Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Mariss Jansons dirigiert Schostakowitsch, Weber und Beethoven

Mariss Jansons bekam kürzlich den Preis Opus Klassik für sein Lebenswerk. Foto: BR

Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Gasteig

 

Die Herrschaften neben uns und jene vor uns verschwanden in der Pause. Platznachbarn anderer glaubhafter Zeugen entschlummerten, andere hielten bei leisen Stellen ein Schwätzchen. Dabei gab es im Gasteig das Beste, was einem beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks passieren kann: Mariss Jansons interpretiert mit seinen Musikern eine Symphonie von Dmitri Schostakowitsch. Was übrigens eher selten geschieht, weil der Chefdirigent ungern auf Spezialistentum festgelegt werden möchte.

Es gab die Zehnte, die Symphonie mit dem wüsten Scherzo, das Stalin porträtieren soll. Jansons dirigiert das nicht als zeitgeschichtliches Dokument, sondern als Musik, die wie jede große Musik, laut einem Wort von Franz Schubert, unendlich traurig ist.

Nicht der Effekt, sondern das Bedrohliche

Der Klarinettist verbreitete am Beginn der Symphonie verhaltene Melancholie, der Oboist antwortete darauf eine halbe Stunde später am Beginn des Finales mit einer anderen resignierten Schattierung. Zwischen fahlen Soli und viel grantiger Grübelei wird es bei Schostakowisch immer wieder laut. Jansons interessiert dabei nicht der Effekt, sondern das Bedrohliche.

So virtuos die Solisten und Gruppen des Orchesters vom Konzertmeister bis zur Horngruppe agieren: Nie wird die Musik zum reißerischen Selbstzweck. Jansons holt präzise heraus, wie sehr Schostakowitsch jeden symphonischen Optimismus vermeidet. Die Zehnte endet zwar laut und lustig, aber es ist ein sehr grober Humor, dem man, wie einer Gruppe angeheiterter männlicher Wiesn-Besucher, besser aus dem Weg geht.

Im ersten Teil spielte Rudolf Buchbinder, der Meister verlässlicher Gediegenheit, das Klavierkonzert Nr. 2 von Beethoven. Er bemühte sich, der Musik eine Entwicklung von Verspieltheit, Versenkung zur virtuoser Gelöstheit abzuringen. Im Vergleich zu dem, was sich nach der Pause ereignete, blieb er routiniert. Davor raubten zu viele Streicher Carl Maria von Webers „Euryanthe“-Ouvertüre ihre blitzende Bläser-Brillanz. Leider stieg Jansons auch kurz vor Schluss unnötig auf die Bremse. Romantik liegt ihm weniger. Bei Schostakowitsch und anderer Musik der Moderne ist er dafür unerreicht.

Die Aufzeichnung einer früheren Aufführung der Symphonie Nr. 10 unter Jansons als CD bei BR Klassik

 

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