Syrien Pilger-Entführung zieht Teheran in Syrien-Konflikt hinein

Die Verschleppung von 48 Iranern in Damaskus zieht Teheran mehr und mehr in den blutigen syrischen Konflikt hinein.

 

Teheran/Damaskus - Nach der Nachricht vom Tod dreier Geiseln in Rebellenhand hat der Iran die USA für das Schicksal der Entführten mitverantwortlich gemacht. Das ergebe sich aus der Unterstützung des Landes für die bewaffneten Aufständischen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna am Dienstag berichtete, bestellte das Außenministerium in Teheran die Schweizer Botschafterin ein, um dies zu übermitteln. Die Schweiz vertritt die US-Interessen im Iran.

Teheran und Washington unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Eine islamistische Rebellen-Brigade hatte die 48-köpfige Pilgergruppe am vergangenen Wochenende in Damaskus entführt. Die Aufständischen unterstellen ihren Geiseln, Agenten der iranischen Revolutionsgarden zu sein, die sich zu einer "Kundschaftermission" in Syrien aufgehalten hätten. Teheran - engster Verbündeter des bedrängten syrischen Machthabers Baschar al-Assad - bestreitet dies vehement.

Unterdessen ist der iranische Spitzenpolitiker Said Dschalili in Damaskus eingetroffen. Er werde unmittelbar mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zusammentreffen, hieß es in der syrischen Hauptstadt. Dschalili ist ein Vertrauensmann des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei. Unter anderem leitet er die iranische Delegation bei den Atomverhandlungen mit der internationalen Gemeinschaft.

Die für die Entführung verantwortliche Al-Baraa-Brigade hatte am Montag auf ihrer Facebook-Seite bekanntgegeben, dass drei der Iraner im Granatenhagel der Armee gestorben seien. Die Entführer drohten, weitere Geiseln zu erschießen, sollte das Militär den Artilleriebeschuss nicht einstellen.

In dem Konflikt sieht sich Teheran nach eigener Darstellung mehr und mehr in eine Rolle gedrängt, die es nicht spielen will. "Die USA und andere Länder, die die Rebellen unterstützen, versuchen, den Iran direkt in den syrischen Konflikt hineinzuziehen und ihn einer Konfrontation mit den arabischen Staaten näherzubringen", erklärte der iranische Außenamtssprecher Ramin Mehmanparast im Zusammenhang mit der Einbestellung der Schweizer Botschafterin. Saudi-Arabien, das die syrischen Rebellen unterstützt, rivalisiert mit dem Iran um die Vorherrschaft am Golf.

Auch die Türkei unterstützt die Rebellen in Syrien. Die Geiselnahme sollte auch Thema beim Ankara-Besuch des iranischen Außenministers Ali Akbar Salehi sein. Er wurde am Dienstag vom türkischen Außenminister Ahmet Davutoglu erwartet, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Im nordsyrischen Aleppo wurden nach Angaben des Staatsfernsehens am Dienstag mindestens 25 Aufständische bei schweren Kämpfen getötet. Die Rebellen hätten ein Kraftwerk angegriffen und seien zurückgeschlagen worden. Die Oppositionellen eroberten nach eigenen Angaben in zehnstündigen Kämpfen einen strategisch wichtigen Armee-Kontrollpunkt.

 

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