Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks Igor Levit und seine fantastische Zugabe

Igor Levit und Iván Fischer spielen Mozart. Foto: Astrid Ackermann

Igor Levit und das BR-Symphonieorchester unter Iván Fischer mit Mozart und Tschaikowsky im Herkulessaal.

 

Wer noch im Ohr hatte, wie klug, feinsinnig und kammermusikalisch das Bayerische Staatsorchester am Montag unter Vladimir Jurowski mit Mozarts „Sinfonia concertante“ begann, dem versetzte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine eiskalte Dusche: Bräsig, breit und ohne Rücksicht auf den vom Komponisten gewünschten Gegensatz zwischen Piano und Forte bretterten die Musiker durch den Anfang des Klavierkonzertes in Es-Dur KV 482. Das ist auch mit der Überbelastung des Orchesters durch das Gedenkkonzert für Mariss Jansons nicht wirklich zu entschuldigen.

Das erste Solo von Igor Levit brachte die Verhältnisse dann wieder ins Lot. Der Pianist brachte die von Mozart komponierte Opera buffa für Klavier zum Sprechen. Themen traten in einen geistreichen Dialog, ein Einzelner verlor sich im langsamen Satz für Momente in verhaltener Melancholie, ehe im Finale turbulente Freude einkehrte. Levit inszeniert das alles mit einer unbändigen Frische, die das Orchester und den Dirigenten seltsam unberührt ließ.

Was für eine Zugabe

Bei der Zugabe verzichtete der Pianist auf jede naheliegende Reklame für seine Beethoven-Aktivitäten: Er erinnerte an einen wahrhaft Vergessenen und spielte den „Gesang der Verrückten am Meeresgestade“ des französischen Komponisten Charles Valentin Alkan. Ein hochoriginelles Stück, von dem wir hier jetzt sagen: Wer es nicht kennt, hat im Leben etwas verpasst.

Nach der Pause folgte noch Peter Tschaikowskys Symphonie Nr. 4. Die Aufführung fing durchaus vielversprechend an. Iván Fischer versuchte, nach der Schicksalsfanfare dem Orchester Eleganz und Nuanciertheit zu entlocken. Auch nach den ersten Steigerungen und der dramatischen Zuspitzung am Ende des Kopfsatzes bestand noch einige Hoffnung auf eine geglückte Aufführung.

Aber schon der langsame Satz wurde recht plump gespielt. Zum Rest nur so viel: Tschaikowsky kennt man, die Schwierigkeit, ihn wirklich gut zu spielen auch. Der für den verstorbenen Chefdirigenten eingesprungene Iván Fischer ist ja eigentlich ein seriöser Vertreter seines Fachs, dessen Konzerte mit dem Budapest Festival Orchestra die reine Freude sein können.

Wenn das Orchester nach Hause gegangen wäre und Levit die Bühne für eine Stunde Alkan überlassen hätte, würde man drei Wochen von diesem Ereignis zehren. So bleibt nur die Ahnung, welche Entdeckungen eintreten können, wenn jemand ausgetretene Pfade verlässt. Was übrigens auch bei Tschaikowsky möglich ist.

Das Konzert vom 17. Januar ist in Kürze auf br-klassik.de als Audio und Video abrufbar


 
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