Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Simon Rattle dirigiert die "Walküre"

Simon Rattle dirigiert die "Walküre" im Herkulessaal. Foto: Peter Meisel/BR

Simon Rattle und das BR-Symponieorchester mit Wagners „Walküre“ im Herkulessaal

Warum dirigiert Sir Simon Rattle Richard Wagner? Was will er an dessen Musik zeigen, was interessiert ihn speziell an der „Walküre“? Diese Frage ist nach dieser Aufführung nicht eindeutig zu beantworten. Zwar sind seine Vorlieben in puncto Orchesterklang bekannt. Auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert sich unter seiner Stabführung in heller Klanglichkeit, mit aufgelockerten Streichern, schlankem Holz und nicht übertrieben imposanten Blechbläsern. Wie gewohnt, strahlt Rattle britische Leichtigkeit aus. Das Weihevolle von Wagners Bühnenfestspiel wird neutralisiert. Alles nicht so ernst gemeint. Aber alles auch ein bisschen egal.

Für das Symphonieorchester ist das ohnehin ungewohntes Repertoire. Es liegt denn auch an Rattles Nachlässigkeit, wenn die instrumentale Ebene nicht die Perfektion erreicht, die man bei einer konzertanten Aufführung erwarten würde.

Der fehlenden Vertrautheit mit dem Stück wirkt Rattle nicht durch sorgfältige Koordination im Detail entgegen. In allen Orchestergruppen ist Ratlosigkeit bemerkbar, die sich in verwackelten Einsätzen und unpräzisen Abschlüssen, etwa bei Akkorden, äußert. Zu wenig wird mit den Pfunden des Symphonieorchesters gewuchert. In Höhepunkte, etwa im ersten und im dritten Akt, stolpert Rattle eher hinein. Wie man das Geschehen vielmehr vom Orchester aus entwickelt, hat Kirill Petrenko in der Staatsoper vorgemacht.

Unterdirigent für die Walküren

Die Hemdsärmeligkeit führt häufig zu Spannungsverlusten. Wenn Siegmund sich, immerhin „in höchster Not“, an das vom Vater verheißene Schwert erinnert, kommt das als bloße gute Idee herüber, die Stuart Skelton in milder Besorgnis äußert. Der Australier hat die tenorale Kraft für diese Rolle, sowohl in der Höhe als auch in der Tiefe, doch er wird durch Rattles oberflächliche Tempi oft zu hastiger, vernuschelter Deklamation getrieben.

Die bedrohlichen Basslinien, mit denen Hunding auftritt, werden von Rattle bloß verwaltet, ohne Ausdruck abgehakt. Eric Halfvarson brüllt sich durch diese Rolle mit unschöner Konsonantenspuckerei. Und für die Ensemble-Szenen der Walküren ist sogar ein Unterdirigent engagiert, der die acht guten Sängerinnen vom Rand des Herkulessaals aus leitet, während sich Rattle nur um das Orchester kümmert.

Einigen Sängern ist es gegeben, Sir Simon zeitweise aus seiner Gleichgültigkeit zu reißen. Zum Beispiel James Rutherford, der kurzfristig für den erkrankten Michael Volle einsprang. Der Engländer überzeugt mit einem wuchtig angelegten, jungen Wotan, dessen Textintelligenz selbst dann nicht nachlässt, wenn er vor Wut schäumt. Auch Eva Maria Westbroek als Sieglinde bringt mit ihrem schwer samtigen Sopran jedes Wort zur Geltung, während Iréne Theorin als Brünnhilde angegriffen wirkt und mehr Schonung seitens des Dirigenten bräuchte.

Der wirkt kaum präsenter als bei den leider nur kurzen Passagen von Elisabeth Kulman als Fricka. Mit ihrem Schöngesang verführt sie sogar als Spielverderberin, jeder höhnische Ton und jedes ironische Wort funkeln wie ein Juwel: Fricka als Femme fatale. Hier wird verwirklicht, was in einer Aufführung ohne Bühne und Kostüme alles an rein musikalischer Gestaltung möglich gewesen wäre. Die Impulse dazu gehen wohlgemerkt nicht vom Dirigenten aus.

Das Konzert kann man in Kürze auf br-klassik.de anhören und ansehen. „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ folgen laut BR, wenn das Konzerthaus im Werksviertel fertig ist

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihr Pseudonym sowie weitere Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading