Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons und Iveta Apkalna mit französischer Musik

Iveta Apkalna spielt Poulenc im Gasteig. Foto: Peter Meisel

Mariss Jansons, Iveta Apkalna und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit französischem Edelkitsch im Gasteig

 

Für die nun folgende Reise nach Wien, Budapest, Luxemburg und Amsterdam mag es den dortigen Konzertkassen zuträglich sein, Mariss Jansons und die effektbewusst orgelnde Lettin Iveta Apkalna zusammenzuspannen. In München aber verkauft sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Wert, wenn der Chef seine knappe Zeit mit der Orgelsymphonie von Camille Saint-Saëns verschwendet und Beethovens Hauptwerke Gästen oder dirigierlüsternen Geigern überlässt.

Zum Aufwärmen verwechselten Jansons und sein Orchester die Ouvertüre „Le Carneval romain“ von Hector Berlioz mit einem Stück von Brahms. Sie erklang eine Spur ungelenk im satten deutschen Sound. Man muss gewiss nicht jede historisierende Interpretationsmode mitmachen. Aber der halbwegs erfahrene Hörer weiß: Erst mit schlanker, obertonreicher Brillanz kommt diese Musik zu sich, abgesehen davon, dass Berlioz nicht den biederen rheinischen, sondern den rauschhaften römischen Karneval darstellen wollte.

Mit der Wurst nach der Speckseite

Beim 1938 vollendeten Konzert für Orgel, Streicher und Pauken von Francis Poulenc passte der dunkel-sämige Breitwandsound besser. Iveta Apkalna nutzte alle Möglichkeiten des französisch beeinflussten Instruments im Gasteig, um das Werk farbig und scharf zu registrieren. Mehr ist da nicht drin: Eine persönliche Sicht lässt das Konzert kaum zu. Als Zugabe spielte die Lettin einen Reißer, der wie Wagners „Rheingold“-Vorspiel im achtfachen Tempo klang. Dem Vernehmen nach handelte es sich um eine Toccata über den Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ des Letten Aivars Kalejs.

Bei Saint-Saëns‘ Orgelsymphonie holte Jansons geschickt diverse Nebenstimmen und die Bezüge zum „Dies irae“-Thema heraus. Das Klavier ging allerdings zeitweise im heftig aufdrehenden Orchester unter. Hin und wieder mag dieses Opus ja ganz unterhaltsam sein, aber es bleibt ein lässiger Umgang mit künstlerischen Ressourcen, solche Edelsalonmusik mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aufzuführen. Auch dieser wiederholungselige, mit Zierrat überladene Selbstläufer lässt sich allenfalls organisieren, aber kaum interpretieren. Nachdem im Finale mit der Wurst (Orgel im vollen Werk) nach der Speckseite (Orchester im Fortissimo) geworfen wurde, ließ Jansons auch zu allem Überfluss noch den Schlussakkord ewig aushalten, um mit viel Getöse eine Überwältigung herbeizuzwingen, die sich rein künstlerisch nicht einstellen kann.

Demnächst marschiert Jansons mit Resphigis „Pini di Roma“ in die Ewige Stadt. Das sei ihm natürlich gegönnt. Danach wäre es schön, wenn der Chef wieder einmal Mahler oder Schostakowitsch dirigieren würde, von Ambitionierterem wie Werken von Schönberg oder Edgar Varèse ganz zu schweigen. Und noch was: Jewgenij Kissin, der laut BR mit dem Symphonieorchester angeblich aus Termingründen nur in Japan auftreten kann, hatte immerhin so viel Zeit, sich das Konzert im Gasteig anzuhören.

Kissin spielt am So. um 19.30 Uhr Chopin, Schumann, Debussy und Skrjabin im Gasteig, Restkarten an der Abendkasse

 

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