Szenische Lesung am Originalschauplatz "Sophie Scholl – Liebe in Zeiten des Widerstands": Weitere Termine geplant

Jonathan Hutter und Henrike Hahn als Fritz Hartnagel und Sophie Scholl. Foto: Torsten Biel

"Sophie Scholl – Liebe in Zeiten des Widerstands", eine beeindruckende szenische Lesung am Originalschauplatz.

 

Originaler kann ein Schauplatz nicht sein. Die flatternden Zettel im Lichthof der Münchner Universität gehören zur Ikonografie des deutschen Widerstands gegen die NS-Diktatur. Am 18. Februar 1943 warf Sophie Scholl "80 bis 100" Flugblätter, wie sie später zu Protokoll gab, vom zweiten Stock der Halle ab und wurde vom Hausmeister festgehalten. "Ihr werdet in die Geschichte eingehen", soll der Vater Sophie und Hans Scholl kurz vor ihrer Hinrichtung gesagt haben. Er behielt recht.

Jonathan Hutter entwickelt mit Schwester das Theaterprojekt

Die Geschwister Scholl und die "Weiße Rose", deren Kern sie bildeten, wurden zu Prototypen des unbeirrbar aufrechten Gangs durch die Barbarei. Die Szene der fliegenden Blätter inspirierte linke Studenten 1968 zu einer ähnlichen Aktion am gleichen Ort und wurde verfilmt von Michael Verhoeven (1982) und Marc Rothemund (2005). Der Schweizer Schauspieler Jonathan Hutter entwickelte mit seiner Schwester Rahel Hutter, einer in Berlin lebenden Musikerin, ein Theaterprojekt zu einem speziellen Aspekt der Gruppe: der Liebesgeschichte zwischen Sophie Scholl und dem vier Jahre älteren Friedrich Hartnagel.

Volkstheater und LMU verhandeln über weitere Termine von "Sophie Scholl"

Jonathan Hutter ist seit voriger Spielzeit Ensemblemitglied des Münchner Volkstheaters. Dort nahm man Kontakt zur Stiftung Weiße Rose mit Sitz in der Ludwig-Maximilians-Universität auf für zwei Vorstellungen von "Sophie Scholl – Liebe in Zeiten des Widerstands". Die Faszination der Scholls und der Weißen Rose erwies sich als groß: Die beiden Abende waren restlos ausverkauft. Zur Zeit verhandelt das Volkstheater mit der LMU über weitere Termine. Der besondere Kitzel dieser "szenischen Lesung" ist der Ort, an dem das brutale Ende der Weißen Rose begann. Das Material fanden die Geschwister Hutter und die Schauspielerin Henrike Hahn im Briefwechsel zwischen Sophie und Fritz ab 1937. Damals war sie noch Oberstufenschülerin in Ulm, er leistete Wehrdienst in Augsburg und war, wie er notierte, "begeistert vom Soldatenleben". Die frühen der insgesamt über 300 Briefe zeichnen zart den Weg nach, den die Beziehung nahm. Es ist nicht nur Sophie, die Fritz beim Tanzen den Kopf verdreht hatte, sondern der herzliche Umgang innerhalb der gesamten Familie: "Das Milieu ist herzerwärmend".

Zum Milieu gehören bürgerlicher Bildungskanon ebenso wie ein stark christlich geprägtes Wertesystem. Herzerwärmend und anrührend ist gleichfalls das Spiel von Hahn und Hutter wie auch mit Klavier und Gitarre, aber ohne jeden Anflug von Rührseligkeit.

Die intensive Inszenierung wechselt für die letzte Viertelstunde in den Lichthof. Die repräsentative Gärtner-Architektur, in der die Figuren sich behaupten, und der Klang der dortigen Orgel machen den Originalschauplatz zu einem verwunschenen Ort für zwei Liebende über den Tod hinaus.

 

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