Symposium in München Lese-, Schreib-, Rechenschwäche: Früh helfen!

Rund vier Prozent aller Grundschüler haben Probleme mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen. Foto: Axel Heimken/dpa

Knapp vier Prozent der Grundschulkinder in Deutschland haben eine Lese- oder Rechtschreibschwäche, etliche haben beides. Forscher aus der ganzen Welt treffen sich hierzu zu einem Symposium am Münchner Klinikum.

 

München - Schon in den ersten Schulmonaten wollen Ärzte und Pädagogen Kindern mit Lese-, Rechtschreib- und Rechenschwäche helfen. Es gebe Modelle in den USA, die direkt mit dem Schulbeginn ansetzten, sagte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, Gerd Schulte-Körne. "Je früher, desto besser."

An dem Münchner Klinikum treffen sich am Mittwoch und Donnerstag rund 60 Wissenschaftler aus aller Welt zu einem Symposium. Zwei Studien in Hessen und in Bayern mit mehreren Tausend Kindern zeigten, dass jeweils etwa vier Prozent der Grundschulkinder eine Lese-, eine Rechtschreib- oder einerkombinierte Lese-Rechtschreibschwäche hätten.

Viele werden von Mitschülern gehänselt

Während die einen beim Lesen stocken, Wörter, Silben und Buchstaben vertauschen, machen die anderen beim Schreiben viele Fehler. Sie schreiben teils ein Wort im selben Text mehrfach unterschiedlich falsch. Und sie werden dafür nicht selten von Mitschülern gehänselt.

Die unterschiedlichen Schwächen werden unter Legasthenie subsumiert - und seien früher gar nicht unterschieden worden, sagte Schulte-Körne. "Das hat dazu geführt, dass den Kindern nicht gezielt geholfen wurde." Relativ unbekannt, jedoch mit vier Prozent Betroffenenanteil ebenso verbreitet, sei die Rechenstörung Dyskalkulie.

Bei der Unterscheidung all dieser Störungen sei man genauer geworden. Seit dem vergangenen Jahr gebe es von über 30 Fachverbänden entwickelte diagnostische Leitlinien. Außerdem setze Hilfe früher an. "Man wartet nicht mehr, bis das Kind scheitert." Vorbild für die Betreuung sei ein gestuftes Modell aus den USA, sagte Schulte-Körne.

Hilfe hat gesellschaftliche Bedeutung

Dabei werde vom Eintritt in die Schule an die Entwicklung beobachtet und zunächst einfache Unterstützung in der Gruppe angeboten. Für Kinder, bei denen das nicht ausreiche, gebe es ein intensiveres Förderangebot, das notfalls noch mit einer außerschulischen Förderung kombiniert werde. In Deutschland werde diese Strategie bisher nur vereinzelt praktiziert.

Da viele Betroffene bis ins Erwachsenenalter mit erheblichen Schwierigkeiten und meist auch psychischen Problemen kämpften, müsse die Forschung herausfinden, wie den Kindern möglichst effizient geholfen werden könne. Das sei auch von gesellschaftlicher Bedeutung, da die Beeinträchtigungen häufig zu Schulversagen und zu enormen Kosten führten.

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