrisiko erhöht.

Das, was als Lärm empfunden wird, ist natürlich erst einmal vom Geräusch selbst abhängig – auf welcher Frequenz es stattfindet zum Beispiel. Lautstärke kann nicht gemessen werden - was gemessen wird, ist der Schalldruck, der dann in einen Schallpegel umgerechnet wird - in Dezibel (dB). Das ist keine Einheit wie Zentimeter, sondern eine Verhältniszahl: Eine Erhöhung des Pegels um 10 dB nehmen wir etwa als Verdoppelung der Lautstärke wahr. Ein leiser PC-Lüfter erzeugt 20 Dezibel, ein Auto 70, ein Flugzeugstart 130. Bei 110 Dezibel liegt die Schmerzgrenze.

Hier ist München richtig laut

1. Richtig krawallig kann’s werden beim Zoobesuch: Ein Elefant kann mit einer Lautstärke von bis zu 117 Dezibel trompeten. Allerdings tut er das selten und dann nur kurz.

2. Das Glockenspiel im Neuen Rathaus ist deutlich leiser. Damit es bei allen Zuhörern auf dem Marienplatz ankommt, werden seine Klänge mittlerweile elektronisch verstärkt. Würde man direkt neben den Glocken im Turm stehen, würden einem da aber zwischen 50 und 70 Dezibel (dB) um die Ohren rauschen.

3. Die Allianz Arena ist gespickt mit Lautsprechersystemen: insgesamt 154 Systeme, inklusive 72 Subbässen. Ein Wert für den Lärm bei einem ausverkauften Spiel sei noch nie erfasst worden, meldet der FC Bayern – Experten schätzen die durchschnittliche Lärmbelastung in einem durchschnittlichen Fußballstadion aber auf 105 dB. Wenn eine Blaskapelle aufspielt am Chinesischen Turm, dann können trotz ein bisschen Musikverwehung im Wind und Biergartengemurmel schon mal Werte von bis zu 83,5 dB erreicht werden.

4. Das Zenith ist eine der größten Konzerthallen der Stadt – und Rapper Bushido hat Gerüchten zufolge hier schon einmal seine Lines mit 117 dB rausgelassen. Es gibt Auflagen, die vertraglich an Veranstalter weitergegeben werden: Die Obergrenze ist 102 dB.

5. Wenig überraschend ist ein Wiesn-Besuch eine akustische Hochbelastung – vor allem für die, die während der gesamten Zeit dort sind. Die Musikanlagen in den Bierzelten werden inzwischen durch Lautstärkebegrenzer so gesteuert, dass bestimmte Werte nicht überstiegen werden. Das sind aber immer noch tagsüber 85 dB und samstags 90.

6. Im Gasteig ist die Bandbreite besonders groß: In der Philharmonie können sehr leise Stellen der klassischen Stücke zwischen 40 und 50 dB laut sein – für die Musiker bei einem Tutti sind aber kurzfristig auch mal 115 dB möglich.

7. Wer am Sendlinger Tor den Schallpegel direkt neben einem Baustellengerät misst, kommt auf gute 98 dB – selbst im Zwischengeschoss sind’s noch knapp 90. Der Straßenverkehr hat 75 bis 80.

8. Den ganzen Tag über rauscht’s am Flughafen – auch für die Menschen, die im Umland leben. Laut Flughafen GmbH sind 11.300 von einem Lärmpegel von durchschnittlich mehr als 55 dB betroffen – im Inneren der Räume und bei geschlossenen Fenstern.

Wenn Sie nach diesem Artikel Lust auf ein bisschen Ruhe haben, können Sie hier weiterlesen: das sind die liebsten stillen Orte der AZ-Redaktion

 

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