Täter mit totaler Überwachung Trickbetrug in München: Psycho-Terror falscher Polizisten

Die Betrugsopfer durften stundenlang nicht auflegen - neue Masche der Täter ist die totale Überwachung. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im Display erscheint die 110, die Täter hören ihre Opfer sogar ab – im neuen Jahr gab es schon 70 Versuche! Die neuen perfiden Tricks der Täter.

 

München - Absurderweise war es ein Sturz, der eine Seniorin aus Sendling davor bewahrte, ihre Ersparnisse zu verlieren. Ihre Verwandten hatten sich Sorgen gemacht, weil sie die Frau nicht erreichen konnten. Ihr Telefon war ständig besetzt – und dies schon seit dem Vortag.

Beunruhigt baten die Angehörigen die Polizei, nach der Frau zu sehen. Die Beamten kamen buchstäblich in der letzten Minute. Denn die Rentnerin kehrte gerade von der Bank zurück. Sie hatte ihre Ersparnisse abgehoben – um sie einem Fremden zu übergeben, den sie ebenfalls für einen Polizisten hielt. Über Stunden und die ganze Nacht war die ältere Dame von einem Betrüger am Telefon manipuliert, kontrolliert und dirigiert worden.

Drei von 70 Fällen waren erfolgreich

Die Methoden der sogenannten Trickbetrüger werden immer perfider. Seit Anfang des Jahres registriert die Polizei eine enorme Zunahme durch Täter, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben und Senioren in Angst und Schrecken versetzen. Ihr Ziel ist stets, die Opfer dazu zu bringen, Wertsachen und Bargeld zu übergeben. "Seit Beginn des Jahres wurden 70 solcher Betrugsversuche angezeigt, in drei Fällen waren die Täter erfolgreich", sagt Konrad Raab, Leiter des Kommissariats Trickdiebstahl.

Das Geschäft ist für die Täter äußerst lukrativ. Allein in zwei Fällen in München in diesem Jahr erbeuteten die Täter deutlich mehr als 50.000 Euro. 2016 luchsten Betrüger einer Münchnerin sogar 100.000 Euro ab.

Neue Masche: Die totale Überwachung

So gehen die Täter vor: Am 31. Januar rief ein Mann abends bei einer 83-jährigen Münchnerin an und gab sich als Polizist aus. Auf dem Display erschien die Nummer 089/110 – eine technische Manipulation. Der Anrufer behauptete, man habe bei zwei festgenommenen Rumänen einen Zettel mit sechs Namen gefunden. Auch ihr Name sei dabei gewesen. Die Polizei habe ihre Konten gesperrt, am nächsten Tag solle sie ihr ganzes Geld abheben, damit niemand Zugriff darauf hätte.

Die Frau durfte nicht auflegen und musste um 23 Uhr, um 2 Uhr und um 6.30 Uhr in den Hörer sprechen. Ab 7:30 Uhr sollte sie sich alle Viertelstunde melden. So kontrollierte der Betrüger, ob die Seniorin mit irgendjemandem sprach.

Am nächsten Tag schickte der falsche Polizist die 83-Jährige mit ihrem Handy zur Bank. Wiederum durfte sie die Telefonverbindung nicht beenden – die totale Überwachung. Als die Frau mit ihren Ersparnissen nach Hause kam, tauchte wenig später ein falscher Polizist auf, nahm es ihr ab.

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Am nächsten Tag, dem 1. Februar, schlug der oder die Täter erneut zu. Dieses Mal traf es eine 83-Jährige aus Unterschleißheim. Gegen 19 Uhr rief ein "Oberkommissar Stein" an. Er erzählte dieselbe Story und befahl der Rentnerin, sich alle zwei bis drei Stunden zu melden, damit er sicher sein könne, dass alles in Ordnung sei. Erster Kriminalhauptkommissar Raab: "Die Frau hat die ganze Nacht nicht geschlafen."

Am nächsten Morgen ging sie zur Bank, hob mehrere zehntausend Euro ab, musste anschließend am Telefon einzelne Geldscheinnummern vorlesen und übergab das Geld schließlich an der Haustür einem vermeintlichen Polizisten. "Die Opfer werden so massiv unter Druck gesetzt, dass sie irgendwann froh sind, wenn sie gezahlt haben", sagt Konrad Raab.

Der echte Polizist stellt klar:

  • Wenn die Telefonnummer 110 im Display erscheint, versucht man, Sie zu betrügen!
  • Die echte Polizei wird Sie niemals auffordern, Geld von ihrem Konto abzuheben!
  • Lassen Sie sich immer einen Dienstausweis zeigen!
  • Lassen Sie sich Namen und Dienststelle des Beamten nennen, erkundigen Sie sich durch einen Rückruf. Sind Sie unsicher, rufen Sie auf alle Fälle den Notruf 110 an!
 

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