Tag der Reinigungskraft Putzfrau packt aus: "Ich mache Menschen glücklich"

Lohn, Wertschätzung, respektlose Kunden: Zum Tag der Reinigungskraft packt eine Putzfrau aus Foto: Franziska Gabbert/dpa

Romy Schneider arbeitet als Putzfrau – und das sehr gern. Was sie an ihrem Job schätzt, was sie an der Branche stört und welche Tipps sie für Putzmuffel hat.

 

Die 52-jährige Romy Schneider hat Sozialpädagogik studiert, arbeitet aber selbstständig als Reinigungskraft rund um München.

AZ: Frau Schneider, diese Frage muss sein: Sind Sie mit Romy Schneider verwandt?
Romy Schneider: (lacht) Das werde ich öfter gefragt. Nein, ich bin nicht mit ihr verwandt. Romy hieß ich schon immer, später hat sich mein Nachname geändert.

Schöner Zufall. Zu Ihrem Beruf: Sie sind Reinigungskraft. Mögen Sie Ihren Job?
Ich liebe meinen Job!

Gundreinigung? Viele brauchen die alle 14 Tage

Was gefällt Ihnen besonders?
Ich mache damit Menschen glücklich. Wenn man zum Beispiel ins Kino geht oder sich eine Pizza gönnt, ist dieses Glückserlebnis nur von kurzer Dauer. Aber dieses schöne Gefühl, wenn man in eine saubere Wohnung kommt, ein frisches Bett vorfindet, keine Krümel am Boden liegen – das hält bis zu einer Woche oder vielleicht sogar zwei Wochen an.

Spätestens dann muss man also wieder putzen?
Es gibt Menschen, die ihre Wohnung sehr sauber halten, und nur jeden Monat eine Grundreinigung brauchen. Sie sollten aber trotzdem ein Mal in der Woche zwischenputzen. Alle 14 Tage spätestens braucht es in der Regel aber bei vielen eine Grundreinigung.

"Ich erfahre viel Wertschätzung"

Das bedeutet?
Dass man einmal alles komplett reinigt. Inklusive Staub wischen, das Bad auf Glanz bringen und so weiter. Das ist auch deswegen wichtig, weil sich zu viel Staub in der Luft auf unsere Gesundheit auswirkt. Ich habe auch den Eindruck, dass Menschen produktiver sind, wenn es in ihrer Umgebung sauber ist.

Fühlen Sie sich von Ihren Kunden geschätzt?
Ja, ich erfahre viel Wertschätzung. Ich bekomme zum Dank zum Beispiel kleine Aufmerksamkeiten oder auch Trinkgeld.

Haben Sie auch schon negative Erfahrungen gemacht?
Seit drei Jahren arbeite ich mit der Vermittlungsplattform Helpling zusammen und bin voll zufrieden. Ich bin selbstständig und angemeldet, sowohl ich als auch die Kunden werden über diese Plattform geprüft. Mir kann nichts passieren, die wissen im Ernstfall auch, wo ich bin.

"Schlüpfrige Angebote an Reinigungskräfte sind kein Einzelfall"

Was hat Sie früher gestört?
Dass die Arbeit als Putzfrau auf 450-Euro-Basis als minderwertiger Job angesehen wurde, den keiner machen will. Ich habe mich sofort, als es mit der 17.500-Euro-Regel (Anm. d. Redaktion: Kleinunternehmerregelung) möglich war, selbstständig gemacht. Jetzt fühle ich mich auf Augenhöhe, ich werde anständig bezahlt. Auch die Entlastung, dass Kunden einen großen Teil der Kosten für die Reinigungskraft von der Steuer absetzen können, hilft, dass diese besser bezahlt werden. Ich finde, es müsste noch attraktiver werden, eine Reinigungskraft gut zu bezahlen. Es sollte finanziell nicht egal sein, ob ich sie mit Rechnung oder schwarz beschäftige.

Haben Sie schon mal dubiose Angebote bekommen?
Ja, ich wurde auch schon angesprochen, ob ich schwarzarbeiten könnte. Es ist auch schon passiert, dass Männer dachten, wenn sie mehr zahlen, könnten sie etwa Sex bekommen oder zum Beispiel Nacktputzen. Solche schlüpfrigen Angebote an Reinigungskräfte gibt es und sie sind kein Einzelfall.

Wie sind Sie eigentlich zu dem Job gekommen?
Ich habe schon als Kind gerne beim Putzen geholfen, bei Nachbarn und auch in der Schule. Auch während meines Studiums habe ich geputzt.

Was haben Sie studiert?
Sozialpädagogik.

"Putzen ist eine körperlich harte Arbeit"

Verdienen Sie als Reinigungskraft besser als eine Sozialpädagogin?
Ich verdiene mit Reinigen viel mehr.

Wie viel müssen Sie pro Stunde verdienen, damit Sie um die Runden kommen?
Es müssen über 20 Euro brutto sein, 15 Euro muss ich rausbekommen.

Wie lange müssen Sie pro Kunde schuften?
In der Regel mindestens zweieinhalb Stunden. Also bei einer Single-Wohnung. Bei einem ganzen Haus kann es schon bis zu sechs Stunden dauern.

Sechs Stunden putzen – das klingt anstrengend.
Ich habe natürlich auch eine Pause. Aber ja, Putzen ist eine körperlich harte Arbeit. Wer es nicht gewöhnt ist, selbst zu reinigen, unterschätzt diesen Job. Es ist eine sportliche Leistung und ich habe mich hochtrainiert (lacht).

Rat an Putzmuffel: "Lieber gleich alles wegräumen"

Putzen Ihre Kunden auch mal vorher, weil Sie sich für den Schmutz schämen?
Was die Kunden tatsächlich oftmals machen, ist aufräumen. Denn das ist eine wichtige Regel: Wer es ordentlich hat, erweckt dadurch schon einen sauberen Eindruck.

Haben Sie ein Beispiel?
Man sagt: Auf einem Tisch sollten maximal drei bis fünf Gegenstände stehen. Etwa eine Schale, in der man andere Gegenstände hineinlegen kann. Das wirkt sofort aufgeräumter.

Was raten Sie Putzmuffeln, die sich nicht motivieren können?
Lieber gleich alles wegräumen! Das Geschirr zum Beispiel sollte man sofort in die Spülmaschine oder in die Spüle stellen. Dann steht nichts herum und man bekommt mit Essensresten auch kein Hygieneproblem. Gleiches gilt für die Wäsche: nicht irgendwo einen Wäschehaufen stapeln, sondern die schmutzige Kleidung gleich zur Waschmaschine bringen. Auch Zeitungen kann man sortieren, anstatt sie rumliegen zu lassen.

Welche Stellen werden daheim oft vernachlässigt?
Die Türklinken, Lichtschalter und Steckdosen – daran denken ganz viele nicht. Viren und Bakterien gelangen über die Hände an die Klinken und an die Schalter. Bei Steckdosen muss der Staub beseitigt werden.

Putzen ist keine Frauen-Domäne

Worauf achten Sie als erstes, wenn Sie bei jemandem zu Gast sind und schauen wollen, ob geputzt ist?
Ich merke es am Bad. Gäste sehen nicht den Staub in den Regalen – außer er ist ganz viel – oder die paar Flecken am Backofen. Aber im Bad merken sie es, wenn sie den Deckel hochheben. Auch empfehle ich, über die Anrichte und die Spüle zu wischen, das erzeugt ebenfalls den Eindruck von Sauberkeit.

Was ist das Ekligste, was Sie als Putzfrau erlebt haben?
Teilweise sehr eklig sind öffentliche Toiletten. Ich frage mich manchmal, ob es manche Leute sogar mit Absicht machen, um der Reinigungskraft Arbeit zu bereiten. Ich habe mal die öffentliche Toilette bei einem Flohmarkt geputzt. Mir und meiner Kollegin ist aufgefallen, dass es Männer gab, die auf die frisch gereinigte Toilette gegangen sind und danach war sogar an den Wänden Urin. Nach dem Motto: Wenn ich schon 50 Cent bezahle, dann mache ich es auch dreckig.

Was würden Sie solchen Menschen gerne sagen?
Wo bleibt die Menschlichkeit? Wir sollten doch alle respektvoll miteinander umgehen. Dabei geht es nicht nur um mich, sondern auch um die nächsten Kunden, die dadurch wieder länger warten müssen.

Ist Ihr Job immer noch eine Frauen-Domäne?
Nein! Grundsätzlich muss man sagen, dass der Großteil meiner Konkurrenz aus anderen Ländern kommt. Und aus Indien sind es häufig Männer. Ich kenne viele akribische Männer, die jeden Fitzel wegmachen. Deswegen finde ich es auch wichtig, dass heute nicht der Tag der Putzfrau ist, sondern der der Reinigungskräfte.


Die Expertin gibt Putz-Tipps für Zuhause

Der Boden: Wenn sehr viel Staub liegt, sollte man vor dem Wischen saugen. Eine Staubschicht kann sonst den Boden verschmieren.

Die Ecken: Man sollte mehrmals mit dem Wischmop hineinwischen, sagt Expertin Romy Schneider. Denn gerade dort setzt sich gern Staub fest. Also: die Sachen aus den Ecken räumen, mit dem Staublappen hineinwischen, Kehrleiste abwischen, Boden wischen, trocknen lassen, Sachen zurückstellen.

Die Toilette: Im Bad zuerst das Toilettengel (oder bei geringer Verschmutzung Essigessenz) in die Toilettenschüssel verteilen und einwirken lassen, während die anderen Bereiche geputzt werden. Dann mit der Toilettenbürste schrubben. Den Toilettendeckel mit Essigreiniger ein- und mit Toilettenpapier trocken reiben. Auch die Bürste und der Behälter werden mit Essigreiniger abgewaschen.

Das Bad: Die Dusche, Fliesen, Badewanne und Waschbecken mit einem Badreiniger einsprühen, und zuerst die Türklinke mit Essigreiniger abwischen – "Essig desinfiziert". Dann das Waschbecken abwischen und mit Toilettenpapier trocken reiben. Anschließend die Utensilien vor dem Spiegel ins saubere Waschbecken legen, den Spiegel mit Glasreiniger putzen, die Ablage mit Badreiniger abwischen, und die Tiegel abgewischt zurückstellen. Obacht: "Denke beim Waschbecken auch an den Stöpsel: umdrehen, abwischen und auch in den Abfluss hineinwischen, sonst müffelt es", sagt Schneider. Sie empfiehlt, Fliesen, Duschwände und die Wanne abschließend mit Klarspüler abzureiben. "So perlt das Wasser für etwa eine Woche ab, das verhindert Schimmelbildung."

Küchengeräte: Klarspüler reinigt die Metallfronten von Küchengeräten gut, sagt Schneider. Ein wenig Klarspüler auf das Küchentuch geben, einreiben, mit frischem Küchentuch nachreiben, Babyöl auf ein weiteres Küchentuch geben, drüber reiben, mit frischem Küchentuch nachreiben – fertig! "Nun glänzt die Oberfläche und das Wasser perlt ab."

Fenster: Am besten mit Küchentüchern und einem Glasreiniger mit Spiritus. Einsprühen und mit dem Papiertuch abwischen, mit frischem Tuch darüber reiben. Erst die Rahmen und die Außenseite des Fensters, dann innen.

Putzutensilien: "Man braucht für jedes Mittel auch einen anderen Lappen, sodass es Sinn ergibt, verschiedenfarbige Lappen aus verschiedenen Materialien zu nutzen." Zum Staubwischen benötigt man einen glatten Lappen aus Baumwolle oder Microfaser, der komplett sauber sein muss, um Kratzer zu vermeiden. Auch beim Fensterputzen muss man auf gänzlich saubere Lappen achten, die keine Fremdkörper in sich haben.

 

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