Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Lahav Shani dirigiert Bartók

Der Dirigent Lahav Shani. Foto: dpa

Bartók pur mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Lahav Shani

 

Als Zugabe gab es noch zwei kurze Geigen-Duos von Béla Bartók. Renaud Capuçon, der eben das Violinkonzert Nr. 2 gespielt hatte, tat sich dafür mit dem Konzertmeister Radoslaw Szulc zusammen. Der wiederum erdete diese beiden Miniaturen mit einer winzigen Spur Geräusch und traf den Bartók-Sound besser als Capuçon mit seiner schlackenfreien Makellosigkeit.

Bartóks Musik ist beides: ungarisch und international. Der folkloristische Anteil macht sie zugänglicher als das Meiste, was seine deutschen und österreichischen Zeitgenossen in dieses Komponisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts komponierten. Unter der Oberfläche sind die Werke formal und harmonisch kaum weniger kompliziert. Aber ihr Reichtum ist schwer ans Licht zu holen, wie dieses Konzert im Herkulessaal bewies.

Capuçon schaute da mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Lahav Shani kaum ins Innere. Er hangelte er sich von Solo zu Solo, ohne dass sich ein übergreifender Zusammenhang eingestellt hätte, technisch perfekt, aber zugleich klassizistisch-glatt, als handle es sich um Mendelssohn Bartholdy, wo derlei Farbenarmut bei einer erstklassigen Aufführung auch nicht wirklich zielführend wäre.

Zu sauber

Ein wenig ländliche Erde und klanglicher Schmutz gehören da schon dazu. Auch die Begleitung durch das Orchester unter Lahav Shani wirkte in diesem reinen Bartók-Programm ein wenig monochrom, wie bedeckt jenem dunkelgelben Firnis, der sich im Herkulessaal leider schnell einstellt, wenn der Dirigent nicht genügend auf den Klang achtet.

Den kleinen, aber feinen „Bildern aus Ungarn“ – fünf instrumentierten Klavierstücken, denen die Herkunft nicht anzumerken ist – gebrach es an feinerem Witz. Auch im „Konzert für Orchester“ erwies sich Lahav Shani eher als Mann fürs Grobe, der das Orchester unter Volldampf setzte. Schon der aus tiefen Streichern auftauchende Anfang wirkte geheimnislos, und alles Konzertante zeigte sich vor allem durch Lautstärke. In der Überleitung zur Durchführung des Finales ging der entscheidende Hornruf im allgemeinen Getöse unter.

Auch die Tempoübergänge wirkten nicht sonderlich überlegt. Shani ist gewiss kein schlechter Dirigent, aber weder ein Mann für Bartók noch für die heikle Akustik des Herkulessaals, die nichts schlechter verträgt als Orchesterkraftmeierei.


 
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